Filmkritik:
Der Nussknacker und die vier Reiche

Disneys Weihnachtsfilm “Der Nussknacker und die vier Reiche” beeindruckt durch seine Farbenvielfalt, seine Animationen und seine Liebe zum Detail. Dabei gerät die Story jedoch etwas in den Hintergrund. Was bleibt ist ein relativ unaufgeregter Fantasyfilm, der nur sehr wenig mit dem Original von Hoffmann zu tun hat. Weihnachtszauber pur ist dennoch garantiert.

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Die Handlung von “Der Nussknacker und die vier Reiche”

Die junge Clara (Mackenzie Foy) findet sich in einer mysteriösen Parallelwelt wieder, als sie sich auf die Suche nach einem geheimnisvollen Schlüssel macht, der eine Ei mit einem einzigartigen Geschenk öffnen soll. Im Schneeflockenland, im Blumenland und im Naschwerkland trifft sie auf allerlei seltsame Bewohner. Zusammen mit dem jungen Nussknacker-Soldaten Phillip (Jayden Fowora-Knight) begibt sie sich schließlich ins unheilvolle Vierte Reich, das von der tyrannischen Mutter Ingwer (Helen Mirren) beherrscht wird. Dabei geht es schon längst nicht mehr nur um Claras Schlüssel, sondern darum, die Harmonie in den vier Reichen wiederherzustellen.

Der Nussknacker und die vier Reiche

Mein Fazit

Bunt, bunter, “Der Nussknacker und die vier Reiche”. Die Neuverfilmung des Balletklassiker brilliert durch seine Farbenfreude und seiner Liebe fürs Detail. Dabei geht die Story jedoch etwas verloren. Disney hat sich bemüht einen möglichst glattgebügelten Fantasyfilm zu schaffen. Dieser richtet sich fast ausschließlich an eine sehr junge Zielgruppe richtet, die sich von den bunten Bildern mitreißen lassen kann.

Hoffmann vs. Disney

Obwohl sich viele Elemente von E.T.A. Hoffmanns Original “Nussknacker und Mausekönig” in Disneys Adaption “Der Nussknacker und die vier Reiche” wiederfinden, haben sie teilweise eine ganz neue Bedeutung zugewiesen bekommen. So wird der mit der Originalerzählung vertraute Zuschauer zwar überrascht, jedoch geht der Bezug zu Hoffmann immer weiter verloren. Ob das so gut bei dem Publikum ankommt, bleibt abzuwarten. Drehbuchautorin Ashleigh Powell hat hier freie Hand bekommen und eine nicht wirklich spannende Geschichte geschaffen. Auch die Musik von Peter Tschaikowsky fließt nur beiläufig ins Werk ein.

Der Nussknacker und die vier Reiche
© Disney

Ausdruckslose Starbesetzung

“Der Nussknacker und die vier Reiche” glänzt durch eine hochkarätige Besetzung. Doch weder Helen Mirren (“Winchester – Das Haus der Verdammten“, 2018), noch Morgan Freeman (“Ben Hur“, 2016) oder Keira Knightley (“Stolz & Vorurteil”, 2005) können einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Insbesondere Knightleys Darstellung der Zuckerfee wirkt eher wie eine Imitation von Elizabeth Banks Darbietung der Effie Trinket in der Hunger Games-Reihe. Hauptdarstellerin Mackenzie Foy (“Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2”, 2012) wirkt weitestgehend ausdruckslos, kann jedoch in wenigen Moment durch ihr überraschend energisches Auftreten ihren Stempel setzen.

Der Nussknacker und die vier Reiche
© Disney

Ein Feuerwerk von Ideen

Das die Schauspieler dem Film nicht wirklich Tiefe verleihen können, liegt aber nicht zuletzt auch daran, dass Disneys “Der Nussknacker und die vier Reiche” durch sein Feuerwerk an Farben und Ideen vom eigentlichen Geschehen ablenkt. Kleinste Details wie dem Riss im Gesicht der Mutter Ingwer, der darauf hinweist, dass es sich hierbei eigentlich um eine Porzellanpuppe handelt, begeistern. Auch die Animation des Mäusekönigs ist zauberhaft gelungen, weshalb man sich wundert, dass andere Effekte eben nur wie diese wirken: Effekte aus der (nicht ganz ausgefeilten) CGI-Trickkiste. Dennoch punktet der Fantasyfilm genau an dieser Stelle. Disney schafft eine magische Welt, die Weihnachten pur ausstrahlt.

Der Nussknacker und die vier Reiche
© Disney

Disneys (Kinder-)Weihnachtsfilm

Unter dem Strich bleibt ein relativ unaufgeregter Fantasyfilm, der sich besonders gut für Kinder eignet. Durch eine Mischung aus tollen Animationen, beeindruckenden Farben und der Liebe zum Detail hat Disney eine beeindruckende Welt geschaffen, dabei jedoch die Story etwas vernachlässigt. Aus diesem Grund wird es “Der Nussknacker und die vier Reiche” vermutlich gerade bei Jugendlichen schwer haben. Schade ist auch, dass Tschaikowskys Musik verhältnismäßig wenig in den Film einfließt. Wer auf der Suche nach ein wenig Weihnachtszauber ist, ist hier dennoch an der richtigen Adresse.

“Der Nussknacker und die vier Reiche” ab 01. November im Kino.

2 comments

  1. Birgit

    Danke für die ehrliche Kritik, Jil! 🙂

    Liebe Grüße,
    Birgit

    Antworten

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