Filmkritik: Die Frau, die vorausgeht

Filmkritik: Die Frau, die vorausgeht

“Die Frau, die vorausgeht” mit Jessica Chastain beeindruckt durch seine bildgewalten Aufnahmen und herausragende schauspielerische Leistungen – weniger durch historische Genauigkeit… 

3.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

New York, im Frühjahr 1889. Nach einem Jahr der Trauer um ihren verstorbenen Mann, beschließt die Malerin Catherine Weldon (Jessica Chastain), dass nun endlich die Zeit für einen Neuanfang gekommen ist. Unbeeindruckt von gesellschaftlicher Konvention und ganz auf sich allein gestellt, begibt sie sich auf die ebenso beschwerliche wie gefährliche Reise nach North Dakota mit einem klaren Ziel vor Augen: Sie will den legendären Sioux-Häuptling Sitting Bull porträtieren. Vor Ort macht sich Catherine mit ihrer romantischen Vorstellung von einem selbstbestimmten Leben im „wilden Westen“ jedoch schnell Feinde. Vor allem Colonel Groves (Sam Rockwell) ist die selbstbewusste Witwe mit ihrer Sympathie und Engagement für die amerikanischen Ureinwohner ein Dorn im Auge. Mit allen Mitteln versucht er, die unbequeme Frau wieder loszuwerden. Häuptling Sitting Bull (Michael Greyeyes) hingegen lernt Catherine als einen friedfertigen und besonnenen Mann kennen, dessen Vertrauen und Zuneigung sie bald gewinnt. Sie beeindruckt ihn sogar so sehr, dass er der mutigen und unangepassten Malerin den indianischen Namen „Frau geht voraus“ gibt. Als Colonel Groves und seine Leute beginnen, die letzten Stammesmitglieder auszuhungern und zu vertreiben, muss Catherine sich endgültig entscheiden, wie weit sie im schicksalhaften Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit bereit ist zu gehen.

Die Frau, die vorausgeht ab 5. Juli im Kino

Trailer zu “Die Frau, die vorausgeht”

Mein Fazit

“Die Frau, die vorausgeht” beruht auf einer wahren Geschichte rund um den Stammeshäuptling der Hunkpapa-Lakota-Sioux Sitting Bull und der weißen schweizerisch-amerikanischen Catherine Weldon. Eine kurze Recherche bei Wikipedia reicht, um zu wissen, dass dieses historische Drama jedoch mehr Fiktion als biographisch korrekt ist. Dadurch bekommt die eindrucksvolle Geschichte, leider einen recht bitteren Beigeschmack. Betrachtet man den Film von Regisseurin Susanna White (“Verräter wie wir”, 2016) jedoch mit etwas Abstand zum wahren Hintergrund, bleibt ein bildgewaltiger Film, mit herausragenden Darstellern und einer sehr angenehmen Erzählgeschwindigkeit.

Die Frau, die vorausgeht
© TOBIS

Ein etwas anderer Western

“Die Frau, die vorausgeht” ist sicherlich kein klassischer Western. Anstatt auf wilde Schießereien zu setzen, kreiert White starke Persönlichkeiten, erklärt politische Vorgehensweisen und baut Catherine zu einer unverhofften Aktivistin auf. Durch beeindruckende Settings, wundervollen Landschaftsaufnahmen und detailreichen, aufwendigen Kostüme wird die Vergangenheit wieder zum Leben erweckt. Dabei wirken die Aufnahmen, die Kostüme und auch das Make Up allerdings gelegentlich zu glatt gebügelt und zu perfekt, was dem ganzen ein wenige die Authentizität nimmt.

Die Frau, die vorausgeht
© TOBIS

Catherine Weldon & Sitting Bull

Im Film wird eine erotische Spannung zwischen der Witwe und dem Indianerhäuptling kreiert, die White in der eigentlich viel größeren Geschichte immer wieder geschickt aufblitzen lässt. Dieser dramaturgische Kniff führt dazu, dass der Zuschauer, trotz der recht langsamen Erzählung, stets am Ball bleibt. Letztlich tut diese Geschwindigkeit dem Drama aber sehr gut. Die Ruhe verleiht ihr und den Beziehungsgeflechten tiefe und stärke.

Die Frau, die vorausgeht
© TOBIS

Jessica Chastain & Sam Rockwell

Jessica Chastains (“Molly’s Game”, 2018) Darstellung von Catherine Weldon mag zwar weit entfernt vom Original zu sein, ist in sich jedoch stimmig und makellos. Chastain glänzt erneut durch eine beeindruckende, atemberaubende Performance und zeigt damit eine neue Facette von sich. Chapeau! Auch Sam Rockwell (“Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, 2017) kann erneut mit seiner Rolle als fieser US-Soldat Silas Groves überzeugen.

Die Frau, die vorausgeht
© TOBIS

In­ak­ku­rat aber trotzdem beeindruckend

Wenn man mit der Geschichte von Sitting Bull vertraut ist, dann fragt man sich bestimmt, warum ein Film über ihn produziert wird, der so wenig mit den eigentlichen Geschehnissen gemein hat und ist vermutlich sogar verärgert oder gar wütend darüber. Dennoch ist der Film handwerklich und schauspielerisch absolut beeindruckend und daher auf jeden Fall sehenswert.

“Die Frau, die vorausgeht” ab 05. Juli 2018 im Kino.

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