Filmkritik: Love, Simon

Filmkritik: Love, Simon

“Love, Simon” erzählt realitätsnah die wohl schönste Coming-Out-Geschichte des Jahres. Einerseits sehr innovativ, setzt das Drama leider auch auf viel zu viele Teenie-Rom-Com-Klischees…

4 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Jeder verdient eine große Liebesgeschichte. Aber für den 17-jährigen Simon Spier (Nick Robinsonist es etwas komplizierter: Er muss Familie und Freunden noch erzählen, dass er schwul ist, und kennt nicht einmal die Identität des Klassenkameraden, in den er sich online verliebt hat. Beide Probleme zu lösen, erweist sich als gleichzeitig unglaublich witzig, angsteinflößend und lebensverändernd.

Love, Simon ab 28. Juni im Kino

Trailer zu “Love, Simon”

Mein Fazit

Tolle Message, herzerwärmende Charaktere, viel Feingefühl – aber trotzdem eine Teenie-Rom-Com voller Klischees. Schade eigentlich, denn “Love, Simon” besticht durch seine Authentizität und Realitätsnähe. Die Charaktere sind wundervoll gezeichnet und tragen alle ihr Päckchen mit sich. Allen voran natürlich Simon, der mit seinem Coming-Out hadert und in einem Unbekannten einen Verbündeten und seine erste große Liebe findet.

Love, Simon
© 2018 Twentieth Century Fox

Dramaclass, Bullies & heimliche Liebeleien

“Love, Simon” verzaubert durch eingehende Dialoge und einen spannenden Storyaufbau. Das grundsätzliche gute Drehbuch von Elizabeth Berger (“This is Us“, 2016-2018) und Isaac Aptaker (“This is Us“, 2016-2018), das auf der Romanvorlage (Anzeige) von Becky Albertalli basiert, fesselt und bringt einem die einzelnen Charaktere nahe. Und obwohl es so einiges Neues mit sich bringt, greift es auch auf viel Altbekanntes zurück. Würde man Simons sexuelle Orientierung ändern, hätte man eine ganz klassische Highlighschool-Liebesgeschichte. Natürlich werden unerwiderte Liebesgeschichten eingestreut, viele Szenen finden in der Dramaclass statt, natürlich setzt sich ausgerechnet diese Lehrerin für Simon ein und Bösewichte, die sich über den Jungen lustig mache, gibt es selbstverständlich auch. Wobei die Bullies mit ihrer minimalen Präsenz schon fast krampfhaft reingeschrieben wirken, nach dem Motto: “Irgendwer muss Simon jetzt aber auch noch aufziehen!” Klischee – abgeharkt! “Love, Simon” traut sich etwas Neues zu erzählen, warum dann nicht auf allen Linien!? Wer “Tote Mädchen lügen nicht” gesehen hat, dem wird wahrscheinlich auch das ein oder andere überraschend vertraut vorkommen.

Love, Simon
© 2018 Twentieth Century Fox

Freundschaft, Liebe & Heiterkeit

Diese Klischees beiseite gepackt, bleibt aber eine wirklich innige Coming-Out-Geschichte, die vor allem durch seine Charaktere bereichert wird. Im Zentrum steht natürlich der ruhig und etwas schüchterne Simon auf der Suche nach seiner geheimen Liebe. Nick Robinson (“Jurassic World“, 2015)  mach hier wirklich einen hervorragenden Job. Er verkörpert Simon mit solch einer Natürlichkeit, dass er in keiner Situation aufgesetzt wird. Zusammen mit seinen Freunden Leah (Katherine Langford), Abby (Alexandra Shipp) und Nick (Jorge Lendeborg Jr.) ergibt sich ein tolles Quartett, zudem man gerne selbst gehören würde – natürlich, bis die Probleme anfangen. Die Beziehungsgeflechte werden zunehmend angespannter und so auch die Figuren immer trauriger. Da kommt, man halte von ihm, was man möchte, der dauerhaft gut gelaunte und aufgedrehte Martin (Logan Miller) ganz recht – mein persönlicher Lieblingscharakter!

Love, Simon
© 2018 Twentieth Century Fox

Zwischen lachen und weinen

Als ich die ersten Trailer zu “Love, Simon” gesehen habe, habe ich gedacht, dass es sich bei dem Drama um einen klassischen, emotionalen “Heulfilm” handelt. Doch ich irrte mich. “Love, Simon” ist über weite Strecken hoffnungsvoll, amüsant und, ich würde schon fast sagen, inspirierend! Doch auch die emotionale Facette bedient Regisseur Greg Berlanti (“So spielt das Leben”, 2010) ohne Mühen. Alles fügt sich wunderbar ineinander.

Love, Simon
© 2018 Twentieth Century Fox

Angucken!

“Love, Simon” ist ein wirklich ergreifender und sehr lustiges Coming-Out-Coming-Off-Age-Rom-Com-Drama! Durch seine vielen Facetten und seines schwierigen Themas, dass “Love, Simon” mit so viel Nähe zum tatsächlichen Leben porträtiert, kann der Film definitiv überzeugen. Schade ist tatsächlich nur, dass er in so unwichtigen Dingen die volle Klischeeschiene bedingt. Ich sage trotzdem: Angucken!

“Love, Simon” ab 28. Juni 2018 im Kino!

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