Filmkritik: Wahrheit oder Pflicht

Filmkritik: Wahrheit oder Pflicht

Der Trailer von “Wahrheit oder Pflicht” verspricht Nervenkitzel bis zur letzten Sekunde. Leider geht dieser in der langen Version, in Form des Kinofilms, immer wieder verloren. Der Star des übersinnlichen Thrillers zeigt sich in einem bösartigen Grinsen.

2.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Die kalifornische College-Studentin Olivia (Lucy Hale) lässt sich nur ungern von ihrer besten Freundin Markie (Violett Beane) überzeugen, den letzten Spring Break vor ihrem Abschluss in Mexiko zu verbringen. Dort angekommen, sind ihre Bedenken aber schnell vergessen und sie feiert ausgelassen mit ihren Freunden. Während einer Partynacht lernt sie den charmanten Carter (Landon Liboiron) kennen, der die Gruppe zu einer geheimnisvollen Höhle führt und sie überredet, das Partyspiel „Wahrheit oder Pflicht“ zu spielen. Die erst lustige Stimmung schlägt schnell um, als Carter anfängt, von einem Fluch zu erzählen.

Zurück in Kalifornien hat Olivia den Vorfall schon fast vergessen, als sie unheimliche Botschaften erreichen, die sie auffordern, zwischen Wahrheit oder Pflicht zu wählen.  Anfangs hofft sie noch, dass sie sich alles nur einbildet, doch dann erkennt sie, dass sie die Regeln befolgen muss, um zu überleben. „Wahrheit oder Pflicht“ wird zur unentrinnbaren Realität: Wer nicht die Wahrheit sagt oder eine Mutprobe verweigert, stirbt eines brutalen Todes. Der einzige Ausweg: Die Freunde müssen zusammenhalten und herausfinden, was vor langer Zeit in der Höhle in Mexiko geschah. Der Kampf ums Überleben beginnt …

Wahrheit oder Pflicht ab 19. Mai im Kino

Trailer zu “Wahrheit oder Pflicht?”

Mein Fazit

Es existieren vier Regeln: Wenn du dazu aufgefordert wirst, musst du mitspielen. Du musst die Wahrheit sagen, sonst stirbst du. Du musst die Pflicht erfüllen, sonst stirbst du. Wenn du aus dem Spiel aussteigst, stirbst du.Jason Blum (Produzent)

Der neue Gruselstreifen von Blumhouse Productions führt den Zuschauer in die Tücken eines eigentlich recht harmlosen Spiels – jedoch mit tödlichen Folgen. Doch kann der Horrorspezialist mit “Wahrheit oder Pflicht” an seine vergangenen Erfolge wie “Get Out“, “Split” oder “Happy Deathday” anknüpfen? Leider, nein. Denn obwohl der Trailer und die Idee an sich sehr vielversprechend sind, kommt der übersinnliche Thriller nicht so richtig ins Rollen, wodurch der Nervenkitzel immer und immer wieder verloren geht. Schade.

Wahrheit oder Pflicht
© Universal Pictures

“Wie weit würdest Du gehen, um das Spiel zu überleben?”

Diese Frage müssen sich die Freunde stellen, richtet sich aber letztendlich auch an das Publikum. Der Zuschauer soll in das Spiel integriert werden, mit den agierenden Figuren mitfühlen, um sie bangen und hoffen. Doch so wirklich gelingt dies “Wahrheit oder Pflicht” nicht. Dies liegt vor allem daran, dass die Gruppe von Freunden keine wirkliche emotionale Tiefe zueinander aufweist. Schließlich sind die Beziehungen untereinander bereits vor dem Spiel stark am bröckeln. Stirbt eine Figur wird kurz geschrien, vielleicht ein, zwei Tränen vergossen aber dann geht es auch schon wieder weiter, frei nach dem Motto: “Wer ist als nächstes dran?” Doch anstatt zusammenzuarbeiten und beieinander zu bleiben, driften die Freunde immer wieder auseinander. Der Ansatz der komplexen Charaktere ist an sich gut gelungen, dafür jedoch zu wenig ausgebaut. Aus diesem Grund wirkt auch die plötzlich sehr gefühlsduselige Olivia etwas Fehl am Platz, da ihre Bestürzung mit vergangene Ereignissen und somit der eigentlich Geschichte kaum etwas zu tun hat. Der ganze Erzählfluss sowie die Beziehungsgeflechte wirken nicht ganz rund und künstlich aufgesetzt. Weiter wird das Publikum nicht wie gewollt in das Spiel “hineingezogen”, sondern bleibt weitestgehend unbeteiligt.

Wahrheit oder Pflicht
© Universal Pictures

Es wird übernatürlich

Hinter dem Spiel steckt ein böser Dämon, der von den Spielern oder den Menschen und Gegenständen in näherer Umgebung Besitz ergreift. In diesen Momenten zeigt sich die Stärke von “Wahrheit oder Pflicht”. Denn immer wenn Callux, der Dämon, erscheint, wird es wirklich spooky und es wird ernst. Nicht nur die Figuren werden dann nervös, sondern auch die Zuschauer. Sein Auftreten wird jedoch häufig durch zu lange Zwischenszenen unterbrochen, sodass es sogar richtig langweilig werden kann. Jegliche Power wird dem Film genommen und man überlegt fast sich noch eine Tüte Popcorn holen zu gehen. Eine gestraftere Geschichte, mit mehr Horror- und Schockmomenten hätte sicherlich nicht nur Callux, sondern auch dem Publikum gefallen. Das fiese Grinsen des Dämons stammt übrigens von Regisseur Jeff Wadlow (“Kick-Ass 2”, 2013) selbst, der dieses schon als kleiner Junge immer auf Papier gekritzelt hat.

Wahrheit oder Pflicht
© Universal Pictures
(…)kam eine Frau aus dem Kino auf mich zu, sah mich an und meinte: ‘Oh mein Gott, das ist das Grinsen! Es ist Ihr Grinsen!’ Mir war nie klar, dass ich all die Jahre mein eigenes fieses Grinsen auf Papier skizziert hatte, aber so muss es wohl gewesen seinJeff Wadlow (Regisseur)

“Wahrheit oder Pflicht?”

Trotz der bösartig, schrägen und wirklich schaurig gut gelungen Inszenierung des Dämons, kann “Wahrheit oder Pflicht” im gesamten nicht wirklich überzeugen. Auch die durchaus authentische Performance von Pretty Little Liars Star Lucy Hale oder Teen Wolf Star Tyler Posey können über das stellenweise langweilige Drehbuch von Michael Reisz nicht hinwegtrösten. Dennoch kann “Wahrheit oder Pflicht” mit einigen, leider wenigen, verstörenden Szenen schockieren und in den Momenten tatsächlich den Zuschauer mitreißen. Alles in allem ist der Film jedoch eher für einen Filmabend auf der Couch als für die große Kinoleinwand geeignet.

“Wahrheit oder Pflicht” ab 10. Mai 2018 im Kino.

One comment

  1. Filme der Woche: KW 37 - 2018 | Jil's Blog

    […] für “Solange ich atme“! Oder wollt ihr euch lieber auf ein tödliches Spiel mit “Wahrheit oder Pflicht” einlassen? Was euch sonst noch erwartet, verrate ich euch jetzt. Übrigens solltet ihr […]

    Antworten

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