Filmkritik: I Feel Pretty

“I Feel Pretty”erzählt die Geschichte von Renee, die plötzlich denkt, sie sei wunderschön und mit diesem neuen Selbstbewusstsein ihr Leben auf den Kopf stellt. Doch transportiert die Komödie auch wirklich die Message, die sie vermitteln möchte?

3 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Renee (Amy Schumer) weiß sehr wohl wie es ist, gerade so knapper Durchschnitt in der Welt der Schönen zu sein. Doch ihr Selbstbild ändert sich buchstäblich schlagartig mit einem ungebremsten Sturz vom Fitnessrad: plötzlich sieht sie sich wunderschön, auch wenn ihre Umgebung das nicht genauso erkennt und der Kopf dazu noch ganz schön brummt. Mit ganz neuem Selbstvertrauen klettert sie unerwartet auf der Karriereleiter einer Kosmetikfirma nach oben und gewinnt endlich den Respekt der von ihr so bewunderten Chefin Avery LeClaire (Michelle Williams). Doch was passiert, wenn sich die anfängliche Wirkung verflüchtigt und die Realität wieder einsetzt?

I Feel Pretty ab 10. Mai im Kino

Trailer zu “I Feel Pretty”

Mein Fazit

“I Feel Pretty” – ihr habt euch den Trailer angesehen und euch kommt alles irgendwie merkwürdig bekannt vor? Das könnte daran liegen, dass das Thema des Films absolut nichts Neues ist. Könnt ihr euch noch an “Schwer verliebt” (2001) erinnern? Ähnliches Konzept, etwas anders ausgeführt. Während in “Schwer verliebt” der Mann denkt, seine Auserwählte wäre auf einmal wunderschön, denkt in “I Feel Pretty” die Frau, sie wäre durch ein Wunder bildhübsch geworden. Doch, obwohl sich der Film sehr vertraut anfühlt, bringt er dennoch Spaß, womit die Erfolgsautoren, Abby Kohn und Marc Silverstein (“How to Be Single“, 2016), die zum ersten Mal auch Regie führten, wieder einmal ihr Talent für romantische Komödien beweisen.

I Feel Pretty
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Romcom

Wer mit Amy Schumer (“Mädelstrip“, 2017) nichts anfangen kann, der wird sich vermutlich auch nicht in “I Feel Pretty” über sie amüsieren können. Allerdings ist sie hier durchaus in guter Form und so zieht fast jeder Witz, der vor allem durch die Reaktionen von ihrem Umfeld getragen werden. So ist auch, wenn wir mal ehrlich sind, nicht wirklich Schumer das komödiantische Highlight des Films, sondern Michelle Williams (“Greatest Showman“, 2018), die sich hier wieder einmal von einer völlig neuen Seite zeigt. Mit eiserner, seriöser Mine sorgt sie mit der Quietschstimme ihrer Figur Avery LeClaire zunächst für Verwunderung und dann durchgehend für Belustigung.

Ich hatte nicht erwartet, dass Michelle so lustig sein würde. Es war schwer, gegen diese Stimme anzuspielen, weil sie einfach so komisch klang.Tom Hopper (spielt Grant LeClair)
I Feel Pretty
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

I don’t feel pretty

Im Kern handelt die Geschichte vom Wunsch, dein Leben ohne Hemmungen zu führen, ohne dass du auf diese zweifelnde Stimme in dir hörst.Aidy Bryant (spielt Vivian)

Bei all der Erheiterung, die “I Feel Pretty” mit sich bringt, hat die Komödie unter dem Strich jedoch ihr Thema verfehlt. Wirbt der Film mit “Anti-Body-Shaming” wird eigentlich genau das fast den ganzen Film über gelebt. Renee findet sich schließlich nur so lange unwiderstehlich und tritt mit unfassbar viel Selbstvertrauen auf, solange sie denkt, dass sie selbst aussieht wie ein Supermodel. Zwar beweist sie damit, dass man genau mit dieser Attitüde alles erreichen kann, egal wie man aussieht, jedoch bricht sie bei der “Wiedererweckung” völlig zusammen. Das ganze Selbstvertrauen: Weg! Und das hat nicht nur unmittelbare Auswirkung auf ihr Privatleben, sondern auch auf ihren Job. Die Selbsterkenntnis kommt daher in meinen Augen viel zu spät und wird viel zu kurz im Film gelebt.

I Feel Pretty
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Renee 2.0

Was der Film wiederum gut macht, ist, dass “I Feel Pretty” dem Zuschauer Renee immer genauso zeigt wie sie aussieht. Die “Renee 2.0” findet also ausschließlich im Kopf von Renee statt. Schumer musste daher ihre äußerliche Veränderung auf ihr Inneres übertragen und diese gleichzeitig wieder nach außen strahlen. Man sieht also Renees Veränderung sehr deutlich anhand ihrer Ausstrahlung, die auf einmal vor Stolz und Selbstbewusstsein strotzt. Für Schumer selbst war es übrigens wesentlich schwieriger – was bei dieser Frau wohl kaum verwunderlich ist – das verletzliche, minderwertige Ego von Renee zu verkörpern. Beides ist ihr jedoch sowohl emotional als auch komödiantisch gut gelungen.

I Feel Pretty
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Drama, Drama, Drama

Renee ist Drama pur. Sei es, ihr zu geringes Selbstwertgefühl, sei es ihr zu großes Selbstbewusstsein oder ihr Zusammenbruch – Renee zieht mit ihren Gefühlsschwankungen nicht nur sich hoch und runter, sondern auch ihr Umfeld. Das dies in “I Feel Pretty” ebenfalls thematisiert werden muss, ist nur logisch. Allerdings wirkt der ganze Streit zwischen Renee und ihren zwei besten Freundinnen schlecht inszeniert, völlig überdramatisiert und daher fehl am Platz. Unter dem Strich ist die Komödie aber durchaus unterhaltsam und daher für einen entspannten Filmabend mit Freunden gut geeignet.

“I Feel Pretty” ab 10. Mai 2018 im Kino.

4 comments

  1. Birgit

    Hallo Jil,

    klingt nach enem Fall für einen netten DVD-Abend… Schade, dass so viel Potential nicht genutzt wurde. Ich bin ja mal gespannt, wie “Dumplin'” inszeniert wird. Das Thema Body (Not) Shaming wird dort auch thematisiert.

    Eine Frage zu “I Feel Pretty” — gibt es viel Humor unter der Gürtellinie? Der liegt mir nicht so, daher habe ich z.B. um “Taffe Mädels” einen Bogen gemacht, obwohl ich normalerweise Sandra Bullock recht gern sehe.

    Liebe Grüße,
    Birgit

    Antworten

    1. Jil

      Liebe Birgit,
      es geht. Also klar, ist dabei aber nicht so, dass es unangenhem wird. Kann man sich gut angucken und ist auf keinen Fall mit “Taffe Mädels” vergleichbar!

      Lieben Gruß
      Jil

      Antworten

      1. Birgit

        Hallo Jil!

        Vielen lieben Dank für das Feedback — jetzt kann ich den Film besser einordnen. 🙂

        Liebe Grüße,
        Birgit

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