Filmkritik: Steig. Nicht. Aus!

Filmkritik: Steig. Nicht. Aus!

“Steig. Nicht. Aus!” zeigt einen actionreichen Thriller aus deutscher Feder und Produktion. Obwohl der Film die ein oder andere Schwäche aufweist, ist er durchaus sehenswert.

3 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Auf dem Weg zur Arbeit will der Berliner Bauunternehmer Karl Brendt (Wotan Wilke Möhringnoch schnell seine Kinder Josefine (Emily Kuscheund Marius (Carlo Thomazur Schule bringen. Doch bereits kurz nachdem er das Auto startet, erhält er einen Anruf: Ein Unbekannter droht damit, das Auto mit einer Bombe, die unter dem Sitz versteckt ist, in die Luft zu sprengen, sollten Karl oder die Kinder versuchen auszusteigen! Vom Auto aus soll Karl in kürzester Zeit eine große Summe Geld beschaffen. Als seine Ehefrau Simone (Christiane Paul) ihn verdächtigt, die gemeinsamen Kinder entführt zu haben, nimmt auch die Polizei die Verfolgung von Karl auf und schaltet Sprengstoffexpertin Pia Zach (Hannah Herzsprung) ein. Es beginnt ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit: Der Bombe ausgeliefert und von der Polizei verfolgt, versucht Karl verzweifelt, seine Kinder und sich zu retten.

Steig. Nicht. Aus! ab 12. April im Kino

Trailer zu “Steig. Nicht. Aus!”

Mein Fazit

“Steig. Nicht. Aus!” von Drehbuchautor Regisseur Christian Alvart (“Antikörper”, 2005) basiert auf dem spanischen Thriller “Anrufer unbekannt” von Dani de la Torre. Im Gegensatz zum Original wird jedoch nicht die Bankenkrise thematisiert. Stattdessen wird Brendt zum Bauunternehmen, der durch nicht einwandfreie Entmietungspraktiken zur Zielscheibe eines Attentäters wird. Alvart erhoffte sich hierdurch eine emotionalere Ebene für das deutsche Publikum zu schaffen, entwickelte dadurch jedoch einen “Buhmann”, dessen Schuld für den Zuschauer nicht gänzlich ersichtlich wird.

Steig. Nicht. Aus!
© SYRREAL ENTERTAINMENT

 

Dieser Mistkerl!?!

Karl Brendt wird in seiner Reise quer durch Berlin mit immer neuen Beschuldigungen und katastrophalen Nachrichten konfrontiert. Er scheint demnach ein ziemlicher Mistkerl zu sein, wird jedoch ausschließlich positiv porträtiert. Er kommt mit Blumen und einem Geschenk für seine Frau zum Hochzeitstag frühzeitig nach Hause, kümmert sich um seine Kinder, hat eine gute Beziehung zu seinen Arbeitskollegen und tut letztlich alles dafür, das Leben seiner Kinder (und sein eigenes) zu retten.

Steig. Nicht. Aus!
© 2018 Iris Janke/NFP marketing & distribution*

Besorge das Geld, egal wie!

Berndt versucht dazu das verlangte Geld mit allen Mitteln zu organisieren – aus dem Auto heraus. Entsprechend folgt ein Telefonat nach dem nächsten – die zunehmenden wirrer werden. Der Film leistet sich zunehmend weitere Ungereimtheiten, weshalb sich der Actionthriller nach und nach in der Mittelmäßigkeit verliert – und das obwohl er stark anfängt. Hinzukommt, dass der Film künstlich in die Länge gezogen wirkt. Gerade die Szenen mit der Polizei drehen sich gleich mehrfach im Kreis, sodass das Publikum allmählich seinen Geduldsfaden verliert.

Steig. Nicht. Aus!
© 2018 Iris Janke/NFP marketing & distribution*

Wotan Wilke Möhring am Limit

Auch Wotan Wilke Möhring (“Antikörper”, 2005) kommt in “Steig. Nicht. Aus!” an seine Grenzen. Ausgerechnet die Szenen, die ihm hohe Emotionalität abverlangen wirken etwas aufgesetzt. Dafür kann Emily Kusche (“Tigermilch”, 2017) auf ganzer Linie überzeugen. Die junge Schauspielerin nimmt man die Rolle als sorgende Schwester und liebende Tochter in jede Sekunde ab. Anhand der Figur der Josefine gelingt es dem Film einen gewissen roten Faden vorzuweisen, an dem man sich festhalten kann, wenn man etwas den Überblick verloren hat.

Steig. Nicht. Aus!
© 2018 Iris Janke/NFP marketing & distribution*

Genug gemeckert…

…denn, dies sind im Wesentlichen nur kleine bis mittlere Nuancen, die “Steig. Nicht. Aus!” etwas abschwächen. Insgesamt bringt der Actionthriller nämlich durchaus Spaß. Dies liegt vor allem an den großartigen Aufnahmen von Christoph Krauss (“Manifesto”, 2015), der die Autofahrt in jeder erdenklichen Art und Weise festgehalten hat. Auch der Schnitt sorgt – über weite Strecken – für eine adrenalingesteuerte Jagd, die den Zuschauer bei der Stange hält. Unter dem Strich zeigt sich zwar kein Meisterwerk aber ein durchaus actionreicher Thriller, den man sich gut angucken kann.

“Steig. Nicht. Aus!” ab 12. April 2018 im Kino.

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