Filmkritik: Simpel

Filmkritik: Simpel

“Simpel” zeigt einen wundervollen Handicap-Film aus deutscher Produktion. Der herzerwärmende Kampf um das Sorgerecht für seinen geistig behinderten Bruder, verlangt Ben alles ab. Ob er seinen Vater bekehren kann?

4 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Seit Ben (Frederick Lau) denken kann, sind er und sein Bruder Barnabas (David Kross) ein Herz und eine Seele. Barnabas, „Simpel“ genannt, ist 22 Jahre alt, aber geistig auf dem Stand eines Kindes. Quasilorten (Erdbeeren) sind sein Lieblingsessen und draußen im Watt entdeckt er mit seinem Stofftier Monsieur Hasehase neue Kontinente. Simpel ist anders und oft anstrengend, aber ein Leben ohne ihn ist für Ben unvorstellbar. Als ihre Mutter unerwartet stirbt, soll Simpel in ein Heim eingewiesen werden.

Die einzige Person, die diesen Beschluss rückgängig machen könnte, ist ihr Vater David (Devid Striesow), zu dem die Brüder seit 15 Jahren keinen Kontakt mehr hatten. Die Suche nach ihm entwickelt sich zu einer turbulenten Odyssee, bei der Simpel und Ben auf die Medizinstudentin Aria (Emilia Schüle) und ihren Kumpel, den Sanitäter Enzo (Axel Stein) treffen. Keiner der vier ahnt, dass sich hier eine große Freundschaft entwickelt – und vielleicht ein bisschen mehr. Gemeinsam fahren sie in die große Hansestadt, wo Simpel die Bekanntschaft mit Chantal vom Kiez macht und bei einem Koch-Versuch Arias Küche in Flammen setzt, während Ben ihren Vater David aufsucht und eine Entscheidung treffen muss, die ihm keiner abnehmen kann.

Simpel ab 20. April auf DVD & Blu-ray

Trailer zu “Simpel”

Mein Fazit

“Simpel” basiert auf dem gleichnamigen Roman (Anzeige) von Marie-Aude Murail, der 2004 in Frankreich erschienen ist. Als der Hamburger Produzent Michael Lehmann (“Nachtzug nach Lissabon”, 2013) auf einer Urlaubsfahrt das Hörbuch zu “Simpel” hörte, sicherte er sich sofort die Filmrechte. Von 2011 bis zum Drehstart Anfang 2016 wurde der Roman von den Filmemachern adaptiert und schließlich in eine kinoreife Version gegossen. Im Gegensatz zum Roman, spielt der Film nicht in Paris, sondern in Deutschland – genauer gesagt in Norddeutschland und in meinem geliebten Hamburg.

Simpel
© Universum Film

Ein besonderer Tonfall

“Simpel” begeistert durch seinen besonderen Tonfall. Der Film ist sehr komödiantisch angelegt und bringt den Zuschauer sowohl zum Lachen als auch zum Weinen. Er ist sehr emotional, weshalb er das Publikum sofort in seinen Bann zieht. Liebe, Vertrauen und Ehrlichkeit sind die Bausteine dieser wundervollen Geschichte.

Simpel
© Universum Film

Simpel & Monsieur Hasehase

(Simpel) ist ein Mensch ganz ohne Maske, ohne irgendwelche Filter, die wir ja alle haben, weil wir versuchen zu gefallen. Simpel hat das gar nicht, er ist einfach, wie er ist. Der lebt im Hier und Jetzt.Markus Goller (Regisseur)

Um die Charaktere aus dem Roman zum Leben zu erwecken, haben sich die Filmemacher für herausragende deutsche Schauspieler entschieden. David Kross, der seinen Durchbruch mit “Der Vorleser” (2008) feierte, hat sich der schwierigen Herausforderung gestellt, Simpel zu verkörpern. Doch auch Monsieur Hasehase, Simpels zweiter Ego, galt es für Kross zum Leben zu erwecken. Dies hat er mit soviel Authentizität und Glaubwürdigkeit getan, dass man sich sofort in diese Filmfigur verliebt. Um dies zu schaffen hat sich Kross intensiv vorbereitet und mit Psychologen und Psychiatern gesprochen. Zudem hat er sich mit geistig Behinderten getroffen, um diese zu beobachten und zu verstehen. Simpels “Körperlichkeit” ist schließlich das Ergebnis seiner Beobachtungen und anstrengendem Training. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Kross fällt nie aus seiner Rolle heraus, sondern verkörpert Simpel durch und durch.

Simpel
© Universum Film

Die Brüder

Simpel bildet zwar das Zentrum der Geschichte. Aber auch sein Bruder Ben spielt eine sehr wichtige Rolle. Allen voran geht es jedoch um das Verhältnis der beiden Brüder. Ben, der zunächst, im Gegensatz zu seinem Bruder, sehr verschlossen ist, öffnet sich im Laufe der Handlung und kommt zunehmen aus sich heraus. Er ist ein Charakter, der mit sich selbst ringt. Für Ben ist die Familie, sein Bruder das wichtigste, weshalb er sein eigenes Leben hinten an stellt. Diese aufopfernde Liebe kommt auch auf der Leinwand an. Und so hat man tatsächlich, dass Gefühl, dass die beiden Bruder sind. Die Harmonie zwischen Kross und Frederick Lau (“Die Welle”, 2008) stimmt.

Simpel
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Aria & Enzo

Aber auch die Medizinstudentin Aria und der Rettungssanitäter Enzo spielen eine entscheidende Rolle in “Simpel”. Ohne sie, wären die zwei Brüder nicht weit gekommen. Doch die zwei nehmen sie mit offenem Herzen auf und erweisen sich als echte Freunde. Während Aria, gespielt von Emilia Schüle (“Jugend ohne Gott”, 2017), jedoch eher tough und ein bisschen hart herüber kommt, glänzt Enzo, der von Axel Stein (“Knallharte Jungs, 2002) verkörpert wird, durch seine durch und durch liebevolle Art. Auch hier stimmt die Besetzung.

Simpel
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Der Vater

Bei all den wundervollen Charakteren, darf aber auch ein “Endgegner” nicht fehlen. Dieser findet sich in dem Anitpathen Vater David, verkörpert von Devid Striesow (“Die Fälscher”, 2007), der Brüder wider. Zunächst verschwindet er vor 20 Jahren aus dem Leben seiner Kinder und verweigert dann noch Ben das Sorgerecht für Simpel zu übertragen. Doch es wird noch schlimmer…

Simpel
© Universum Film

Eine kleine Heldengeschichte

Unsere Geschichte erzählt, wie wichtig ein Zuhause ist, wie wichtig Liebe untereinander ist, um loslassen und neu anfangen zu können.Markus Goller (Regisseur)

“Simpel” trifft genau ins Herz. Dank seiner zauberhaften Figuren, seiner charmanten Besetzung und den tollen Aufnahmen aus der Heimat – naja zumindest meiner 😉 – begeistert er. Zwar arbeitet “Simpel” auch mit dem ein oder andere Klischee, die Botschaft kommt aber dennoch an. Ein grandioses Ergebnis deutscher Kinogeschichte.

“Simpel” ab 20. April 2018 auf DVD & Blu-ray.

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