Filmkritik: Ready Player One

Steven Spielberg bringt Ernest Clines Roman “Ready Player One” auf die große Leinwand. Für die filmische Inszenierung müssen viele Referenzen und Anspielungen weichen. Dafür schaffen die Filmemacher eine glaubhafte Dystopie mit gleich zwei beeindruckende Welten, die Action und Spannung garantieren.

3.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Im Jahr 2045 ist die reale Welt nur schwer zu ertragen. Wirklich lebendig fühlt sich Wade Watts (Tye Sheridan) nur, wenn er in das gigantische virtuelle Universum OASIS entfliehen kann, in dem Grenzen der Geografie, der Gesetze und auch der Identität
aufgehoben sind – solange man nur seiner Fantasie freien Lauf lässt. Dort verbringen die meisten Menschen ihre Tage. Entwickelt wurde OASIS vom genialen, exzentrischen James Halliday (Mark Rylance), der sein ungeheures Vermögen und die totale Kontrolle über OASIS der ersten Person hinterlässt, die siegreich as einem dreiteiligen Wettbewerb hervorgeht: Dadurch will Halliday sicherstellen, dass ein würdiger Erbe sein Nachfolger wird. Als Wade die erste Aufgabe der realitätsverändernden Schatzsuche löst, geraten er und seine Freundesclique, die als High Five bekannt ist, in eine fantastische Welt voller Entdeckungen und Gefahren und bemühen sich, OASIS zu retten.

Ready Player One ab 05. April im Kino

Trailer zu “Ready Player One”

Mein Fazit

Steven Spielberg (“Jurassic Park, 1993) bringt Ernest Clines gleichnamigen Bestseller “Ready Player One” (Anzeige) auf die große Leinwand und sorgt damit für 140 Minuten Spaß, die sich längst nicht so lange anfühlen. Basierend auf dem Drehbuch von Cline selbst und Zak Penn (“The Avengers”, 2012) unterscheidet sich die Filmversion von “Ready Player One” jedoch in sehr vielen Punkten vom Original. Wobei ich einige Veränderungen als sehr negativ empfinde – dazu später mehr – ist die Filmversion aber vor allem eins: massentauglicher. Wer mit dem Roman von Cline vertraut ist, weiß, dass man ein Supergeek sein muss, um jede Anspielung auf die Filme und Spiele der 1980er Jahre verstehen zu können. Und auch der Film fordert einen sehr heraus – doch wesentlich weniger als sein geschriebenes Vorbild. Dennoch kann man “Ready Player One” auch genießen, ohne eine einzige Anspielung verstanden zu haben. Doch auch all diejenigen, die mit der Spiel- und Filmwelt vor gut 30 Jahren vertraut sind, müssen den Film sicherlich drei-, viermal angucken, um jede Referenz zuordnen zu können. Eine Herausforderung, die Filmfans sicherlich gerne annehmen werden!

Ready Player One
© 2018 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC., VILLAGE ROADSHOW FILMS NORTH AMERICA INC. AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC – U.S., CANADA, BAHAMAS & BERMUDA © 2018 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC., VILLAGE ROADSHOW FILMS (BVI) LIMITED AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT

Film vs. Buch

Die Filmadaption von “Ready Player One” unterscheidet sich wie eingangs erwähnt in einigen, wenn nicht sogar eher vielen Punkten von seinem Original. So ist der Film deutlich “weich gewaschen”. Während Wade im Roman sehr negativ gegenüber seiner Tante eingestellt ist, zeigt er im Film Sympathie und Empathie. Auch greift IOI (Innovative Online Industries) im Buch wesentlich härter durch und geht brutaler vor. Dafür baut der Film noch einen weiteren Bösewicht auf, den es im Buch in dem Maße nicht braucht. Schwerwiegender finde ich jedoch den Unterschied, dass der Film viele wesentlichen Botschaften des Romans abschwächt. Cline betont in seinem Buch immer wieder, wie wichtig die Anonymität in der OASIS(Ontologically Anthropocentric Sensory Immersive Simulation) ist. Spielberg führt indessen die Charaktere, die nur im Spiel befreundet sind, bereits sehr früh auch im wahren Leben zusammen. Inhaltlich ist eine der größten Veränderungen die erste Challenge, die so gar nichts mit der originalen zu tun hat. Im Film müssen die Jäger ein Rennen gewinnen, um an den ersten Schlüssel zu Hallidays Easter Egg zu kommen. Im Buch ist das ganze wesentlich komplizierter, erfordert viel mehr Wissen über Halliday und vor allem größere spielerische Fähigkeiten. Überhaupt fallen die Videospiele in der Verfilmung nach hinten ab. Und so gibt es nach den Fund der Schlüssel auch keine Tore mit Aufgaben, die es zu bewältigen gibt. Diese Liste könnte man ewig weiter führen, würde aber hier den Rahmen sprengen. Festzuhalten ist also, dass Cline und Penn zu Gunsten der Verständnis und um die Komplexität zu verringern “Ready Player One” stark abgewandelt haben. Dies ist grundsätzlich durchaus nachvollziehbar und notwendig, an manchen Stellen aber zu drastisch und daher für die Romanliebhaber auch etwas enttäuschend.

Ready Player One
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Ein Ort mit grenzenlosen Möglichkeiten!?

Eine wichtige Änderung muss ich aber noch nennen: Im Film wird die OASIS als virtuelle Welt mit unendlich vielen Möglichkeiten verkauft. Das stimmt auch im Wesentlichen. Jedoch gibt es in der OASIS natürlich auch eine In-Game-Währung. Diese kann mit realen Geld gekauft oder im Spiel verdient werden. Wade kann zu Beginn des Romans nirgendwo hin reisen, da er kein Geld hat, um ein Portal zu bezahlen und da er sich auf einem Schulplaneten befindet, kann auch im Spiel keine Münzen bekommen. Er steckt fest. Dass also ärmere Menschen es grundsätzlich schwerer haben, selbst die OASIS in seiner Grenzenlosigkeit zu nutzen, wird im Film verschwiegen. Dadurch geht auch die Bedrohung durch IOI etwas unter. Das Unternehmen möchte nämlich die OASIS gewinnen, um selbst den Zugang zu monetarisieren.

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Sitzen, Stehen, Rennen, Kämpfen

Weiter ist der Film inkonsequent, was die Handhabung der OASIS angeht. So gibt es Menschen, die mit der VR-Brille vor der Nase, durch die Gegend rennen und wild um sich schlagen. Und dann gibt es andere Spieler, die mehr oder weniger still in ihren Stühlen sitzen. Die höhere Aktivitätsrate könnte auf jeden Fall erklären, warum die Charaktere wesentlich schlanker und in besserer Verfassung sind, als im Buch ;-).

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Ein Film, zwei Welten

Aber genug gemeckert, kommen wir zu den positiven Dingen der Verfilmung von “Ready Player One”. Denn Spielberg und Co. haben auch vieles richtig gemacht. Dazu gehört die Gestaltung von gleich zwei Welten, die auf der einen Seite eine erschreckende Dystopie und auf der anderen Seiten ein beeindruckendes digitales Universum zeigen. Die Konzentration auf viele Ereignisse, die in der realen Welt stattfinden, sorgt dafür, dass beide Welten sehr ausgeglichen gezeigt werden. So bekommt man unerwartet viel von Tye Sheridan (“X-Men – Apocalypse“, 2016) , Olivia Cooke (“The Limehouse Golem“, 2017) und Co. zu sehen. Gleichzeitig gewinnt man aber auch einen sehr guten Eindruck von der OASIS. Die Filmemacher zeigen eine interaktive Spielewelt, die sich jeder Gamer vermutlich schon jetzt wünscht. Damit gelingt es ihnen auch glaubhaft darzulegen, weshalb sich die Gesellschaft im Jahr 2045 in die Virtualität flüchtet. Die Kombination aus Animationen, Motion Capture und Live Action überzeugt und beeindruckt.

Ready Player One
© 2018 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC., VILLAGE ROADSHOW FILMS NORTH AMERICA INC. AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC – U.S., CANADA, BAHAMAS & BERMUDA © 2018 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC., VILLAGE ROADSHOW FILMS (BVI) LIMITED AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT

Eine kinoreife Filmadaption

“Ready Player One” bietet eine gelungene Mischung aus Action, Romantik, Spannung und natürlich Referenzen. Dabei setzt der Film auf offensichtlicher Anspielungen, als das Buch, erreicht aber dabei wie bereits eingangs erwähnt eine größere Masse. Und was noch besser ist: Sie sind teilweise so gut gewählt und inszeniert, dass sie extrem viel Spaß machen. Eine kinoreife Filmadaption, die definitiv die Unterschrift von Spielberg trägt. “Ready Player One” zeigt eine Dystopie, von der wir gar nicht mehr allzu weit entfernt und die faszinieren sowie erschreckend zu gleich ist.

“Ready Player One” ab 05. April 2018 im Kino.

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