Filmkritik: A Beautiful Day

Filmkritik: A Beautiful Day

“A Beautiful Day” besticht durch seinen Hauptdarsteller Joaquin Phoenix, seinen wundervollen Bildern und seinen eingängigen Soundtrack. Leider gelingt es ihm jedoch nicht etwas wirklich Neues, Originelles zu schaffen.

3 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Joe (Joaquin Phoenix), Ex-Militär und Ex-FBI, ist der Mann, den man bei Kidnapping ruft. Die Vergangenheit hat bei ihm physische und psychische Narben hinterlassen, er ist vom Leben gezeichnet – seine bösen Erfahrungen kann er allerdings bestens für die Rettung minderjähriger Entführungsopfer einsetzen. Joe bekommt von einem verzweifelten New Yorker Senator den Auftrag, seine halbwüchsige Tochter Nina (Ekaterina Samsonov) zu befreien, die in einem Bordell festgehalten wird. Im Lauf dieser Mission jedoch gerät Joe unerwartet in ein politisches Komplott, in dem Skrupel nicht auf der Tagesordnung stehen. Auf einem Terrain, das er nicht kennt, zwischen Gegnern, die ihm an Macht weit überlegen sind, muss Joe nun um sein Leben kämpfen – und auch Nina will er nicht zurücklassen.

A Beautiful Day ab 26. April im Kino

Trailer zu “A Beautiful Day”

Mein Fazit

“A Beautiful Day” basiert auf der 99 Seiten lange Geschichte “Your were never really here” (Anzeige) von Jonathan Ames, die 2013 veröffentlicht wurde. Drehbuchautorin und Regisseurin Lynne Ramsay (“We Need to Talk About Kevin”, 2011) nahm sich der Shortstory an und entwickelte daraus ein Skript, das noch mehr aus der Geschichte herausholen sollte. Sie entwickelte einen schwarzen Krimi mit einem undurchsichtigen, düsteren Helden im Zentrum.

 A Beautiful Day
© 2018 Constantin Film Verleih GmbH

Auftragskiller oder Guardian Angel?

Die Hintergründe von Joe bleiben zunächst im Verborgenen. Schnell wird jedoch klar, dass Joe nicht der Bösewicht in dieser Geschichte ist, sondern der Held, der jedoch mit allerdings mit brutalen Mitteln vorgeht. Ramsay hat die Figur “Joe” klug aufgebaut. Es wird immer mehr und mehr klar, dass es sich um einen gezeichneten aber sehr gutherzigen Mann handelt. Dazu wird gezeigt, wie der wortkarge Mann im düsteren New York waltet, aber auch wie liebevoll er mit seiner Mutter scherzt. Um seine geschundene Psyche zu zeigen, werden immer wieder Flashbacks gezeigt, die eine Misshandlung durch seinen Vater andeuten. Diese wirken jedoch sehr wirr und geradezu wahllos gesetzt, sodass sie den Erzählfluss etwas stören.

 A Beautiful Day
© 2018 Constantin Film Verleih GmbH

Joaquin Phoenix

Ramsay hat die Rolle des Joes Joaquin Phoenix (“Maria Magdalena“, 2018) auf den Leib geschrieben. Und obwohl die zwei nie zuvor zusammengearbeitet haben und die Produktion ziemlich plötzlich los ging, stimmte die Chemie zwischen Regisseurin und Hauptdarsteller sofort. Das Ergebnis lässt sich sehen. Phoenix überzeugt als Joe sowohl physisch als auch psychisch. Man sieht Joe an, dass er etwas in die Jahre gekommen ist und gleichzeitig müde und melancholisch ist. Phoenix porträtiert einen gezeichneten Mann, der seinen Platz im Leben sucht. In “A Beautiful Day” scheint Joe wieder etwas Hoffnung zu schöpfen. Allerdings bietet der Film Joe keine “Heilung”.

 A Beautiful Day
© 2018 Constantin Film Verleih GmbH

Ein Hauch von Noir

Kameramann Thomas Townend (“The Last Witch Hunter”, 2015) fängt in “A Beautiful Day” die düstersten Seiten von New York ein. Ähnlich wie in “Good Time” besticht der Big Apple hier durch seine Neonlichter, die im Regen verschwimmen. Towned hat ein wundervolles Bild geschaffen. Auffällig ist, dass er Joe oft in das Zentrum des Bildes setzt. Dies lässt Joe immer sehr alleine dastehen und unterstützt seinen isolierten Charakter. Sowohl die Bilder als auch die Führung sind fesselnd und faszinierend. Perfekt abgerundet werden die Eindrücke durch den stimmigen Soundtrack von Jonny Greenwood (“Der seidene Faden“, 2017).

 A Beautiful Day
© 2018 Constantin Film Verleih GmbH

Ein Kunstwerk

“A Beautiful Day” ist wirklich ein Kunstwerk. Die Bilder sind verzaubernd, die Musik eingängig und die Schauspielleistung von Phoenix eindrucksvoll. Auch das Drehbuch und die Inszenierung sind gut gelungen. Nichtsdestotrotz hat man ein bisschen das Gefühl, dass nichts passiert. Der Geschichte fehlt ein großer Knall, ein Wendepunkt, der ihr noch einen gewissen Kick gibt. Die Geschichte wirkt nicht neu, nicht originell. Wer jedoch auf düstere, mysteriöse Krimis steht, der kommt hier sicherlich auf seine Kosten.

“A Beautiful Day” ab 26. April 2018 im Kino.

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