Filmkritik: Winchester - Das Haus der Verdammten

Filmkritik: Winchester – Das Haus der Verdammten

Die Spierig-Brüder erwecken mit “Winchester – Das Haus der Verdammten” eine Legende wieder zum Leben. Was ist wirklich im Haus von Sarah Winchester passiert? Das wird wohl niemand jemals wirklich erfahren. Eine Geisterhausgeschichte zwischen Wahrheit und Schwindel.

3.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

In einer verlassenen Gegend von San Jose, 50 Meilen von San Francisco entfernt, lebt die Witwe Sarah Winchester (Helen Mirrenin ihrer monströsen Villa. Die Erbin des Waffen-Imperiums von William Winchester lässt in jahrzehntelanger, ununterbrochener Bautätigkeit ein gigantisches und unübersichtliches Anwesen mit über 500 Zimmern errichten – voller Irrwege, falscher Türen und im Nirgendwo endender Treppen. Auf die Außenwelt wirkt das Gebäude wie das exzentrische Denkmal einer wahnsinnigen Frau.

Der bekannte Psychologe Dr. Eric Price (Jason Clarke) wird damit beauftragt, den Geisteszustand der Millionenerbin zu untersuchen. Denn Sarah Winchester ist davon überzeugt, ein Gefängnis für Hunderte rachsüchtige Geister und gequälte Seelen zu errichten, die durch Winchester-Waffen zu Tode kamen und nun Vergeltung suchen. Der Arzt stellt bald fest, dass es in der Villa tatsächlich nicht mit rechten Dingen zugeht: Gefangen im größten Geisterhaus der Welt müssen Sarah und Dr. Price einen Ausweg finden, um die Verdammten des Winchester-Hauses zu erlösen.

Winchester - Das Haus der Verdammten ab 15. März im Kino
© Splendid Film

Trailer zu “Winchester – Das Haus der Verdammten”

Mein Fazit

Eine Geisterhausgeschichte basierend auf einer wahren Begebenheit. Die Story von Sarah Winchester und ihrem Haus in San José ist zu einer wahren Legende mutiert. Und bis heute weiß – selbstverständlich – niemand so ganz genau, was in diesem Haus tatsächlich vorgefallen ist. Die deutschen Gebrüder Michael und Peter Spierig (“Jigsaw”, 2017) haben sich der Legende angenommen und daraus einen übersinnlichen Thriller geschaffen.

Winchester - Das Haus der Verdammten
© Splendid Film

Wahrheit vs. Filmwelt

Unser Film erforscht (…). Das ist faszinierend! Ob es Sarahs Wahrheit ist oder nicht, wird niemand jemals wissen. Es gibt keine Tagebücher. Nur Wissen aus zweiter Hand.Helen Mirren

Obwohl “Winchester – Das Haus der Verdammten” von der realen Geschichte rund um die Winchester Witwe inspiriert wurde, haben die Filmemacher an der ein oder anderen Stelle Dinge hinzuerfunden, abgewandelt und natürlich auch frei interpretiert. Helen Mirren denkt, dass Sarah Winchester eine Frau mit großer Empathie gewesen sei, die jedoch einem unglaublichen Widerspruch unterlegen war – zwischen ihrem Charakter und der Quelle ihres Einkommens von dem Winchester-Rifle-Vermögen. Die Firma ihres verstorbenen Mannes war schließlich für den Tod von unzähligen Menschen verantwortlich. Dieser Grad zwischen eines geschichtlichen Mysteriums und einer wilden Ausschmückung von übersinnlichen Gegebenheiten macht “Winchester – Das Haus der Verdammten” letztlich so spannend. Dadurch, dass es sich um tatsächlich existierende Personen handelte, interessiert sich der Zuschauer intensiver für das Schicksal dieser Figuren und weckt die Neugier auf die wahre Geschichte hinter der Legende.

Winchester - Das Haus der Verdammten
© Splendid Film

Das Winchester-Haus

…existiert noch heute und findet sich in Mitten einer Einkaufsgegend. Inzwischen ist es eine beliebte Touristenattraktion und so haben es sich natürlich auch die Filmemacher nicht entgehen lassen, das Originalhaus zu besichtigen und einige Szenen direkt vor Ort aufzunehmen. Die meisten Filmbilder sind jedoch in Nachbauten entstanden. Vor allem den Außenaufnahmen ist dies anzusehen. Da das heutige San José längst nicht mehr so aussieht wie 1906, war Produktdesigner Matthew Putland (“Predestination”, 2014) gezwungen einige Elemente nachzubauen – der Rest wurde jedoch offensichtlich computergeneriert. Dies zerstört leider ein wenig den sonst sehr stimmige Look von “Winchester – Das Haus der Verdammten”, der gleichermaßen auch von Kostümdesignerin Wendy Cork (“Predestination”, 2014) und Kameramann Ben Nott (“Daybreakers”, 2009) kreiert wurde. Durch Liebe zum Detail wurde genau die richtige Stimmung geschaffen, die zwischen Horror- und zeitgenössischen Historienfilm, wandert. Schade ist allerdings, das relativ wenig vom Winchester-Haus erfasst wurde. Die Filmemacher greifen immer wieder auf die gleichen Räume, Treppen und Gänge zurück. Bei über 500 verschiedenen Räumen ist dies recht unbefriedigend.

Winchester - Das Haus der Verdammten
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Was ist real? Was ist Einbildung?

Was besonders gelungen ist, ist das nicht von Anfang an klar ist, ob Sarah Winchester sich die Geister in ihrem Haus nun einbildet oder nicht. Helen Mirren (“Das Leuchten der Erinnerung“, 2017) spielt Winchester mit sehr viel Stolz und Anmut, sodass der Zuschauer jedoch direkt dazu neigt, ihr jedes Wort zu glauben. Ganz im Gegensatz zu dem Psychiater Dr. Eric Price, gespielt vom Australier Jason Clarke (“Everst”, 2015), der durch den Tod seiner Ehefrau und seiner Drogensucht zunächst mit seinen ganz eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Clarke verleiht seinem Charakter überzeugend eine gewisse Skepsis, einen Mann der resigniert hat. Price, der als Ungläubiger das Winchester-Haus betritt, beginnt mehr und mehr in die Geheimnisse des Hauses hineingezogen zu werden. Der Zuschauer folgt seiner Entwicklung und zweifelt mit ihm zusammen an der Wahrheit des Geisterhauses.

Ich glaube, Sarah Winchester steht für die unlogische, übernatürliche, fantastische Seite und Jasons Figur steht für die rationale, greifbare, realistische Seite.Sarah Snook (Marion Marriott)
Winchester - Das Haus der Verdammten
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 Gruselfaktor?

“Winchester – Das Haus der Verdammten” gelingt es den Zuschauer in einigen Situationen zu schocken und sorgt damit für den ein oder anderen Jump-Scare. Auch sonst herrscht eine grundsätzlich mystisch, gruselige Grundstimmung – so ein richtiges Horror-Feeling will jedoch nicht so recht herüberkommen. Für richtige Horror-Fans ist daher “Winchester – Das Haus der Verdammten” nicht wirklich empfehlenswert. Dennoch erzählt er eine spannende Geschichte über eine moderne Legende. Aber mehr noch: Sie erzählt auch die Geschichte einer missverstandenen Frau, die ihrer Zeit in Vielem voraus war, sich aber auch den Mythen hergab. Sie suchte in ihrem Haus Erlösung von der Schuld ihrer Firma – jedoch legten die Spierig-Brüder eher den Fokus auf das “Gefängnis”, dass sie für die Geister schuf. Daher kann man “Winchester – Das Haus der Verdammten” eine einseitige Betrachtung vorwerfen, die nicht die gesamte Geschichte erfasst hat. Trotz der relativ kurzen Spielzeit von 99 Minuten, hätte auch das Erzähltempo etwas angezogen werden können, um die Spannung durchgehend hoch zu halten. Alles in allem bleibt jedoch ein durchaus sehenswerter Film mit einer wie immer starken Helen Mirren.

“Winchester – Das Haus der Verdammten” ab 15. März 2018 im Kino.

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