Filmkritik: Unsane - Ausgeliefert

Filmkritik: Unsane – Ausgeliefert

Steven Soderberghs neuester letzter Film “Unsane – Ausgeliefert” wurde ausschließlich mit Apple Technologie produziert. Das Ergebnis: Noch nicht wirklich ausgereift. Dafür glänzt der Thriller mit einer perfekten Besetzung, die die Spannung aufrecht erhält.

3 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Eine junge Frau (Claire Foyverlässt ihre Heimatstadt, um ihrer belastenden Vergangenheit zu entfliehen und beginnt einen neuen Job. Als sie jedoch unfreiwillig in einer psychiatrischen Einrichtung festgehalten wird, wird sie mit ihrer größten Angst konfrontiert – aber ist sie real oder nur ihre Einbildung? Da anscheinend niemand bereit ist, ihr zu glauben und die Behörden ihr nicht helfen können oder wollen, muss sie sich mit ihren Ängsten direkt auseinandersetzen…

Unsane - Ausgeliefert ab 29. März im Kino

Trailer zu “Unsane – Ausgeliefert”

Mein Fazit

Was stark beginnt, nimmt noch stärker ab. Der Genrefilm “Unsane – Ausgeliefert” von Regisseur Steven Soderbergh (“Logan Lucky”, 2017) hat eine grundlegend spannende Idee, die in kürzester Zeit in von Jonathan Bernstein (“Spy Daddy”, 2010) und James Greer (“Zum Glück geküsst”, 2006) in ein Drehbuch gewandelt wurde. Vielleicht waren die zehn Tage Entwicklungszeit jedoch zu wenig, denn “Unsane – Ausgeliefert” strotzt nur so von Logiklöchern. Und auch die Wahl, den Film ausschließlich mit Apple Technologie zu drehen, zu schneiden und zu bearbeiten, tat seinem Look nicht unbedingt gut.

Unsane - Ausgeliefert
© Fingerprint Releasing / Bleecker Street

Soderbergh gegen Hollywood

Soderbergh, der seine Regiekarriere eigentlich bereits mit “Logan Lucky” beendet haben wollte, möchte mit “Unsane – Ausgeliefert” beweisen, dass es keine große, teure Technik benötigt, um einen kinoreifen Film zu drehen. Und so passte das gesamte Kameraequipment von “Unsane – Ausgeliefert” in einen Rucksack. Gedreht wurde mit drei iPhone 7 Plus sowie einer Drohne, die für die Flugaufnahmen des Krankenhauses genutzt wurde. Und ja, das Ergebnis ist definitiv optisch sehenswert, jedoch (noch) etwas befremdlich. Die Irritation beginnt bereits bei dem ungewöhnlichen Format, das die Kinoleinwand nicht in klassischer Art und Weise ausfüllt. Hinzukommen die Kameraeinstellungen, die gezwungenermaßen hauptsächlich gesetzt sind – die iPhones reagieren sehr sensibel auf Vibrationen – und so teilweise zu bizarren Verzerrungen führen. So wirken Gläser im Vordergrund überdimensional groß und die Figuren geraten in den Hintergrund. Doch daran gewöhnt man sich von Zeit zu Zeit. Letztlich hätten qualitativ höherwertige Aufnahmen „Unsane – Ausgeliefert“ aber definitiv gut getan. Zumal mit dem iPhones auch das Setzen von Schärfentiefe nicht möglich ist und die Farben sind nur bedingt anpassbar sind. Hinzukommt der mäßige Sound, der mehr Glanz hätte vertragen können. Schade.

Unsane - Ausgeliefert
© 2018 Twentieth Century Fox

Ist sie verrückt, ist sie nicht verrückt?

Logiklücken über Logiklücken. Wo der Look leidet, kann die Story leider auch nichts wieder wegmachen. Selbst die prognostizierte Spannung mit der Fragestellung: “Ist sie verrückt, ist sie nicht verrückt?”, wird dem Zuschauer viel zu früh genommen. Bereits nach einer knappen halben Stunde weiß der Zuschauer, was wirklich vorgeht, weshalb man sich fragt, warum die ganze Marketingkampagne zu “Unsane – Ausgeliefert” auf dieser Unsicherheit aufgebaut wurde. Im Laufe der Zeit wird die Story, die Handlungen, die innerhalb der Einrichtung vorgenommen werden, immer abstruser und unglaubwürdiger, sodass sich Soderberghs Film immer weiter davon entfernt, eine realistische Situation zu porträtieren, was eigentlich der Grundgedanke des Films war. Begleitet werden diese Vorfälle mit diversen Logiklöchern, wovon ich euch ein paar in die Spoilerbox gepackt habe.

Läuft das in Amerika so?
Das Publikum muss akzeptieren, dass ein irrer Starker ohne jegliche medizinische Kenntnisse und ohne einen Backround Check in einer psychiatrischen Einrichtung eingestellt wird. Weiter noch, kann dieser dort munter walten, wie es ihm beliebt. Verrückt wird es dann aber erst recht, wenn er sich aus jegliche Situation mir nichts dir nichts befreien kann, woran die Patienten zuvor stets verzweifelten. Gewaltakte verschleiern? Auch kein Problem. Jetzt mal ernsthaft…
Unsane - Ausgeliefert
© 2018 Twentieth Century Fox

Überzeugende Besetzung

Ignoriert man diese Logiklücken jedoch etwas und lässt den Film einfach mal so auf sich wirken, macht er aber dennoch Laune. Dies liegt vor allem an Hauptdarstellerin Claire Foy (“The Crown”, 2016 – 2017), die auf ganzer Linie überzeugen. Die Engländerin spielt die verfolgte Sawyer mit viel Inbrunst und ohne Scheu. Ein weiterer Pluspunkt ist ihr Mitinsasse Nate Hoffmann, der von Jay Pharoah (“Ride Along”, 2014) gespielt wird und durch seine Art einen gewissen gegensätzlichen Ruhepol bildet. An dieser Stelle wird dem Zuschauer eine Figur geboten, mit der sie sich identifizieren und über die man auch für Sawyver Empathie empfinden kann. Mit Joshua Leonard (“Blare Witch Project”, 1999) wurde zunehmend die perfekte Besetzung für David Strine, der Stalker, gefunden. Alleine ein Blick von ihm genügt aus, damit einem ein unangenehmer Schauer über den Rücken läuft.

Unsane - Ausgeliefert
© Fingerprint Releasing / Bleecker Street

Horror? Eher nicht. Spannung, ja!

Wie bereits erwähnt kann man “Unsane – Ausgeliefert” durchaus genießen, wenn man über die Schwierigkeiten im Skript ein wenig hinweg sieht und sich stattdessen auf den Hauptcharakter konzentriert. Schließlich bietet der Thriller durchaus spannende Elemente, vor allem wenn es für Sawyer darum geht herauszufinden, was in der Institution vor sich geht und wie sie ihr entkommen kann. Von Horror ist hier aber eher nicht die Rede. Nur wenige blutige Elemente sorgen für schockierende Momente zum Schluss, wirken dabei aber schon fast übertrieben und unpassend. Alles in allem ist festzuhalten, dass die Filmproduktion mit iPhones (noch) nicht kinoreif ist, für eine Low-Budget-Produktion aber durchaus in Ordnung geht. Thrillerfans könnten hier durchaus auf ihre Kosten kommen. Ob dazu ein Gang ins Kino jedoch notwendig ist, oder man lieber bis zum Heimkino-Start warten möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden.

“Unsane – Ausgeliefert” ab 29. März 2018 im Kino.

One comment

  1. Filmkritik: Solange ich atme | Jil's Blog

    […] Garfield (“The Amazing Spider-Man”, 2012)und Claire Foy (“Unsane – Ausgeliefert“, 2018) will einfach nicht auf der Leinwand brennen. Dies liegt zwar zum einen daran, dass […]

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