Filmkritik: Maria Magdalena

“Maria Magdalena” oder auch #MeToo trifft Jesus Christus. Die Verfilmung der Lebensgeschichte der einzigen weiblichen Jüngerin Jesus Christus transportiert eine spirituelle Botschaft und setzt dabei weniger auf biblische Genauigkeit. Eine eigentlich spannende Geschichte, zäh erzählt, die für Kontroversen sorgt.

2.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Als weibliche Jüngerin (Rooney Mara) in der Gefolgschaft von Jesus (Joaquin Phoenix) und als Zeugin seiner Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung ist Maria Magdalena eine der zentralen Figuren der Bibelgeschichte. 
Doch sie ist auch eine moderne, junge Frau, die selbstbewusst und mutig gegen die Geschlechterrollen und Hierarchien ihrer Zeit rebelliert. Auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Lebensweg sagt sie sich von ihrer Familie los, um sich dem charismatischen Jesus von Nazareth und seinen Jüngern anzuschließen. Gemeinsam machen sie sich auf eine spirituelle Reise nach Jerusalem.

Maria Magdalena ab 15. März im Kino

Trailer zu “Maria Magdalena”

Mein Fazit

Die Geschichte Jesu Christis wurde bereits von zahlreichen Filmemachern auf die Leinwand gebracht. In der Verfilmung “Maria Magdalena” von Garth Davis (“Top of the Lake”, 2013) steht jedoch nicht Jesus im Mittelpunkt, sondern seine einzige weibliche Jüngerin Maria Madgalena, der hier erstmals die zentrale Rolle zugesprochen wird. Der weibliche Blick auf das Leben und den Tod Jesu, wie Produzent Iain Canning (“The King’s Speech – Die Rede des Königs”, 2010) die Verfilmung der Geschichte Maria Magdalenas beschreibt, findet vor allem im Zusammenhang der #MeToo-Debatte eine aktuelle Relevanz, die den Zuschauer ins Kino locken soll. Die Dramatikerin Helen Edmundson (“An Inspector Calls”, 2015) und die Drehbuchautorin Philippa Goslett (“Little Ashes”, 2008) haben Maria Magdalena eine Stimme verliehen, die bisher verborgen blieb.

Jüngerin & Apostel

Auslöser für das Filmprojekt war der Fund von Pergamentfragmenten des angeblichen Evangeliums der Maria Magdalena in Ägypten und Griechenland. “Maria Magdalena” basiert auf zahlreichen theologischen und historischen Texten sowie persönliche Ansichten von Rabbis, Priestern, jüdischen Historikern, Bibelforschern und Archäologen, die alle unterschiedliche Ansichten zu der Frau an Jesus Seite mit sich brachten. In einem seien sich jedoch alle einig gewesen und zwar, dass Maria als Jüngerin und Apostel betrachtet werden soll. Alle Eindrücke zusammengefasst, bilden eine ganz eigene Interpretation ihres Weges. Damit erheben die Filmemacher nicht den Anspruch darauf diesen tatsächlich theologisch oder historisch korrekt abgebildet zu haben. Produzentin Liz Watts (“Lore”, 2012) weist hingegen darauf hin, dass sie lediglich eine Geschichte erzählen. Jedoch sei es den Filmemachern wichtig, dem Glauben der Menschen Respekt entgegenzubringen.

Maria Magdalena
© Universal Pictures

Die zentrale Figur

Die Filmemacher inszenieren Maria als die entscheidende Figur innerhalb der Jesusbewegung und zeigen damit nicht nur die Geschichte der Frau, sondern die gesamten letzten Wochen vor Jesus Tod und nach seiner Wiederauferstehung in einem ganz neuen Gewand. Maria wird als eine weise Frau porträtiert, die ein größeres Verständnis für das Reich Gottes und Jesus Botschaft erlangt, als ihre männlichen Begleiter. Mehr noch fechtet Maria einen Kampf für Gleichberechtigung aus und setzt sich für den Feminismus ein. Die daraus entstehenden Konflikte sind dem Evangelium der Maria Magdalena zu entnehmen, so Chiwetel Ejiofor (“12 Years a Slave”, 2013), der Petrus verkörpert. Dadurch wird jedoch vor allem die Figur des Judas (Tahar Rahim) neu – sagen wir konzipiert. Judas werden – zumindest mir – völlig neue Motive für sein Handeln angedichtet, die für mich persönlich sehr schwierig bis unmöglich zu akzeptieren waren.

Maria Magdalena
© Universal Pictures

Maria Magdalena & Jesus

Die Rolle der Maria Magdalena wurde von der Amerikanerin Rooney Mara (“Carol”, 2015), die schon in “Lion: Der lange Weg nach Hause” mit Regisseur Davis zusammengearbeitet hat, besetzt. Mara zeigt eine starke Frau, die sich gegen ihre geliebte Familie stellt, um ihr eigenes Leben zu führen und ihren Glauben zu leben. Leider fehlt es ihr jedoch etwas an Ausdrucksstärke. Auch Joaquin Phoenix (“Her”, 2013) Darstellung des Jesus wirkt etwas steif. Außerdem wirkt der 43-jährige Schauspieler zu alt, um einen Mann Anfang 30 zu spielen.

Maria Magdalena
© Universal Pictures

Zwischen Religion & Spiritualität

“Maria Madgalena” bricht mit Traditionen, wendet sich von den bekannten Worten der Bibel ab, liefert einen neuen Blickwinkel, eine neue Interpretation, die mit Sicherheit für Kontroversen sorgt. Selbst als nicht bibelkonformer Mensch sorgt dies für Verunsicherung. Schließlich beruft sich “Maria Magdalena” in ihrer Bewerbung darauf ein wahrhaftiges Portrait der Jüngerin abzubilden. Es ist jedoch auch, wie es weiter heißt, modern interpretiert und damit letztlich eine Geschichte, die vordergründig eine spirituelle Botschaft übertragen soll. Die zeitgemäße Neuinterpretation, die grundsätzlich eine spannende Story abbildet, wird vermutlich nicht bei jedem auf Begeisterung stoßen und so kann “Maria Magdalena” leider auch nicht durch ein gutes Tempo oder eine gute Dynamik punkten. Stattdessen zieht sich der schon stark zusammengekürzte gemeinsame Lebensweg von Jesus und seinen Jüngern auf zähe 120 Minuten ohne große Höhepunkte.

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