Filmkritik: Im Zweifel glücklich

Filmkritik: Im Zweifel glücklich

“Im Zweifel glücklich” beschäftigt sich mit dem ständigen Drang sich mit anderen Menschen zu vergleichen. Damit trifft Mike White den Nerv der Zeit. Leider gelingt es ihm aber nicht den Zuschauer auf die Seite der Hauptfigur zu bekommen, was er jedoch geradezu zwanghaft versucht.

2.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Eigentlich hat Brad (Ben Stilleralles, um glücklich zu sein: Eine liebende Ehefrau (Jenna Fischer), eine erfüllende Arbeit und einen talentierten Sohn (Austin Abrams). Trotzdem beschleicht ihn ständig das Gefühl, nicht genug erreicht zu haben – im Gegensatz zu seinen früheren Studienfreunden, deren erfolgreiche Karrieren er neidisch aus der Ferne verfolgt. Als er mit seinem Sohn mögliche Colleges an der Ostküste besichtigt, ist eine Begegnung mit einem alten Freund unvermeidlich. Craig (Michael Sheen) ist inzwischen ein gefeierter Buchautor, wodurch Brad sein Mittelklassestatus umso schmerzhafter bewusst wird. Bis er bemerkt, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem erfolgreichem Leben und einem glücklichen.

Im Zweifel glücklich ab 29. März im Kino
© Weltkino Filmverleih)

Trailer zu “Im Zweifel glücklich”

Mein Fazit

“Im Zweifel glücklich” stellt sich der Frage: “Ist das Gras auf der anderen Seite tatsächlich grüner?” und trifft damit den Nerv der Zeit. In Zeiten von Social Media ist es für jeden Menschen möglich sich mit nahezu jedem anderen Menschen auf der ganzen Welt zu vergleichen. Wir befinden uns in einer Gesellschaft vor Selbstzweifel, Unzufriedenheit und Vergleichsdruck. So ergeht es auch der Figur Brad, der zwar eigentlich ein glückliches Leben führt, jedoch im Schatten seiner erfolgreichen ehemaligen Studienkollegen steht, die mit ihrem Erfolg im Rampenlicht stehen. Damit hat Drehbuchautor und Regisseur Mike White (“School of Rock”, 2003) eine sehr persönliche Geschichte gezaubert. Denn in “Im Zweifel glücklich” geht es auch um eine innige Vater-Sohn-Beziehung, bei der der Sohn seinem Vater versucht deutlich zu machen, dass er stolz auf ihn und das, was er in seinem Leben erreicht hat, ist. White möchte mit dem Drama, nach eigenen Aussagen, auch seinem Vater zeigen, dass er ihn liebe und er in seinen Augen ein erfolgreicher Mann sei.

Im Zweifel glücklich
© 2017 Amazon Studios LLC and Kimmel Distribution LLC

102 Minuten Gejammer

Leider möchte “Im Zweifel glücklich” jedoch nicht so ganz funktionieren. Das liegt vor allem daran, dass man Ben Stillers (“Gefühlt Mitte Zwanzig”, 2014) Figur Brad um jeden Preis sympathisch finden und ihn bemitleiden soll. Jedoch bin ich vermutlich nicht die einzige Person, die nicht genügen Empathie für jemanden aufbringen kann, der sich andauernd nur selbstbemitleidet und sich stets mit anderen Menschen vergleichen muss. Jeder hat hin und wieder mit Selbstzweifeln zu kämpfen. Aber geht es euch nicht auch so, dass ihr euch irgendwann selbst damit auf die Nerven geht!? Aus diesem Grund ist Brads Gejammer über 102 Minuten nur schwer zu ertragen. Verständnis für ihn aufzubringen quasi unmöglich. Schließlich zeigt “Im Zweifel glücklich” auch all die positiven und schönen Seiten von Brads Leben auf. Mehr noch, erscheint sein Leben nur in seinen Augen als weniger vollkommen, als das seiner beruflich erfolgreichen Freunde. Am liebsten möchte man als Zuschauer Brad einmal gut durchschütteln und ihn Vernunft einbläuen.

Im Zweifel glücklich
© 2017 Amazon Studios LLC and Kimmel Distribution LLC

Vater-Sohn-Beziehung

Ein wahres Highlight hingegen ist Brads Sohn Troy, der von dem talentierten Austin Abrams (“Margos Spuren”, 2015) gespielt wird und mit offenen Augen und Armen durchs Leben geht. Er sieht seinen Vater so wie er ist und liebt ihn dafür. Obwohl Troy eher ein zurückhaltender Charakter ist, spürt man die Liebe zwischen ihm und seinen Vater. Gerade die Szenen der zwei, in denen auch Brad für kurze Zeit erkennt, was für einen tollen Sohn er hat, erwärmen das Herz. Diese Lichtblicke sind jedoch viel kurz und werde stets von Brads Selbstzweifeln wieder unterbrochen. Doch nicht nur Troy an sich, sondern gerade Abrams selbst, ist als noch recht junger Schauspieler, ein sehr erfrischend neues Gesicht. Abrams verkörpert Troy authentisch und glaubwürdig und bildet dadurch einen tollen Gegenpart zu Stiller.

Im Zweifel glücklich
© 2017 Amazon Studios LLC and Kimmel Distribution LLC

“Was ist alles?”

Wenn man alles haben will, was ist dann “alles”? “Im Zweifel glücklich” liefert dazu keine Antwort, regt jedoch zum Nachdenken über das eigene Leben und über den ständigen Vergleichsdruck, dem wir unterworfen sind, an. Und obwohl die Tonalität des Films “ehrlich, witzig und smart” ist, so wie Stiller sie beschreibt, gehen gerade der humoristische Part durch die überpräsente Negativität unter. Eine finale Erkenntnis hätte der Stimmung des Films gut getan aber vermutlich die gewollte Dramaturgie verfehlt. Obwohl “Im Zweifel glücklich” auch definitiv gute, emotionale und lustige Momente hat, bleibt unter dem Strich mehr Frust als Lust.

“Im Zweifel glücklich” ab 24. August 2018 auf DVD & Blu-ray.

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