Filmkritik: Death Wish

Filmkritik: Death Wish

Bruce Willis, der eigentlich ein überaus erfolgreicher Chirurg ist, möchte als “Sensenmann” in “Death Wish” Selbstjustiz ausüben. Eli Roths neuer Actionstreifen sorgt für krasse Schockmomente, die man gesehen haben sollte!

3.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Der Chirurg Dr. Paul Kersey (Bruce Willis) erlebt die Folgen der Gewalt auf den Straßen Chicagos jeden Tag in der Notaufnahme – bis seine Frau (Elisabeth Shue) und seine Tochter (Camila Morrone) in den eigenen vier Wänden brutal attackiert werden. Da die örtliche Polizei die Ermittlungen nicht vorantreibt und generell von der Verbrechensflut in der Stadt überfordert scheint, beschließt Paul, das Gesetz kurzerhand selbst in die Hand zu nehmen. Er begibt sich auf nächtliche Streifzüge und bringt gnadenlos einen Kriminellen nach dem anderen zur Strecke. Bald schon gerät er dadurch in den Fokus der Medien und die Öffentlichkeit beginnt sich zu fragen, wer eigentlich hinter dem unbekannten Racheengel steckt…

Death Wish ab 08. März im Kino

Trailer zu “Death Wish”

Mein Fazit

Ihr denkt ihr habt schon alles gesehen? Dann seid ihr noch nicht in den Genuss von Eli Roths (“Hostel”, 2005) Neuinterpretation von “Death Wish” gekommen! Der Regisseur führt die Geschichte um den vergeltungssuchenden Familienvater ins 21. Jahrhundert und setzte dabei auf schonungslose Brutalität, gemischt mit lustigen Elementen, die den Zuschauer gleichzeitig schockiert und schallend lachend zurücklässt. Aus Michael Winners (“The Sentinel”, 1977) Verfilmung (1974) von Brian Garfield Roman “Ein Mann sieht rot” (1972 / Affiliate Link) wird dadurch eine moderne Inszenierung der Geschichte mit dem Fokus auf die Auswirkungen der sozialen Medien auf die Berichterstattung jeglicher Ereignisse in der ganzen Welt und die Überforderung der Polizei aufgrund schlechter Ausstattungen und zu wenig Personal. Wie im Original sucht Paul Kersey daher nach Selbstjustiz.

Solche Phantasien beschäftigen viele Menschen: auf den Straßen aufzuräumen und Verbrechen zu bekämpfen. Das ist einer der Gründe, warum Superhelden-Filme so erfolgreich sind. Es geht um die Idee, dass auch ganz normale Menschen die Macht haben, Verbrecher aufzuhalten und das Böse zu bekämpfen.Eli Roth (Regisseur)
Death Wish
© Universum Film

Vom Lebensretter zum “Sensenmann”

Kerseys Wandlung zum bedingungslosen Lebensretter, zum durchgreifenden Rächer der Gerechten ist vom Drehbuchautor Joe Carnahan (“Narc”, 2002) wohl durchdacht und von Roth schlüssig inszeniert worden. Während Bruce Willis (“Stirb langsam”, 1988) seine Figur stets eine gewisse Ruhe verleiht, wird die düstere Seite, die zunächst in der Figur des Paul Kerseys schlummert, bereits früh für den Zuschauer angedeutet. Aus diesem Grund ist die Entwicklung der Figur sehr gut nachvollziehbar. Die Grenzen seiner moralischen und ethischen Grundsätze verschieben sich schrittweise aber dennoch resolut. Sein Verhalten ist unter dem Strich dennoch nicht richtig – zu dieser Erkenntnis wird vermutlich jeder Zuschauer kommen. Doch wirft der Film gleichzeitig die Frage auf: Was würde ich tun? Wie weit würde ich gehen, um meine Familie zu schützen und zu rächen?

Death Wish
© Universum Film

Eine liebevolle Familie

Ein wichtiger Teil um Kerseys Entwicklung nachvollziehen zu können, bildet seine liebevolle Familie. Kersey wird als Mann dargestellt, der alles hat. Dazu wird das Familienleben in wenigen Szenen vorab genauestens dargestellt. Das Trio aus Paul, Lucy (Elisabeth Shue) und Jordan (Camila Morrone) wird durch den ehemaligen kriminellen Onkel Frank (Vincent D’Onofrio) ergänzt. Die innige Beziehung zwischen den Figuren arbeitet Roth mit viel Authentizität und Glaubwürdigkeit heraus. Die Liebe zwischen den Figuren überträgt sich auf den Zuschauer, obwohl die Familie schon fast zu perfekt wird. Außerdem ist Willis als Chirurg eine zunächst gewöhnungsbedürftige Figur.

Death Wish
© Universum Film

Spiegelbild der Seele

Nicht zuletzt spiegelt sich die Veränderung von Kersey aber auch in seiner Umgebung wieder. Dazu setzt Produktdesigner Paul Kirby  (“Kingsman – The Secret Service”, 2014) zunächst auf eine sichere, wohlige Atmosphäre in Form von Kerseys Zuhause und dem Krankenhaus. Doch nach dem Schicksalsschlag, wandelt sich die warme Umgebung. Kersey findet sich stattdessen an düsteren Orten der Innenstadt wieder, wodurch eine Art düsterer, urbaner Western entsteht.

Death Wish
© Universum Film

Video gone viral

Bei der ersten impulsiven Tat von Kersey wird er aus einem Fenster heraus gefilmt. Das Video geht in Minuten viral, sodass die ganze Welt bereits Bescheid weiß, bevor alle Daten zum Fall von den Polizisten aufgenommen werden konnten. Dieses Video akquiriert Nachahmer mit fatalen Folgen, die in “Death Wish” jedoch nur angeschliffen werden. Da diese neue Medien-Realität laut Dean Norris (“Breaking Bad”, 2008 – 2013), der Detective Kevin Rains spielt, eine wichtige Rolle im Crimedrama spielt, ist die Befassung damit jedoch insgesamt zu nebensächlich behandelt worden. Dafür wird die Überarbeitung der Polizisten mit kleinen Details wie zum Beispiel einem Hinweisschild, dass sie ein größere Board im Büro für die offenen Fälle benötigen sowie haufenweise Akten und ihre Resolution gegen die Social Media-Gesellschaft gut herausgearbeitet. Gleichzeitig besticht das Team aus Raines und seiner Partnerin Leonore Jackson, gespielt von Kimberly Elise (“Close to Home”, 2005), durch ihre gewisse Leichtigkeit und ihren Humor, den sie sich erhalten haben.

Death Wish
© Universum Film

“WTF?”

…diesen Ausruf habe ich bei “Death Wish” nicht nur einmal laut in den Saal gerufen. Doch da das gesamte Publikum gleichermaßen schockiert auf einige Szenen reagiert hat, ist das gar nicht mal so aufgefallen. Roth gelingt es “Death Wish” seine unverwechselbare Unterschrift zu verpassen und sorgt damit für unterhaltsame 107 Minuten Spielzeit. Neben einem schlagkräftigen Bruce Willis hat der Actionstreifen auch einen nicht ganz so wichtigen aber dennoch ausdrucksstarken Bösewicht (Beau Knapp) zu bieten. Wer blutige Szenen gut verträgt und seine eigenen moralischen Grenzen (für einen fiktiven Film gut zur Seite stellen kann), der wird sich von “Death Wish” gut unterhalten fühlen.

“Death Wish” ab 08. März 2018 im Kino.

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