Filmkritik: On the Milky Road

Filmkritik: On the Milky Road

Nach “drei wahren Geschichten und jeder Menge Fantasie“ erzählt Emir Kusturica in “On the Milky Road” ein absourdes Märchen zweier Liebenden und setzt dabei auf starke Bilder und Symboliken. Bei all den Absurditäten bleiben jedoch die Geschichte sowie die Charaktere auf der Strecke.

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Die Handlung

Milchmann Kosta (Emir Kusturica) ist vom Glück gesegnet: Er passiert nicht nur Tag für Tag auf seinem Esel unversehrt die Frontlinie, sondern wird auch noch von der Dorfschönheit Milena (Sloboda Micalovic) als Bräutigam auserwählt. Doch dann verliebt sich Kosta Hals über Kopf in eine geheimnisvolle Italienerin (Monica Bellucci), die allerdings schon dem Kriegshelden Žaga (Predrag ‘Miki’ Manojlovic) versprochen ist und zudem von ihrem rachsüchtigen Ex-Mann gejagt wird. Als die Situation außer Kontrolle geraten zu droht, fliehen die zwei Verliebten.

On the Milky Road ab 16. Februar auf DVD & Blu-ray
© Weltkino Filmverleih

Trailer zu “On the Milky Road”

Mein Fazit

Eine Komödie der besonderen Art. “On the Milky Road” ist sicherlich nicht vergleichbar mit großen Hollywood-Produktionen und ist hingegen von der Machart des preisgekrönten Regisseurs Emir Kusturica (“Arizona Dream”, 2013) geprägt. Dabei setzt der Serbe auf Surrealismus, den er genüsslich auslebt und dabei kaum Grenzen kennt. So bietet “On the Milky Road” Milch trinkende Schlagen, eine aggressive Uhr, explodierende Schafe und vieles mehr, was mit allerlei Symbolik verknüpft ist. Jedoch bleibt bei all diesen Absurditäten die Story sowie die Charaktere auf der Strecke.

On the Milky Road
© Weltkino Filmverleih

Eine Liebesgeschichte?

Vornehmlich ist “On the Milky Road” zunächst eine Liebesgeschichte in mitten des Bosnien-Krieges. Der Milchmann Kosta, der von Drehbuchautor und Regisseur Emir Kusturica selbst verkörpert wird, verliebt sich in eine zauberhafte, namenlose Italienerin (Monica Bellucci), die seine Gefühle – warum auch immer – erwidert, jedoch einem anderen versprochen ist. Und dann ist da noch der Ex-Mann der Italienerin, der sie unbedingt wieder haben möchte – tot oder lebendig. So weit, so unglücklich für die zwei.

Doch anstatt sich auf diese Umstände erzählerisch zu konzentrieren, reitet der Milchmann zunächst auf seinen Esel fröhlich zwischen dem Kugelhagel unbeschadet hin und her, bis er eines Tages sein Ohr abgeschossen bekommt. Aber das näht natürlich die namenlose Braut ohne Probleme wieder an. Dafür entzündet sich die Handwunde von Milena (Sloboda Micalovic) ganz fürchterlich, die sie sie sich durch die außer Kontrolle geratene Uhr zugezogen hat, und Kosta rettet ihr durch eine Blutspende das Leben. Milena bittet beziehungsweise fordert Kosta daraufhin dazu auf ihr Mann zu werden. Und dann ist die Story auch schon fast an der Stelle angekommen, an der sie interessant wird. Die Flucht vor dem Handlangern des Ex-Mann der Italienerin macht schließlich die intensivste Passage der Komödie aus, erstreckt sich aber lediglich über das letzte Viertel.

On the Milky Road
© Weltkino Filmverleih

Komödie?

Ja, “On the Milky Road” ist eine Komödie. Man könnte zunächst denken, dass es sich hierbei um einen Kriegsfilm handelt oder einzig um ein Melodram. Weiß man nicht, dass der Film als Komödie angedacht ist, könnte man sogar darüber rätseln, ob oder was an “On the Milky Road” ernst gemeint ist. Das macht aber eigentlich schon fast mehr Spaß, als die Komödie an sich. Also vielleicht vergesst ihr diesen Punkt gleich wieder, denn es ist tatsächlich so: Betrachtet man den Film als eine Art Satire wird das Schmunzeln oder fassungslose Kopfschütteln wesentlich amüsanter.

On the Milky Road
© Weltkino Filmverleih

Over the top vs. steif

Wie eingangs erwähnt, hat nicht nur die Story unter den Visionen des Filmemachers gelitten, sondern auch die Charaktere. Diese sind nämlich entweder viel zu überzogen gezeichnet oder viel zu steif. Gemeinsam haben sie alle, dass sie durchweg zu flach dargestellt wurden. Sie werden zu wenig vorgestellt, als dass man tatsächlich Empathie empfinden könnte. Aus diesem Grund setzt sich der Zuschauer nicht mit ihnen intensiver auseinander und ist an ihren Schicksalen nicht wirklich interessiert. Dies liegt nicht zuletzt aber auch an der eher schwachen schauspielerischen Leistung, sowohl von Kusturica als auch von Bellucci. Während Bellucci allerdings hin und wieder mit ihrem charmanten Lächeln noch ein wenig Emotionen wecken kann, wirkt Kusturica den ganzen Film hinweg völlig ausdruckslos und nahezu teilnahmslos. Hinzukommt, dass bei der Synchronisation jegliche Akzente verloren gegangen sind, wodurch die Figuren noch weiter verwässert werden. So werden die Tiere, sprich Kostas wachender Falke und sein treuer Esel, schnell zu den Hauptdarstellern, um die man sich tatsächlich sorgt.

On the Milky Road
© Marcel Hartmann

Feuerwerks des Absurden

Was wirklich toll an “On the Milky Road” ist, sind die wunderschönen Landschaftsaufnahmen von Bosnien und Herzegowina. Kusturica zeigt somit die Schönheit seines Heimatland, reichlich Absurdes und ihn mitten drin. Eine Komödie ja, aber nicht zwingend deshalb, weil sie als Komödie konzipiert wurde, sondern weil man sich über den Film, Kusturica an sich lustig macht. Ob diese Belustigung einen jedoch über die 125 Minuten Spielzeit tragen kann, muss jeder für sich entscheiden.

“On the Milky Road” ab 16. Februar 2018 auf DVD & Blu-ray.

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