Filmkritik: Heilstätten

Filmkritik:
Heilstätten

Mit “Heilstätten” will Produzent Till Schmerbeck den deutschen Horror-Film zurück auf die große Leinwand bringen. Dazu schickt er eine Gruppe von YouTubern für eine Gruselchallenge in die Heilstätten in der Nähe von Berlin. Doch was für die Teilnehmer zu einem absoluten Albtraum wird, kommt nur bedingt beim Zuschauer an.

2.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

In den Heilstätten, einem düsteren Ort in der Nähe von Berlin, wollen die erfolgreichsten YouTuber Deutschlands eine 24 Stunden Challenge um den Thron austragen. Die Geschichte der Heilstätten ist voller Grauen und Brutalität und noch heute halten sich Berichte um paranormale Aktivitäten rund um diesen Ort. Ausgerüstet mit Nachtsicht- und Wärmekameras wollen die YouTuber diesen Gerüchten nachgehen. Sie bekommen schnell zu spüren, dass man in diesen angsteinflößenden Ruinen sein Glück besser nicht herausfordert. Doch als sie aussteigen wollen, bemerken sie, dass es dafür längst zu spät ist…

Heilstätten ab 22. Februar im Kino
© 2018 Twentieth Century Fox

Trailer zu “Heilstätten”

Mein Fazit

Nach dem Flop “Kartoffelsalat” (2015) wagt sich Regisseur Michael David Pate erneut an eine Zusammenarbeit mit YouTubern, setzt jedoch hauptsächlich auf erfahrene deutsche Jungschauspieler wie Sonja Gerhardt, Emilio Sakraya, Tim Oliver Schultz und Nilam Farooq. Mit “Heilstätten” lässt Produzent Till Schmerbeck das deutsche Horror-Genre wieder aufleben undkombiniert dazu die Themen: YouTube, Geistersuche und den ewigen Spuk des Nationalsozialismus. Nach zwei Jahren der Drehbuchentwicklung konnte Schmerbeck eine Low-Budget-Finanzierung mit Koproduzent Fox International Porcutions Germany und dem Major-Verleih 20th Century Fox mit der Unterstützung von den Förderanstalten Medienboard Berlin-Brandenburg, FFA und DFFF aufstellen. Der Low-Budget-Look tut dem Film auf weiten Strecken sehr gut, enttäuscht jedoch an wichtigen Horror-Stellen.

Heilstätten

© 2018 Twentieth Century Fox / Andrea Hansen

Horror in den Heilstätten

Als Drehort haben die Filmmacher in den Heilstätten von Grabowsee und Berlin gedreht, die entsprechend von Szenenbildner Itamar Zechoval aufbereitet wurden, um das notwendige Gruselfeeling hervorzurufen. Auch die Wahl von “pracital lights” – sprich der Verzicht auf ausgeleuchtete Sets – wirkt sich positiv auf die Atmosphäre aus. Bedenke man auch, dass alle Szenen in nur 18 Drehtagen eingefangen wurden, dann haben sämtliche Beteiligten einen guten Job gemacht. Einzig die SFX-Masken wirken leider etwas billig und daher furchtbar unrealistisch – Horror? Fehlanzeige. Dafür sorgt der Found Footage Look für einen sehr realen Flair. Die Verbindung von YouTube und Kino ist hier sehr gut gelungen. Vor allem der Einsatz von verschiedenen Kameras sorgt für eine visuelle Vielfalt, die man so bisher noch nicht auf der großen Leinwand gesehen hat.

Heilstätten
© 2018 Twentieth Century Fox / Andrea Hansen

Schauspieler & YouTuber

Die Besetzung von “Heilstätten” ist insgesamt gut gelungen. Allen voran überzeugt Sonja Gerhardt (“Ku’damm 56”, 2016) als Neu-YouTuberin Marnie. Aber auch Nilam Farooq (“SOKO Leipzig”, 2013 – 2017) als Betty und Timmi Trinks als Finn machen eine gute Figur, genauso wie die “echten” YouTuber  Leon Machere, Davis Schulz und Freshtorge, die kurze Gastauftritte im Film haben. Schade ist nur, dass Tim Oliver Schultz (“Club der roten Bänder”, 2015 – 2017) als Theo mit seiner aufgesetzten “Theatersprache” die Glaubwürdigkeit der gesamten Gruppe herunter zieht. Während die anderen Darsteller YouTuber-typisch überdreht, aber sehr natürlich miteinander interagieren, wirkt vor allem seine Sprechart sehr auswendig gelernt und runtergerattert. In der Gesamtbetrachtung von “Heilstätten” könnte diese Art und Weise im Nachhinein jedoch durchaus bewusst so gewählt worden sein, wirkt aber nichtsdestoweniger fehl am Platz.

Heilstätten
© 2017 Twentieth Century Fox

Horrorfeeling?

Ob YouTuber, die ihren eigenen “Beruf”, ihre Leidenschaft in einem Kinofilm madig machen, gut beim Publikum ankommen, ist etwas fraglich. Auch die Zielgruppe von “Heilstätten” ist etwas schleierhaft. Das Thema “YouTube” sollte an sich ein junges Publikum ansprechen. Jedoch ist der Mystery-Horrorfilm nicht wirklich jugendtauglich. In “Heilstätten” geht es sehr brutal zu, sodass ordentlich Blut fließt und die Einstellungen relativ schonungslos Gewaltakte zeigen. Das Horrorfeeling hingegen will nicht so recht auf den Zuschauer überspringen. Zwar herrscht den ganzen Film über eine gewisse Grundanspannung, jedoch versagt diese in den wichtigen Momenten. Außer während ein paar Schockern, wird es nie so wirklich gruselig. Von daher werden richtige Mystery- und Horrorfans vermutlich eher enttäuscht von “Heilstätten” sein.

Heilstätten
© 2018 Twentieth Century Fox / Andrea Hansen

Paranormale Aktivitäten oder doch alles eine Inszenierung?

Dafür gelingt es “Heilstätten”, den Zuschauer zunächst sehr in die Irre zu führen. Die verwitterten Ruinen des Kurortes in der Nähe von Berlin und sein Fluch werden dem Publikum genauso glaubwürdig wie den Teilnehmern der Challenge vermittelt. Gegen Ende kommt dann jedoch ein sehr unerwarteter Twist, der dem Mysteryfilm sehr gut tut. Das Finale versaut diesen Twist jedoch dermaßen, dass man sich wünscht, den Saal zwei Minuten früher verlassen zu haben. Schmerbecks Plan das Publikum hierdurch noch weiter über den Film nachdenken zu lassen, geht daher nicht wirklich auf. Insgesamt bleibt ein mittelmäßiger Horror-Film über 90 Minuten, der besonders durch seine “YouTube”-Machart hervorsticht.

“Heilstätten” ab 22. Februar 2018 im Kino.

One comment

  1. Filme der Woche: KW 08 - 2018 | Jil's Blog

    […] “Die Verlegerin” von Steven Spielberg und der neue deutsche Horror-Mysterie-Film “Heilstätten“, den ich euch ja bereits letzt Woche vorgestellt habe. Richtig spannend wird es aber noch […]

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