Filmkritik: Dinky Sinky

Filmkritik: Dinky Sinky

“Dinky Sinky” handelt von einer Frau und ihrem Wunsch Mutter zu werden. Mareille Klein inszeniert dieses Thema mit viel Feingefühl und überzeugt durch authentisch gezeichnete Figuren.

3.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Frida (Katrin Röver) wünscht sich ein Kind. Seit zwei Jahren unterliegt die Beziehung zu ihrem Freund Tobias (Till Firit) einem strikten Zeugungsprogramm. In ihrer Familie, dem Freundeskreis und unter Kollegen ist ein regelrechter Babyboom ausgebrochen. Frida ist mit ihren 36 Jahren bereits dreifache Tante und vierfache Patin. Aber was sie auch versucht, ihr eigener Kinderwunsch erfüllt sich nicht. Gerade als sie den nächsten Schritt gehen will und eine künstliche Befruchtung in Erwägung zieht, beendet Tobias die Beziehung. Fridas ganzer Lebensentwurf gerät aus den Fugen. Sie sehnt sich nach Heim und Familie, und nun soll sie mit Mitte dreißig von vorne beginnen? Das war nicht der Plan. Während ihre Freunde in die nächste Lebensphase übertreten, verläuft ihr eigenes Leben vermeintlich rückwärts.

Frida sucht Hilfe bei ihrer Mutter (Ulrike Willenbacher). Doch auch die Mutter erkundet neue Lebensphasen. Ihr einsames Witwendasein erlebt eine unverhoffte Wendung als sie im Internet einen Mann (Michael Wittenborn) kennenlernt. Frida ist nicht bereit aufzugeben. Sie will Kind und Familie und das möglichst schnell, denn der biologische Zeitdruck nimmt zu. Ohne die Trennung zu verarbeiten, macht sie sich auf die Suche nach einem neuen potentiellen Kindervater. Plötzlich ist jeder Mann eine Option, die in Betracht gezogen werden muss, ebenso wie andere Wege zum Kind – ohne Mann. Während sie verbissen ihrem Wunsch hinterherjagt, muss Frida schließlich lernen loszulassen, ohne zu wissen, was passiert…

Trailer zu “Dinky Sinky”

Mein Fazit

Mit viel Feingefühl inszeniert Regisseurin und Drehbuchautorin Mareille Klein die Geschichte einer Frau Mitte 30 und ihren Wunsch nach einer Familie. Durch die authentische Hauptfigur, die von Katrin Röver verkörpert wird, gelingt es dem Film sowohl auf einer komischen als auch einer ernsten Seite dieses Thema zu zeichnen. Dadurch wirkt das Drama schon fast wie eine Art Dokumentation. “Dinky Sinky”, das für “double income no kids yet” beziehungsweise “single income no kids yet” steht, lässt tief in die Psyche einer Frau hineinblicken, die zu verzweifelten Maßnahmen greift, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Dinky Sinky
© Koryphäen Film GmbH

Die biologische Uhr tickt

Klein hat damit ein sehr intimes Thema in Angriff genommen und es mit viel Respekt in der Figur der Frida gebündelt. Frida leidet darunter, dass sich ihr Kinderwunsch nicht erfüllen will. Klein macht jedoch deutlich, dass Frida nicht wirklich darunter leidet, dass sie kein Kind hat, sondern daher, weil sie sich auf diesen Kinderwunsch fixiert hat. Sie habe alles in ihren Leben diesem Wunsch angepasst und geht dabei verloren, erklärt Klein weiter. Und genau das wird in “Dinky Sinky” eindrucksvoll deutlich. Damit schließt der Film nicht etwa mit der Frage, ob der Traum vom Kind Frida erfüllt wird, sondern ob diese loslassen kann, ohne zu wissen, was dann passiere.

Dinky Sinky
© Koryphäen Film GmbH

“Der Hamster ist Tod”

Auslöser der ganzen Misere war aber letztlich nicht, dass Frida und ihr Freund Tobias seit zwei Jahren versuchen schwanger zu werden, sondern Tobias Geschenk an seine Freundin: Ein Hamster. Der Hamster steht damit sinnbildlich dafür, dass Tobias die Versuche schwanger zu werden einstellen möchte, während Frida sämtliche Maßnahmen ergreifen möchte, dass es doch noch klappt. Später soll der Hamster schließlich auch noch sterben. Für mich als Hamster-Liebhaber und -Besitzer finde ich die Art und Weise aber schon etwas unangemessen. Ich mag es einfach nicht, wenn Tiere in Filmen sterben – sei es aus symbolischen oder dramaturgischen Zwecken. Aber das ist ganz mein Problem. Trotzdem kurzer Hinweis: Einen Hamster zu verschenken ist grundsätzlich eine toller Sache!

Dinky Sinky
© Koryphäen Film GmbH

 

Frida

Die Figur der Frida gilt als eine Paradefigur einer immer älter werdenden Müttergeneration beziehungsweise eine Generation von Frauen, die ihre Karriere zunächst in den Vordergrund gestellt haben und die Kinderplanung hinten an gestellt hat und nun kurz davor stehen kinderlos zu bleiben. Ich denke jeder hat in seinem Umfeld Frauen, die ähnliche Erlebnisse wie Frida durchmachen oder haben sogar schon ähnliches erlebt. “Dinky Sinky” ist daher vor allem für Frauen unfassbar greifbar und nachvollziehbar. Dennoch bedeutet das nicht, dass der Zuschauer automatisch eine emotionale Bindung zu Frida aufbaut. Im Gegenteil, Frida wirkt durch ihre Besessenheit geradewegs unsympathisch und unvernünftig, sodass man ihr lieber einmal gründlich den Kopf waschen möchte.

Dinky Sinky
© Koryphäen Film GmbH

 

Ehrlich & aufwühlend

 

Der erste lange Spielfilm von Klein besticht durch seine ehrliche Inszenierung und sein aufwühlendes Thema. Obwohl die Darsteller ein wenig steif wirken, funktionieren die Charaktere in diesem Zusammenhang wunderbar. Vor allem Rövers Darstellung überzeugt. Ein wertvoller Film aus deutscher Hand, der jedoch durch etwas mehr Dynamik noch unterhaltsamer ausgefallen wäre.

“Dinky Sinky” ab 08. Februar im Kino.

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