Filmkritik: Alles Geld der Welt

Filmkritik: Alles Geld der Welt

“Alles Geld der Welt” erzählt nach wahren Begebenheiten die Entführungsgeschichte rund um den 16-jährigen Paul Getty im Jahr 1973. Durch die Neubesetzung des Ölmagnaten J. Paul Getty durch Christopher Plummer, der den in Verruf geratenen Kevin Spacey ablöste, sorgte das Drama bereits vor Filmstart für ordentlich Gesprächsstoff. Plummer beweist dabei eindrucksvoll, dass er von vornherein die besser Wahl gewesen wäre. 

3.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Es ist einer der aufsehenerregendsten Fälle der Kriminalgeschichte: 1973 wird der 16-jährige Paul (Charlie Plummer), Enkel des milliardenschweren Ölmagnaten J. Paul Getty (Christopher Plummer), in Rom entführt. Die Kidnapper verlangen 17 Millionen Dollar Lösegeld, doch der reichste Mann der Welt denkt gar nicht ans Bezahlen. Der alte Griesgram hält das Ganze für eine Inszenierung und fürchtet Nachahmer – schließlich hat er 13 weitere Enkel. Nur Pauls verzweifelte Mutter Gail (Michelle Williams) kämpft weiter um das Leben ihres Sohnes. Unermüdlich versucht sie, den alten Getty umzustimmen und verbündet sich schließlich mit dessen Sicherheitsberater, dem Ex-CIA Mann Fletcher Chase (Mark Wahlberg). Den beiden bleibt nur noch wenig Zeit, bis das Ultimatum abläuft…

Alles Geld der Welt ab 15. Februar im Kino
© TOBIS Film GmbH

Trailer zu “Alles Geld der Welt”

Mein Fazit

Es hätte DER Skandalfilm des Jahres werden können. Obwohl Christopher Plummer (“Beginners, 2010) zu den Kandidat für die Verkörperung des milliarden-schweren Ölmagnaten J. Paul Getty gehörte, hat zunächst Kevin Spacey (“American Beauty”, 1999) den Zuschlag bekommen und die Rolle auch im Sommer 2017 gespielt. In Mitten der Postproduktion machten sich jedoch die erste Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen den zweifachen Oscar-Preisträger breit, auf die viele weiteren folgte. Um die Arbeit eines ganzen Teams jedoch nicht zunichtezumachen, entschloss sich Regisseur Ridley Scott (“Blade Runner 2049”, 2017) Spacey aus dem Film zu schneiden und ihn durch Plummer zu ersetzen. Im November 2017 wurden kurzerhand entsprechende Szenen – die gar nicht mal so wenige sind – nachgedreht. Und das hat sich gelohnt! Der knorrige Plummer entspricht nicht nur optisch eher dem wahren J. Pauk Getty, sondern brilliert auch durch eine ausgezeichnete Performance, die ihm eine Nominierung für die Golden Globes und für die Academy Awards als “Bester Nebendarsteller” einbrachte.

© TOBIS Film GmbH

Vielfältige Darsteller

Aber nicht nur Plummer, der auf eine 70 Jahre andauernde Karriere zurückblicken kann, sondern auch Michelle Williams (“Manchester by the Sea”, 2016) und Mark Wahlberg (“The Fighter”, 2010) können überzeugen und zeigen, wie vielfältig sie sind. Williams hat zuletzt in “Greatest Showman” eine völlig andere Seite von sich gezeigt als in “Alles Geld der Welt”. Hier porträtiert sie eine liebende Mutter und eine starke Frau, die weiß, was sie möchte. Auch Wahlberg als Sicherheitsberater zeigt nach “Daddy’s Home 2” mal wieder eine ernsthaftere Fassade und wird nach und nach zur rechten Hand von Gail. Insgesamt hätte man seine Rolle aber durchaus etwas weiter ausbauen können, um seine Präsenz noch stärker zu rechtfertigen.

Alles Geld der Welt
© TOBIS Film GmbH

1973: Paul Getty wurde entführt

Die Entführung des 16-jährigen Paul Getty, gespielt von Charlie Plummer (“Lean on Pete”, 2017), der übrigens nicht mit Christopher Plummer verwandt ist, gehört zu den aufsehenerregendsten Kriminalfällen unserer Zeit. Der Ausgang des Falls ist natürlich allseits bekannt, wurde aber aus dramaturgischen Gründen noch etwas “aufgepeppt”. “Alles Geld der Welt” gelingt es daher die Spannung stets aufrecht zu erhalten. Bei einer Spielzeit von 132 Minuten hat das Drama jedoch auch seine Längen. Hinzukommt, dass der Trailer weitaus mehr Action verspricht, als der Kriminalfall hält. Anstatt haufenweiser Fluchtszenen, Verfolgungsjagden und Widerstand, wird eher viel diskutiert, verhandelt und gepokert. Durch J. Paul Gettys gleichwohl furchteinflößenden und bemitleidungswürdigen Art, die Christoph Plummer so ausgezeichnet auf der Leinwand präsentiert, sind aber gerade die Szenen mit dem reichsten Mann der Welt besonders faszinierend.

Alles Geld der Welt
© TOBIS Film GmbH

Spannende Story, tolle Besetzung – der letzte Kick fehlt

“Alles Geld der Welt” ist alleine aufgrund von Christopher Plummers Darstellung, die so gar nicht geplant war, schon absolut sehenswert. Auch die atemberaubende Michelle Williams wurde nicht umsonst als “Beste Darstellerin” für die Golden Globes und die Oscars nominiert. Doch der letzte kleine Kick fehlt, um restlos zu begeistern. Dies ist vor allem den immer wieder aufkommenden Längen zu verschulden und den zu wenig gezeichneten Charakteren, wodurch eine gewisse emotionale Nähe zu den Einzelpersonen ausbleibt. Vor allem die Hintergründe von Fletcher Chase werden zu wenig erörtert und die anderen Kinder von Gail werden zunächst aufwendig gezeigt, um dann genauso schnell wieder in Vergessenheit zu geraten.

“Alles Geld der Welt” ab 15. Februar 2018 im Kino.

17 comments

  1. Annett

    Auf den Film war ich eigentlich gespannt. Jetzt frage ich mich: Lohnt es sich wirklich dafür ins Kino zu gehen? Vielleicht warte ich auch einfach noch und hole mir dann die BluRay? Hmmm oder ich schau ihn irgendwann auf Sky… Naja ich werde es mir überlegen.

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    1. Jil

      Ich sag mal so, wenn man bei der “Oscar”-Verleihung mitreden möchte, dann sollte man ihn noch gucken. Ansonsten kann man auch warten 😉

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  2. L❤ebe was ist

    bei der Starbesetzung hätte man ja meinen können, dass wird DER Film! schade, dass er dich nicht ganz überzeugt hat – aber immerhin doch ganz gut 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

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    1. Jil

      So sieht es aus! Ist aber auch wieder ein typischer Fall von “Trailer zerstört den Film”. Immer doof sowas :/

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  3. Natalia

    Die Story klingt echt spannend. Ich werde mir den Film auf jeden Fall anschauen… Und schauen wir mal, ob mich das Ende begeistern auch begeistern kann… 😉

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    1. Jil

      Viel Spaß beim Gucken <3

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  4. Ramona

    Hey meine Liebe,

    eine tolle Filmvorstellung… ich finde deine Bewertung mit den Popcorntüten ja mmmeeegga süß! Hab ich bis dato noch nie gesehen- echt toll!

    Liebe Grüße

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    1. Jil

      Danke Dir! Bald gibt es auch genaue Übersichten noch Popcorntüten sortiert 😉

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  5. Denise

    Ich finde die ganzen Entführungsstorys sind alle schon total ausgelutscht. Für den Tv Abend zuhause bestimmt toll, aber fürs Kino bestimmt nicht so gut

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    1. Jil

      Man muss bedenken, dass sie auf einer wahren Geschichte beruht – und dann ist sie schon wieder spannend 😉 Also, finde ich!

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  6. Avaganza

    Liebe Jil,

    ich habe mich total auf diesen Film gefreut – dachte der wird toll. Jetzt bin ich direkt enttäuscht weil er offensichtlich doch nicht so überzeugend ist. Mhhh… aber ich glaube ich bin trotzdem neugierig und werde ihn mir anschauen.

    Danke dir für deine super Rezension … wie immer ;-).

    Liebe Grüße und schönen Abend!
    Verena

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    1. Jil

      Also schlecht ist er ja nicht! Nur etwas anders, als man zunächst denkt 😉 Ich würde trotzdem empfehlen den Film zu gucken 😉

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  7. Jasmin

    Sehr schade das der Film nicht so besonders war. Ich werde ihn mir dann glaub nicht anschauen.

    LG Jasmin

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    1. Jil

      Naja, 3,5 von 5 Popcorntüten ist jetzt aber auch nicht schlecht. Man hat halt ein bisschen was anderes erwartet. Insgesamt war aber sicherlich nicht schlecht 🙂

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  8. Bea

    Mich spricht der Film nicht an, die Geschichte an und für sich allerdings schon. Wenn er mal im Fernsehen kommt, kann man ihn sich sicher anschauen.

    LG, Bea.

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    1. Jil

      Ich finde ja Filme, die auf echten Begebenheiten basieren immer spannend 🙂 Aber ja, wenn der nichts für Dich ist einfach mal abwarten.

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  9. Wioleta

    Der Film klang auch für mich eigentlich super spannend. Nun sparen wir uns die Tickets und warten lieber bis er auf Sky veröffentlicht wird

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