Filmkritik: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Filmkritik: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

“Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” ist ein Drama mit einem modernen weiblichen Westernhelden in der Hauptrolle. Der unaufgeklärte Mordfall um Mildred Hayes (Frances McDormand) Tochter veranlasst die trauernde Mutter dazu, mittels drei Reklametafeln erneut darauf aufmerksam zu machen und Aufklärung zu fordern. Ein schon jetzt preisgekröntes Drama, dass ihr euch unbedingt ansehen solltet.

4.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Monate nach dem brutalen Mord an ihrer Tochter Angela (Kathryn Newton), unternimmt Mildred Hayes (Frances McDormand) einen verzweifelten Versuch die Ermittlungen voranzutreiben. Sie mietet drei Plakatwände an der Hauptstraße zum Ort Ebbing, Missouri und lässt diese mit drei Sprüchen bekleben. Dabei adressiert sie direkt den Polizeichef William Willoughby (Woody Harrelson) der Kleinstadt. Einem angesehen und beliebten Mann in Ebbing. Doch wohingegen Willoughby noch mit Verständnis an Hayes herantritt, ist seine rechte Hand Officer Dixon (Sam Rockwell) weniger entspannt.

Das Muttersöhnchen, mit Drang zu Gewalt, mischt sich in den Konflikt, wodurch sich die Situation zuspitzt. Der Konflikt zwischen Hayes und den Ordnungshütern des verschlafenen Städtchens verschärft sich und droht zu eskalieren. Ob dies jedoch der Aufklärung des Falls zuträglich ist, bleibt zweifelhaft…

"Three Billboards outside Ebbing, Missouri" ab 25. Januar im Kino
© 2017 Twentieth Century Fox

Trailer zu “Three Billboards outside Ebbing, Missouri”

Mein Fazit

Vier Golden Globe Auszeichnung können nicht Lügen: “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” ist ein Drama der Extraklasse. Mit seinem schwarzen Humor, seiner schonungslosen Sprache und seiner offensiven Gewalt, die den normalen Zuschauer durchaus verwundern und an den agierenden Personen zweifeln lässt, überzeugt Golden Globe Gewinner, Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh (“Six Shooter”, 2004; “Brügge sehen… und sterben?”, 2008) über 115 Minuten.

"Three Billboards outside Ebbing, Missouri"
© 2017 Twentieth Century Fox

Mildred Hayes

Was darf man laut Gesetz auf ‘n Billboard schreiben und was nicht? Mildred Hayes (Frances McDormand)

Im Fokus von “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” steht Mildred Hayes, die von Frances McDormand (“Fargo”, 1996) verkörpert wird. Hayes ist eine starke, entschlossene aber auch sehr wütende Figur, die innerlich aufgrund des Todes ihrer Tochter gebrochen ist. Der Mord an ihrer Tochter ist der Ursprung der Geschichte und der Auslöser für den Konflikt innerhalb der kleinen Stadt. Hayes ist der Meinung, dass die Polizei sich eher darauf konzentriert, Schwarze zu foltern, als dieses Verbrechen aufzuklären. Um die Aufmerksamkeit auf den ungeklärten Mord zu lenken, lässt Hayes die drei Plakate aufhängen, die sich direkt an den Polizeichef William Willoughby (Woody Harrelson) wenden. Als Chef des Departments macht Hayes ihn für die mangelnde Investigation verantwortlich. Aus diesem Grundkonflikt entwickeln sich Drama und Spannung, wobei alte Zerwürfnisse, tiefsitzender Groll und moralische Abrechnungen ins Spiel kommen.

"Three Billboards outside Ebbing, Missouri"
© 2017 Twentieth Century Fox

McDonagh schrieb McDormand die Rolle der Mildred Hayes auf den Leib. Er setzte darauf, dass sie seine Dialoge so emotional, wahrhaftige und weise überträgt. Die Herausforderung bestand darin die schwarzhumorigen Momente der Geschichte mit Mildreds gefühlsgeladener Mission auszubalancieren. McDormand verkörpert in “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” quasi die moderne weibliche Variante eines klassischen Westernhelden. Sie erklärt: “Ich lehnte mich bei der körperlichen Präsenz sehr stark an John Wayne an, weil ich mich als Mildred nicht an entsprechenden weiblichen Westernikonen orientieren konnte. Sie steht eher in der Tradition jenes mysteriösen Mannes in Spaghetti-Western, der mit gezogenem Gewehr die Straße entlangläuft und alle abknallt – obwohl ich es wichtig finde, dass die einzige Waffe, die Mildred je benutzt, ihr Grips ist.“ Für diese sehr gelungene Verkörperung hat McDormand zu recht im Januar einen Golden Globe gewonnen. Der Zuschauer kauft McDormand die Figur der zerrissenen und gleichwohl rachsüchtigen Mildred Hayes hundertprozentig ab. Ein wahrlich erbarmungsloser Charakter, der die ganze Stadt herausfordert.

"Three Billboards outside Ebbing, Missouri"
© 2017 Twentieth Century Fox

Polizeichef Willoughby

Ein weiteres Herzstück von “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” ist natürlich der attackierte Polizeichef William Willoughby, der von wundervollen Woody Harrelson (“Zombieland”, 2009; “Planet der Affen – Survival“, 2017) gespielt wird. Willoughby ist der Charakter, den man sofort ins Herz schließt. Er versteht Hayes Frust, kann ihr aber auch nicht unmittelbar helfen, obwohl er es gerne tun würde. Er fühlt sich daher zu unrecht angegriffen. Außerdem hat er mit ganz privaten Problem zu kämpfen, die ihm vielleicht zur traurigsten Figur des Dramas werden lassen. Harrelson versteht es seinem Charakter ehrlich und glaubwürdig darzustellen, sodass man mit ihm hofft und leidet.

"Three Billboards outside Ebbing, Missouri"
© 2017 Twentieth Century Fox

Officer Dixon

Sie sagen zu einem Gesetzeshüter auf seinem eigenen Revier nicht “Arsch”, Mrs. Hayes, und irgendwo anders auch nicht. Officer Dixon

Officer Dixon, gespielt von Sam Rockwell (“Moon”, 2009; “7 Psychos”, 2012)), ist wohl die unberechenbarstes Figur in “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Die rechte Hand des Polizeichefs neigt dazu sich durch seine Unduldsamkeit und sein unberechenbares Temperament selbst zu sabotieren. Er widersetzt sich den Anweisungen seines Chefs und überschreitet gelegentlich selbst gesetzliche Grenzen. Damit vereinbart Dixon alles, was man an einem Mann verabscheut. Dennoch hat er etwas kindliches an sich, das trotz seiner Widerwärtigkeit, Mitleid erregt. Das Muttersöhnchen entwickelt sich nach und nach zum Lieblingscharakter des Dramas – zumindest erging dies Woody Harrelson und mir so. Rockwell gelingt es diesen widersprüchlichen Charakter mit so viel Unbedarftheit und Aufrichtigkeit zu spielen, dass er den Golden Globe als “Bester Nebendarsteller” redlich verdient hat!

"Three Billboards outside Ebbing, Missouri"
© 2017 Twentieth Century Fox

Die Nebencharaktere

Neben diesen drei wundervollen Darstellern, brillieren noch weitere Schauspieler, die das Drama “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” schon jetzt zu einem der besten Dramen des Jahres auszeichnet. Darunter “Game of Thrones”-Star Peter Dinklage als James, Caleb Landry Jones als Red Welby und John Hawkes als Charlie. All diese Schauspieler gelingt es ihre Figuren, die geprägt sind von schwarzen Humor, Angst, Hoffnung und Unsicherheit, so authentisch zu verkörpern, dass man sich als Zuschauer denkt, dass man vielleicht lieber einen großen Bogen um Ebbing, Missouri machen sollte…

"Three Billboards outside Ebbing, Missouri"
© 2017 Twentieth Century Fox

Ebbing, Missouri

Obwohl Ebbing fiktiv ist, gelingt es Donagh den markanten lokalen Flair der Gegend in Missouri einzufangen. Die ländliche Kleinstadt ist ein Ort in dem jeder über die Angelegenheiten der anderen bescheid weiß. Kameramann Ben Davis (“Guardians of the Galaxy“, 2014) hat dem Film einen fotografischen Look der 70er Jahre mit dramaturgischen Tiefe verpasst. Seine Auswahl der Drehorte und der Kamerawinkel – vor allem der Hauptstaße – prägen “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” und tragen weiter zur Authentizität des Dramas bei.

"Three Billboards outside Ebbing, Missouri"
© 2017 Twentieth Century Fox

Bester Film: “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”

Neben den Auszeichnung für Frances McDromand, Sam Rockweil und Martin McDonagh (Bestes Filmdrehbuch) konnte “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” auch in den Königsdisziplin “Bester Film – Drama” seine Mitbewerber (“Call Me by Your Name”, “Dunkirk”, “Shape of Water – Das Flüstern des Wassers”, Die Verlegerin”) abhängen und den Golden Globe nach Hause nehmen. Neben einer spannenden Geschichte, mit einem einen hervorragenden Drehbuch und einen gewagten Ende, überzeugt das Drama vor allem durch seine Darsteller und sein authentisches Setting. Durch die Mischung von schwarzen Humor, wirklich dümmlichen Aussagen, weisen Charakteren und intelligenten Dialogen entwickeln sich abwechslungsreiche Gespräche, die die Charaktere sehr real wirken lassen. Gleichzeitig fasst sich der Zuschauer gelegentlich an den Kopf und murmelt: “Was sind das nur für Leute!?” (Tatsächlich so mehrfach beim Gucken geschehen.) Unterstrichen werden sowohl die humorvollen wie auch die gewaltreichen Szenen, die oft ineinander übergehen, von der Filmmusik von Carter Burwell (“Twilight – Biss zum Morgengrauen”, 2008), die vor allem Hayes Wut, Wärme und Trauer orchestriert. 115 Minuten Spielzeit, die im Fluge vergehen!

5 comments

  1. L❤ebe was ist

    klingt nach einem sehr spanneden Südstaaten-Thriller! ich hab da ja leider eher zu zart beseitete Nerven für solche spannungsgeladenen Krimis! aber die Story klingt gar nicht schlecht und ich glaube, wer Thriller und Co. mag, kommt hier wohl voll auf seine Kosten 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

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  2. eleonora

    Von dem Film habe ich noch gar nichts gehört bisher, aber habe ihn direkt mal auf meine Watchlist geschrieben, klingt so als könnte er mir gefallen! Den Brügge Film liebe ich jedenfalls! 😄

    Sonnige Grüße,
    Eleonora https://eleonorasleben.blogspot.de

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  3. Jimena

    Das hört sich ja nach einem ganz tollen Film an, werde ich mir gleich mal für meinen nächsten Filmabend vormerken! 🙂

    Liebe Grüße
    Jimena von littlethingcalledlove.de

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  4. Filmkritik: Der seidene Faden | Jil's Blog

    […] “Get Out“, “The Shape of Water”, “Lady Bird” und “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” – wird es “Der seidene Faden” jedoch ganz schön schwer […]

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  5. Filme der Woche: KW 10 - 2018 | Jil's Blog

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