Filmkritik: Table 19 - Liebe ist fehl am Platz

Filmkritik: Table 19 – Liebe ist fehl am Platz

“Table 19 – Liebe ist fehl am Platz” ist eine Hochzeitskomödie der anderen Art. Anstelle der Feier stehen der Tisch der Außenseiter und ihre Geschichten im Mittelpunkt. Mit viel Gefühl und frechem Humor eignet sich der Film wunderbar für einen entspannten Popcornabend auf dem Sofa.

3.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Kurz vor der Hochzeit ihrer besten Freundin wird Eloise McGarry (Anna Kendrick) von ihrem Freund Teddy (Wyatt Russell), dem Bruder der Braut, per SMS abserviert. Eloise wird daher kurzerhand als Brautjungfer abgesetzt und an den Tisch 19 verbannt – dem schlechtesten Tisch der Feier in der hintersten Ecke des Festsaals. Sie beschließt, trotzdem erhobenen Hauptes zur Hochzeit zu gehen und ihren Ex-Freund zu konfrontieren – ohne eine Szene zu machen.

So einfach, wie sich dies Eloise dachte, wird es jedoch nicht. Teddy kommt schließlich nicht allein. Nikki (Amanda Crew), Teddys erste und neue Freundin und die neue Brautjungfer, strahlt an seiner Seite und markiert ganz klar ihr Revier. Unerwartet findet Eloise jedoch Halt bei den fremden Menschen an Tisch 19. Im Laufe der Hochzeitsfeier lernen sich die Fremden immer näher kennen. Geheimnisse werden aufgedeckt und Freundschaften entwickeln sich, mit denen sicherlich keiner gerechnet hat…

"Table 19 - Liebe ist fehl am Platz" ab 11. Januar auf DVD & Blu-ray
© 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

Trailer zu “Table 19 – Liebe ist fehl am Platz”

Mein Fazit

“Table 19 – Liebe ist fehl am Platz” setzt sechs Lebenskrisen an einen Platz. Am schlechtesten Tisch der Hochzeit lernen sich die völlig fremden Personen unfreiwillig kennen und schweißen nach und nach zusammen. Da wird die Hochzeitsfeier an sich schnell zur Nebensache. Mit frechem Humor, einem frischen Look und viel Gefühl kann die Komödie durchaus überzeugen.

Die schrägen Typen von Tisch 19

Wer kennt sie nicht? Bei fast jeder Hochzeit gibt es doch irgendwo einen Tisch, wo die Menschen zusammengeführt werden, von denen man vielleicht gar nicht gedacht hat, dass sie überhaupt kommen. Menschen, die man nur eingeladen hat, weil man es “muss”. “Table 19 – Liebe ist fehl am Platz” erzählt genau diese Geschichte. Sie erzählt aber auch die Geschichte, wie aus fremden Menschen – so unterschiedlich sie auch sind – Freunde werden. In “Table 19 – Liebe ist fehl am Platz” hat jeder Gast einen anderen Grund, warum er oder sie zu der Hochzeit erschienen ist. Und jeder erhofft sich von diesem Besuch etwas. Trotz dessen, dass Eloise McGarry (Anna Kendrick) im Fokus der Begegnung steht, bekommen alle sechs Gäste des Tisches Nr. 19 genügend Raum, um ihre persönliche Geschichte zu erzählen.

"Table 19 - Liebe ist fehl am Platz"
© 2017 Twentieth Century Fox

Hinter der Fassade

“Table 19 – Liebe ist fehl am Platz” zeichnet aus, dass der Film nicht von Beginn an vorhersehbar ist. Im Gegenteil: Er überrascht. Das liegt vor allem auch daran, dass die Figuren sich untereinander zunächst völlig falsch einschätzen und vorschnell Urteile fällen. Regisseur Jeffrey Blitz erläutert: “Im Film sagen die Leute fortwährend das Falsche, auf witzige oder provokante Art. (…) Im Verlauf des Tages werden die Leute aufrichtiger, lassen mehr in ihr Innerstes blicken. Als sie sich den anderen gegenüber zu öffnen beginnen, entdecken sie, dass sie das, was sie vor den anderen zu verbergen versuchten, gar nicht verheimlichen hätten müssen. Jeder von ihnen entpuppt sich letztlich als eine andere und deutlich komplexere Persönlichkeit, als es anfangs den Anschein hatte.“ Die unbeholfene Art der Figuren, miteinander und untereinander zu agieren, macht einen großen Teil des Humors und des Charmes von dem Film aus. Verstärkt wird dies durch eine sehr passende Besetzung.

"Table 19 - Liebe ist fehl am Platz"
© 2017 Twentieth Century Fox

Ganz Anna Kendrick

Wer schon mehrere Filme mit Kendrick gesehen hat, der wird schnell erkennen, dass Kendrick sich auch hier in ihrer Wohlfühlzone bewegt oder einfach sehr passend besetzt wurde. Schließlich hat Blitz die Rolle der Eloise Kendrick auf den Leib geschrieben. Kendrick spielt die junge Eloise genau so, wie sie sein muss: sarkastisch, vorsichtig aber auch bereit ihre Ellbogen einzusetzen. Dabei bleibt sie aber stets verletzlich, weshalb man direkt mit ihr fühlt und leidet. Eine recht ähnliche Rolle, wie Kendrick auch schon in “Mike and Dave Need Wedding Dates” verkörpert hat – nur weniger auf Drogen. Aber was soll man daran meckern, denn schließlich liegen genau hier Kendricks Stärken – auf der einen Seite humorvoll, auf der anderen Seite dramatisch. Aus diesem Grund kauft man ihr die Rolle der Eloise wunderbar ab. Ihre Mischung aus geistreichem und weniger niveauvollem Humor unterstreichen ihre Figur.

"Table 19 - Liebe ist fehl am Platz"
© 2017 Twentieth Century Fox

Die anderen Sonderlinge

Neben Kendrick überzeugen aber auch die anderen Gäste an ihrer Seite. Da gibt es das Ehepaar Bina und Jerry Keep, gespielt von Lisa Kudrow und Craig Robinson, das eigentlich überhaupt nicht zusammenpasst. Kudrow und Robinson haben mit ihrer prickelnd-kratzbürstigen Art einen guten Draht zueinander aufgebaut, wodurch ihre Bemerkungen noch bissiger wurden, bemerkt Produzentin P. Jennifer Dana. Und so unterschiedlich, wie die beiden äußerlich sind, so unterschiedlich spielen die beiden auch. Doch was zunächst nicht zusammenzupassen scheint, harmoniert wunderbar. Zu dem Paar gesellen sich noch June Squibb als Kindermädchen Jo Flanagan, die auch mit über 80 begeistern kann, der schräge Stephen Merchant als Exhäftling und Tony Revolori als schüchterner Renzo Eckberg, der auf der Suche nach der großen Liebe oder auch einfach nur auf der Suche nach Sex ist. Ergänzt wird die Truppe durch den Ehrengast und Trauzeuge Teddy, gespielt von Wyatt Russell. Der Ex-Freund ist der Auslöser für die ganze Misere rund um Eloise, die letztlich den Tisch 19 zusammenschweißt. Und auch hinter Teddy steckt mehr, als man zunächst denkt.

"Table 19 - Liebe ist fehl am Platz"
© 2017 Twentieth Century Fox

Eine andere Hochzeitskomödie

Wenn ich an Hochzeitkomödien denke, dann denke ich sofort an “Die Hochzeits-Crasher” – im Übrigen zum Schießen komisch -, “Die Hochzeit meines besten Freundes” oder “Brautalarm”. All diese Filme haben eines gemeinsam: Die Hochzeit steht im Mittelpunkt und wird auf irgendeine Art und Weise sabotiert. Dies ist bei “Table 19 – Liebe ist fehl am Platz” gänzlich nicht der Fall. Denn nicht das Hochzeitspaar steht im Fokus, sondern dessen “ungewollte” Gäste. Das Konzept geht auf. Gerade weil auf große Schenkelklopfer verzichtet wurde, bleibt eine Komödie, die gleichwohl amüsiert und berührt. Mit 87 Minuten Spielzeit ist sie zudem sehr kurzweilig und perfekt für einen schönen Filmabend auf der Couch geeignet.

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