"Meine Geschichte mit Filmgeschichten & Geschichte"

“Meine Geschichte mit Filmgeschichten & Geschichte”

Da ist man seine halbe Kindheit Filmen ausgesetzt, die 30 bis 50 Jahre vor der eigenen Geburt erschienen sind, saugt Dialoge auf wie ein Schwamm, lacht, weint und fühlt mit, während Helden und Heldinnen einen Sinneswandel vollziehen um sich entgegen aller Erwartungen doch noch zu behaupten, in Einzelfällen vielleicht sogar tragisch zu scheitern. Man diskutiert mit Freunden über diese und jene Szene, hört auf dem Walkman / CD Player / iPod / Smartphone den neuen Soundtrack rauf und runter, wünscht sich einen Boba Fett Helm für die nächste Kostümparty und knackt sogar noch die ungeplatzten Maiskörner der XXL Popcorn Packung bei der Kinopremiere auf die man sich schon seit einer Ewigkeit freut, weil man vor einem Jahr den Trailer gesehen und zwei Jahre davor auf der IMDb die News gelesen hat, dass Chris Nolan das Skript endlich fertig hat und der Dreh endlich beginnen kann. Das Medium Film wird vom Hobby langsam aber sicher zur Studie, Horizonterweiterung, Obsession, zur eigenen Sprache und Lebenseinstellung. Und dann kommt da so eine sympathische Bloggerin, deren Filmkritiken man unter dem Facebook’schen Deckmantel heimlich ohnehin schon verfolgt hat, bei der Arbeit zu einem in den Laden und sagt: „Kannst gerne was für mich über Film schreiben, ich freue mich immer über Gastautoren!“

Gastautor Julian alias JayKay

Eine wahre Romanze

„Ok, wie viele Seiten, Bücher, Wälzer willst du haben?“, hätte ich – man nennt mich übrigens Julian, zu Ihren Diensten – gerne geantwortet. Schreiben, tue Ich ohnehin schon, zum einen durch mein Anglistik / Amerikanistik Studium, zum anderen, weil ich damit vielleicht, unter Umständen, eventuell, Konjunktiv, Konjunktiv, Konjunktiv, mal mein Geld verdienen kann. Bis dahin bin ich aber auf freundliche Mithilfe und Gelegenheiten wie diese angewiesen und natürlich sofort bereit von meiner Liebe zum Film und Fernsehen zu berichten. Und Grundgütiger ist das eine Romanze! Wenn ich Leute nach Ihrem ersten Kinobesuch frage, kommt erstaunlicherweise immer wieder die Antwort Disney. Und so war das auch bei mir mit knappen vier Jahren in der Wiederaufführung von Peter Pan (1992). Wer jetzt rechnet, merkt, dass ich mit fast dreißig schon ein bisschen Zeit hatte, um die Kurosawas, Spielbergs, Fellinis und Allens dieser Welt nachzuholen und lieb zu gewinnen. Und sind wir mal ganz ehrlich, was ist schon eine Kindheit ohne Disney?! Bevor das hier aber eskaliert und in Selbstbeweihräucherung durch exzessives Namedropping endet, wenn es dafür nicht sogar schon zu spät ist, mehr zu den Symptomen meiner Liebe zum Film.

“Zielgruppenverfremdung”

Ich wohne mit meiner Schwester zusammen und haben einen unausgesprochenen Deal, dass jeder vom Film- und Seriengeschmack des anderen profitiert. Man könnte also sagen wir haben aktive Zielgruppenverfremdung von Filmen betrieben, aber im Jahr 2017 halte ich es sowieso für überholt eine Serie als Frauenserie zu bezeichnen oder einen Fernsehkanal nur für Männer zu machen. Aber das muss jeder für sich selbst klären.

“Es geht um die Freude am Film”

Durch die Abmachung mit meiner Schwester hat sich jedenfalls zum Leid einiger „Uneingeweihter“ bei uns beiden eine Sprache entwickelt, die vollgestopft ist mit Situationskomik und Anspielungen, insbesondere bei einigen Filmen, die schon gute zwanzig Mal durch die Röhre liefen, sodass unsere Wohnung schon als „Haus das Verrückte macht“ bezeichnet wurde. Ok, vielleicht komme ich nicht ganz ohne Filmzitate aus. Aber glaubt mir, wenn ich sage, dass ich niemandem meinen Filmgeschmack aufzwingen möchte, sondern lediglich gerne meinen Fanatismus teile. Vielleicht bin ich auch einfach zu leicht zu begeistern, aber genau das schätze ich bei jedem, der diese Begeisterung nachvollziehen kann. Die wahrscheinlich wichtigste Botschaft dabei für mich ist: Es ist letztendlich egal, ob es sich um oscarnominierte Kritikerlieblinge, oder um den Blockbuster vom letzten Sommer, oder um einen Digicam Kurzfilm auf YouTube dreht. Es geht um die Freude am Film. Eine Erkenntnis, für die ich länger gebraucht hab, als ich hier zugeben möchte. Aber genau diese Einstellung hat mich letzten Endes auch beim Schreiben vorangebracht, denn mein persönliches Ziel ist es nicht (mehr), jedem auf die Finger zu hauen, der Lawrence von Arabien nicht gesehen hat, sondern den Leuten, die genauso neugierig sind wie ich, ein paar Spuren zu geben, während die ohnehin „Eingeweihten“ die ein oder andere Filmanspielung wie ein Augenzwinkern lesen. So funktioniert das zumindest in meinem Kopf, aber aus dem komme ich nicht so ganz raus und hoffe damit bestenfalls niemanden zu langweilen. Und wer trotzdem gelangweilt ist, der hat vielleicht ganz andere Filmfavoriten oder mit dem Genre generell nichts am Hut.

Filmgeschichten verbinden

Filmgeschichten verbinden

Bis jetzt war “Film” für mich aber immer die einfachste Gelegenheit mit jemandem ins Gespräch zu kommen und ich finde es immer wieder faszinierend zu erfahren, warum, wer, welche Geschichte zu etwas Besonderem, etwas total Persönlichem macht. Sei es Peter Pan mit Papa im Kino, das erste Date bei Findet Nemo, die Gilmores kurz nach einer Trennung zuhause heulend mit nem riesigen Eisbecher oder Star Wars unter Freunden, die man ewig nicht gesehen hat (natürlich in der ersten Reihe, weil wieder keiner die Reservierungen gebacken bekommen hat), die Geschichten die bei uns am Ende hängen bleiben, sind Teil von uns geworden und ich freue mich über jede Einzelne, die ich hören darf. Es sei denn, jemand zwingt mich in eine 3D-Vorstellung. Da möchte Ich lieber die 30% Farbverlust und den Ticketaufschlag wieder und verzichte auf die beiden Projektile im Film, die mir ins Gesicht fliegen würden. Oh Gott, jetzt klinge Ich wie ein Opa… naja, wenn ich das tatsächlich mal werde, dann nehme Ich meine Enkel auch mit in die nächste Disney-Vorstellung. Von mir aus dann auch König der Löwen 6 in 4D!

TBAJournal

Shameless Plug zum Schluss, wer auch gern mal auf Englisch liest und mehr von mir (Autorentag: „JayKayTba“) oder meinen Kommilitonen aus der Anglistik / Amerikanistik lesen möchte, kann gerne auf der Seite unseres Studentenjournals http://tbajournal.com/ vorbeischauen. Wir schreiben Kurzgeschichten, Gedichte, über Konzertbesuche und über alles, was im Studentenkopf so herumschwirrt. Und natürlich noch einmal vielen lieben Dank an Jil für die Gelegenheit!

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