Filmkritk: Dieses bescheuerte Herz

Filmkritik:
Dieses bescheuerte Herz

In Dieses bescheuerte Herz bang der herzkranke David Müller nahezu jeden Tag um sein Leben. Lenny, der verwöhnte Sohn von Davids behandelten Arzt, soll dafür sorgen dem Jungen vor seinem Ableben noch eine schöne Zeit bereiten. Eine ergreifende Geschichte mit einer tollen Besetzung.

3.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Lenny (Elyas M’Bareklebt seinen Traum: Er feiert in den angesagtesten Clubs Münchens die Nächte durch, lebt in einer großen Villa, amüsiert sich mit den hübschesten Mädels der Stadt und fährt einen Audi R8 – von seinem Vater. Als der diesen jedoch aus Versehen im Pool versenkt, ist Schluss mit lustig! Lennys Vater (Uwe Preuss) dreht dem attraktiven Tunichtgut den Geldhahn ab. Der Lebemann soll endlich sein Leben in den Griff bekommen und einmal eine Sache zu Ende bringen.

Lennys Vater ist Herzspezialist und behandelt seit seiner Geburt den schwer herzkranken David Müller (Philip Noah Schwarz). Dieser lebt zusammen mit seiner Mutter Betty (Nadine Wrietz) in einer tristen Hochhaussiedlung. Tag für Tag pendelt David zwischen Hospiz und seinem Zimmer hin und her. Der 15-jährige hat dennoch die Lust am Leben nicht verloren und möchte nichts sehnlicher als seinen 16. Geburtstag noch erleben. Doch sein Leben hängt am seidenen Faden, wie Lenny bald feststellen muss. Denn Dr. Reinhardt verpflichtet seinen Sohn dazu, David noch ein schönes Leben zu bereiten. Nur unter dieser Bedingung ist er bereit ihn wieder finanziell zu unterstützen. Widerwillig nimmt sich Lenny der Aufgabe an und erstellt mit dem kranken Jungen eine Art Bucket List.

Coole Kleidung und ein neues Handy kaufen sind schnell erledigt. Auch eine Fahrt mit einem Sportwagen ist schnell organisiert. Aber wie soll Lenny David dabei unterstützen ein Mädchen kennenzulernen, sich zu verlieben? Lenny wächst die ganze Sache schnell über den Kopf und droht hinzuschmeißen…

Dieses bescheuerte Herz ab 21. Dezember im Kino
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH

Mein Fazit

Dieses bescheuerte Herz basiert auf der Romanvorlage* von Lars Amend und seiner Beziehung zu dem herzkranken Daniel Meyer. Trotzdem kommt einem die Geschichte irgendwie bekannt vor. Ein verwöhnter Sohn eines reichen Arztes, soll etwas Gutes tun, damit ihm nicht der Geldhahn zugedreht wird. Sein Projekt: Beschere einem schwerkranken Jungen noch ein schönes Leben. Es geht um die Entstehung einer unerwarteten Freundschaft, wie Regisseur Marc Rothemund betont. Also ein ähnliches Prinzip wie zum Beispiel Frankreichs Exportschlager Ziemlich beste Freunde oder auch vom Hollywood-Blockbuster Ein ganzes halbes Jahr. Dieses bescheuerte Herz muss damit mit mehr als einer originellen Story überzeugen.

Dieses bescheuerte Herz
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Jürgen Olczyk

Ein charmanter Cast

Und das tut das Drama beispielsweise mit einem sehr charmanten Cast. Neben Elyas M’Barek als Lenny, können auch Newcomer Philip Noah Schwarz als David und vor allem Lisa Bitter als Dr. Julia Mann mit viel Charisma die Zuschauer auf ihre Seite ziehen. Abgerundet wird der Cast durch Uwe Preuss als Lennys Vater Dr. Reinhardt und durch die hübsche, junge Schauspielerin Tesha Moon Krieg, die den Zuschauer durch ihre ehrliche Art in ihren Bann zieht.

Dieses bescheuerte Herz
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Jürgen Olczyk

Junge Schauspieler am Set

Sowohl Krieg als auch Schwarz sind noch relativ unerfahrene Schauspieler. Schwarz hat mit der Rolle des David Müllers seine erste Hauptrolle ergattert und feiert damit sein Kinodebüt. Dabei macht er eine echt gute Figur. Zwar wirken die Anfänge des 16-Jährigen zunächst etwas holprig und abgelesen, jedoch kann man gerade zu beobachten, wie Schwarz immer sicherer wird. Krieg wirkt dagegen schon geradezu abgeklärt und überzeugt durch ihr authentisches Auftreten.

Dieses bescheuerte Herz
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Jürgen Olczyk

Elyas M’Barek in seiner Wohlfühlzone

Ein Versager, der sein Leben in den Griff bekommen soll. Das kommt euch auch bekannt vor? Ja, M’Bareks Rolle erinnert einen unweigerlich an seine Rolle des Zeki Müllers in den Fack ju Göhte-Teilen. Kein Wunder, dass er also auch als Lenny Reinhard wieder voll überzeugen kann. Ohne Bart kauft man ihm sogar ein etwas jugendlicheres Alter ab. Optisch haben M’Barek und Preuss, die in Dieses bescheuerte Herz Vater und Sohn verkörpern, zwar nicht viel gemeinsam, jedoch ist M’Barek für Constantin Film sicherlich eine gute Wahl gewesen, um noch mehr Aufmerksamkeit für das Drama zu bekommen. Ich hoffe nur inständig, dass M’Barek nicht zur nächsten deutschen Cash-Cow mutiert wie schon Till Schweiger und Matthias Schweighöfer…

Dieses bescheuerte Herz
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Jürgen Olczyk

Warum so überzogen?

Die Story ist packend, die Schauspieler überzeugen. Warum muss man sich dann an so überzogenen, übertriebenen Klischees bedienen? Ich gebe zu, ich bin nicht die größte Party-Maus der Welt. Aber so exzessiv wie Lenny mit seinen Kumpeln in den Nachtclubs feiert, so passiert es doch wirklich nur im Film (, oder?). Die Vorstellung des Charakters arbeitet typisch deutsche Produktion mit zu überzogenen Motiven, die dem Film etwas die Glaubwürdigkeit nehmen. An dieser Stelle wäre ein bisschen weniger definitiv mehr gewesen.

Dieses bescheuerte Herz
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Jürgen Olczyk

Eine Kinokomödie, die ans Herz geht

Dieses bescheuerte Herz ist alles in allem jedoch eine gefühlvolle, überzeugende Kinokomödie, die ans Herz geht. Der Verfilmung der Geschichte von Lars Amend und dem herzkranken Daniel Meyer, die natürlich einige dramaturgische Änderungen über sich ergehen lassen musste, überzeugt durch seine authentische Darstellung, einen gelungen Mix aus Humor und Ernsthaftigkeit sowie durch eine sehr gute Besetzung. Auch die Gestaltung wie Filmlook, Kostüm, Kamera und Schnitt unterstützen die ehrliche Wirkung der Geschichte. Eine deutsche Kinoproduktion, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Trailer zu “Dieses bescheuerte Herz”

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7 comments

  1. Doricicas_Blog

    Ach ganz ehrlich, ich war mir überhaupt nicht sicher ob ich diesen Film schauen sollte. Aber dank deiner Kritik werde ich ihn mir mal anschauen. Wie sind die Dialoge? Merkt man das es mit Herz geschrieben ist?

    Danke für die ehrliche Kritik! 🙂

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    1. Jil

      Ich finde auf jeden Fall! Sehr emotional insgesamt – auf jeden Fall sehenswert!

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  2. Carrie

    Ich kann mir gut vorstellen, dass der Film sehr berührt. Danke für deine tollekritik
    https://carrieslifestyle.com

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  3. L♥ebe was ist

    wieder eine spannende Filmkritik – v.a. mal ein Film mit echter tiefer Geschichte dahinter 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

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  4. Avaganza

    Liebe Jil,

    das ist ein Film genau nach meinem Geschmack! Danke für deine Rezension. du hat mir jetzt große Lust auf den Film gemacht und ich werde ihn mir nach Weihnachten anschauen.

    Liebe Grüße
    Verena

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    1. Jil

      Viel Freude dabei <3

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  5. Filme der Woche: KW 51 | Jil's Blog

    […] Meine Filmkritik zu Dieses bescheuerte Herz findest Du hier. […]

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