Filmkritik: Fikkefuchs

Filmkritik:
Fikkefuchs

Bösartiger und provokanter denn je meldet sich Regisseur und Drehbuchautor Jan Henrik Stahlberg mit Fikkefuchs auf der großen Leinwand zurück. Eine verworrene Vater-Sohn-Geschichte gespickt mit schonungslosen Männerfantasien.

2.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Rocky (Jan Henrik Stahlberg) konnte sie alle haben. Mit seinem Charme, seinem guten Aussehen und französischen Chansons warfen sich ihm die Frauen nur so an den Hals. Doch diese Zeiten sind längst Vergangenheit. Heute will das junge Gemüse nichts mehr von dem Herren kurz vor 50 wissen. Das wird ihm so richtig aber erst bewusst, als auf einmal sein Sohn Thorben (Franz Rogowskivor der Tür steht. Rocky hat einen Sohn? Niemals! Oder doch? Zumindest möchte Thorben, wie sein alter Herr früher, die Frauen einer nach der nächsten flach legen. Schön und vor allem jung sollen die Frauen sein. Doch so richtig wollen die Tipps von Rocky nicht fruchten. Da müssen andere Maßnahmen ergriffen werden. Ein ganz besonderer Kurs soll die beiden Herren zurück auf Kurs bringen. Ob das etwas bringt?

Fikkefuchs ab 16. November im Kino

Mein Fazit

Nach acht Jahren Pause kehrt Regisseur und Drehbuchautor Jan Henrik Stahlberg (Muxmäuschenstill, Bye Bye Berlusconi) mit Fikkefuchs zurück auf die große Leinwand. Dabei bleibt er sich seinem Stil treu: Mit provokantem Humor demontiert er in Fikkefuchs Männerbilder auf allen Ebenen und das auf höchst skurrile Art und Weise. Sein Werk soll aufrütteln und das tut es definitiv. Fikkefuchs erzählt die Geschichte einer vielschichtigen Vater-Sohn-Beziehung. Sie zeigt zwei Männer, die nie gelernt haben, mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen adäquat umzugehen und sich auf einer Art fehlgeleiteter Identitätssuche befinden.

Thorben und Rocky in Fikkefuchs
© Alamodefilm

Ficken, ficken, ficken

Dabei ist Fikkefuchs, wie der Name und das Filmplakat schon vermuten lassen, alles andere als jugendfrei. Schonungslos über die Stränge schlagend werden Männerfantasien in Wort und Bild dargestellt. Es werden Pornos gezeigt und gedreht, übers “ficken” lauthals im Café gesprochen und wen “Mann” hier direkt gerne jetzt bumsen würde und natürlich auch die Erfolge und gelegentliche Misserfolge lauthals diskutiert. Begleitet werden die Szenen mit passenden Songs, die mit gelegentlichen klassischen Werken kollidieren.

Kunst in Fikkefuchs
© Alamodefilm

Ein Werk voller Gegensätze

Überhaupt ist Fikkefuchs gespickt von Gegensätzen. Alleine Vater und Sohn scheinen auf den ersten Blick – zumindest optisch – sehr verschieden. Während Rocky zumindest möchtegern-intellektuell daherkommt, steht ihm mit You-Tuber “Swordfish”, wie sich Thorben im Internet nennt, ein ungezügelter Partymacher entgegen. Wie ähnlich sich die beiden sind, wird aber spätestens nach einer ausgiebigen Partynacht klar. Auch bildlich geht es heiß her. Hier werden billig Pornosequenzen fröhlich mit Selfie-Aufnahmen und qualitativ hochwerter Bildgestaltung gemischt.

Ein kleiner Twist

Die Geschichte erfährt übrigens einen unerwarteten Twist, als Thorben (Franz Rogowski) sich als Erpresser versucht. Man möchte meinen, dass die Vater-Sohn-Geschichte bereits genug Stoff bietet, jedoch sorgt dieser Zusatz für Spannung, die dem Erzählfluss angenehm gut tut und auch den Anstoß gibt, um eine weitere Seite der Männer zu zeigen. Zudem wird dem ganzen etwas mehr Tiefe verliehen.

Thorben und Rocky in Fikkefuchs
© Alamodefilm

Böse & provokant

Fikkefuchs ist durch und durch böse. Der düstere und provokante Humor wird durch diverse Elemente schonungsloser Situationsdarstellungen unterstrichen, der nicht immer leicht zu verkraften ist. Dabei sind die Pornoeinblendungen vermutlich noch das geringste übel. Das Comedy-Drama von Stahlberg zeigt aber nicht nur ein verstörtes Männerbild, sondern regt auch zum Nachdenken und Diskutieren über dieses an. Zumindest, wenn man diesem Thema aufgeschlossen ist. Fikkefuchs kratzt jedoch stark an der Grenze des guten Geschmacks, weshalb er nicht bei jedem Publikum gut ankommen wird. Für mich war das durch Crowdfunding finanzierte Werk ehrlich gesagt auch etwas “too much”. Dennoch könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Fikkefuchs die Chance hat sogar Kultstatus zu erreichen. Ich bin sehr gespannt, wie der Film beim Publikum ankommen wird.

Trailer zu “Fikkefuchs”

One comment

  1. Filme der Woche: KW 46 | Jil's Blog

    […] KW 46 hat allerlei tolle Filme für uns in petto. Die zwei Filme Fikkefuchs und The Big Sick habe ich euch ja bereits vorgestellt. Am Mittwoch folgt noch Happy […]

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