Filmkritik: Coco - Lebendiger als das Leben!

Filmkritik: Coco – Lebendiger als das Leben!

Coco – Lebendiger als das Leben! erzählt die Geschichte von Miguel und einem verborgenen Familiengeheimnis, das nur durch eine Reise ins Reich der Toten aufgedeckt werden soll. Disney und Pixar entführen uns zu Weihnachten nach Mexiko und lassen uns am “Día de los Muertos“ teilhaben.

4.5 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Im Hause Rivera steht eine Regel über allem: Musik ist in dieser Familie verboten! Schuld daran ist Miguels Ururgroßvater, der seine Ururgroßmutter und seine Urgroßmutter Coco zu Gunsten der Musik im Stich gelassen hat. Davon hat sich Ururgroßmutter Imelda zwar nicht unterbringen lassen, jedoch wird fortan jede noch so kleine Note im Keim erstickt. Diese Einschränkungen werden seit Generationen in der Familie weiter getragen. Und so lebt die Schuhmacherfamilie zufrieden ihr unmusikalisches Leben in Santa Cecilia. Nur Miguel ist es leid. Er spürt es tief in sich: Er ist ein Musiker! Genauso wie sein großes Vorbild Ernesto de la Cruz, der größten Sänger aller Zeiten.

Am “Día de los Muertos“ überschlagen sich dann die Ereignisse. Miguel will sein musikalisches Talent nicht weiter verbergen und ist dabei einem lang gehüteten Familiengeheimnis auf der Spur. Seine Familie reagiert jedoch mit resoluter Ablehnung und so muss sich Miguel etwas neues ausdenken, um seinen großen Traum zu erfüllen. Doch etwas geht schief und plötzlich landet er zusammen mit dem Streuner Dante im Reich der Toten! Dort trifft er auf seine Ur-Ahnen, die auch direkt gewillt sind, ihm zu helfen – unter einer Bedingung: Nie wieder Musik! Der 12-jährige kann dies nicht akzeptieren und sucht nach einer anderen Lösung. Dabei stößt er auf den verzweifelten Hector, der nichts sehnlicher möchte, als noch einmal in das Land der Lebenden zu reisen. Wird es den beiden gelingen Miguels Ururgroßvater ausfindig zu machen?

Coco - Lebendiger als das Leben ab 30. November im Kino
©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Mein Fazit

Ein zauberhaftes Abenteuer von Disney und Pixar! Der neue “Weihnachts-Disney” steht seinem Vorgänger Vaiana – Das Paradies hat einen Haken in nichts nach. Mit seinen zauberhaften Figuren, die genauso liebevoll designt wie charakterlich entworfen wurden, sowie einer herzergreifenden Geschichten mit spannenden Wendungen, gewinnt Coco – Lebendiger als das Leben! die Herzen der Zuschauer.

Coco - Lebendiger als das Leben
©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Ein langsamer Start

Zugegeben, Coco – Lebendiger als das Leben! braucht etwas, um in die Gänge zu kommen. Im ersten Drittel der 109 Minuten Spielzeit ist es etwas unklar, wo genau die Reise eigentlich hin gehen soll. Daraufhin zieht sich der Animationsfilm für einen kurzen Augenblick, gibt dann aber richtig Gas!

Coco - Lebendiger als das Leben
©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

“Día de los Muertos”

Das Schöne an Vaiana – Das Paradies hat einen Haken gleichwohl wie an Coco – Lebendiger als das Leben! ist, dass der Zuschauer noch etwas über eine – zumindest für uns in Deutschland – fremde Kultur lernt. Im Herzen der Geschichte steht nämlich das mexikanische Fest “Día de los Muertos”, der Tag der Toten. An diesem Abend gedenken die Mexikanern ihrer verstorbenen Angehörigen. Dazu errichten sie eine Art Altar mit Familienfotos, Leibspeisen und Erinnerungsstücken, eine so genannte Ofrenda. Dank eines Pfades aus Ringelblumenblättern von der Grabstätte zu der Ofrenda, sollen die Toten den Weg zu ihrer Familie finden, um dort gemeinsam mit ihnen zu feiern.

Coco - Lebendiger als das Leben
©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Der “Día de los Muertos” wird jedes Jahr, wie auch das amerikanische Halloween, am 31. Oktober gefeiert. Das farbenprächtige Volksfest steht im Zentrum von Coco – Lebendiger als das Leben! Doch in dieser Geschichte gehen an diesem Abend jedoch zweierlei Dinge schief: Zum einen entfernt Miguel das Foto seiner Ururgroßmutter von der Ofrenda, weshalb diese die Brücke aus dem Totenreich nicht überqueren darf, und zum Anderen gerät der 12-jährige Junge durch eine unbedachte Handlung ins Reich der Toten.

Gegen die Familie

Dies führt dazu, dass Miguel ins Reich der Toten gerät und nur durch den Segen seiner verstorbenen Familienmitglieder wieder zurück ins Reich der Lebenden darf. Seine Ururgroßmutter gibt ihn diesen jedoch nur, wenn er die Musik endgültig aufgibt. So wie es in ihrer Familie seit Generationen Tradition ist. Miguel will dies jedoch nicht einsehen und sucht daraufhin nach seinem Großvater. Der Musiker, der Auslöser für die Verbannung der Musik in der Familie Rivera ist, wird ihm sicherlich seinen Segen geben, ohne dass er die Musik aufgeben muss. Auf seiner Reise lernt Miguel den ehemaligen Musiker Hector kennen, der ihn bei seiner Suche unterstützt. Mit der Voraussetzung, dass Miguel anschließend sein Foto aufstellt, damit auch er zurückkehren kann. Miguel stellt seine eigene Interessen höher, als die seiner Familie und seine Familie stellt sich gegen ihn. Doch Disney wäre nicht Disney, wenn diese Umstände nicht in einer sehr lehrreichen Lektion enden würde. Was genau passiert, verrate ich euch aber natürlich an dieser Stelle nicht.

Coco - Lebendiger als das Leben
©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Es ist nicht immer alles so, wie es scheint

Jedoch sei gesagt, dass Coco – Lebendiger als das Leben! die ein oder andere spannende Wendung mit sich bringt, die man so vielleicht nicht direkt erwartet hätte. Bis kurz vor Ende blieb zumindest mir schleierhaft, warum der Pixar-Animationsfilm den Namen von Miguels Urgroßmutter Coco im Titel trägt. Hach, mir liefen die Tränen die Wangen herunter, ohne dass ich sie hätte aufhalten können.

Coco - Lebendiger als das Leben
©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Die Songs

Die Geschichte wird durch die Musik getragen. Sie gibt den Rhythmus des Films vor. Dabei ist der Titelsong “Remember Me” beziehungsweise “Denk stets an mich” in meinen Augen jedoch definitiv der schwächste Song. Und das, obwohl er von dem Erfolgsduo Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez komponiert wurden, die für “Let it Go” von Die Eiskönigin – Völlig unverfroren mit einem Oscar® ausgezeichnet wurden. Der Titel soll an Bolero-Ranchero-Stil der 1920er und 1930er Jahre erinnern. Da gefällt mir der Titel “Poco Loco” im mexikanischen Son Jaorcho-Stil von Germaine Franco deutlich besser. Produzentin Darla K. Anderson erklärt: “Mit Coco wollen wir allen möglichen Stilen mexikanischer Musik Tribut zollen.” Und das ist ihnen definitiv gelungen. Coco – Lebendiger als das Leben! glänzt durch eine gelungene Kombination aus traditioneller mexikanischer Musik und neuen Klängen.

Coco - Lebendiger als das Leben
©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Authentische Welten

Die Liebe steckt im Detail. Coco – Lebendiger als das Leben! überzeugt erneut durch ein sehr liebevolles Charakterdesign und die Gestaltung gleich zwei sehr glaubwürdiger Welten. Jede einzelne Figur hat ihren ganz eigensinnigen Charakter und seinen ganz eigenen Charm verliehen bekommen. Dazu haben sich die Filmemacher von Coco – Lebendiger als das Leben! intensiv mit der Kultur, den Menschen und den Traditionen von Mexiko auseinandergesetzt. Dazu standen ihnen nicht nur ein Stab an Beratern und Experten zur Seite, sondern auch diverse Recherche-Reisen. Im Verlauf von drei Jahren bereisten Regisseur Lee Unkrich und sein Team Museen, Märkte, Plätze, Werkstätten, Kirchen, Haciendas und Friedhöfe in Mexiko-Stadt, Oaxaca und Guanajuato. Außerdem sehen sie sich ein Theaterstück in Xochimilco an und lernten in Tlacolula, El Tule, San Marcos Tlapazola und Abasolo Familien kennen, die sie an ihrem Leben teilhaben ließen. Die Familien vermittelten den Filmemachern, wie wichtig die Familie sei und so sollte Coco – Lebendiger als das Leben! zeigen, wie sich die Generationen miteinander verbinden.

Coco - Lebendiger als das Leben
©2017 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Dies wurde durch die zwei parallel existierenden Welten in Coco – Lebendiger als das Leben!  realisiert. Die Produktdesignerin Harley Jessup wurde durch die Recherche-Reisen stark inspiriert und meint: “Mexiko ist ein Traum für Designer”. Die zwei Welten sollten schließlich, laut Co-Regisseur Adrian Molina einen starken Kontrast zueinander bilden. Beide Welten sind dabei jedoch durch Farbe, Musik und Freude gefüllt, sodass sie sich wunderbar ergänzen. Durch diese Kombination und den aufopferungsvollen, liebevollen Charaktere fällt es einem sehr schwer, sich nicht in das gesamte Setting von Coco – Lebendiger als das Leben! zu verlieben.

Wann habt ihr zuletzt an eure verstorbenen Verwandten gedacht?

Coco – Lebendiger als das Leben! ist nicht nur ein sehr unterhaltsamer und bewegender Animationsfilm, er regt auch zum Nachdenken an. Coco – Lebendiger als das Leben! erinnert uns daran, wie wichtig die eigene Familie und vor allem Familienzusammenhalt ist. Ich fürchte, dass heutzutage die Geschichten, die eine Familie geprägt haben, nur noch viel zu selten weiter getragen werden, was wirklich schade ist. Also, die Familie einpacken und alle zusammen Coco – Lebendiger als das Leben! im Kino anschauen!

Trailer zu “Coco – Lebendiger als das Leben!”

2 comments

  1. Filme der Woche: KW 48 | Jil's Blog

    […] Meine Filmkritik zu Coco – Lebendiger als das Leben! findest Du hier. […]

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  2. Gewinnspiel: Die Eiskönigin - Olaf taut auf | Jil's Blog

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