Filmkritik: Begabt - Die Gleichung eines Lebens

Filmkritik:
Begabt – Die Gleichung eines Lebens

Begabt – Die Gleichung eines Lebens erzählt die Geschichte von der hochbegabten Mary, ihrem liebevollen Onkel und ihrer ehrgeizigen Großmutter, die alle nur das Beste für das kleine Mädchen wollen. Doch was ist das Beste für Mary? Eine normale Kindheit oder ein Leben für die Mathematik?

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Die Handlung

Der alleinstehende Frank Adler (Chris Evans) lebt zusammen mit seiner lebhaften, kleinen Nichte Mary (Mckenna Grace) in einem Vorort von Tampa im Staat Florida. Marys beste Freundin ist ihre Nachbarin Roberta Taylor (Octavia Spencer). Diese ist aber nicht etwa in Marys Alter, sondern eine erwachsene Frau. Frank macht sich Sorgen um seine Nichte, da sie nie mit anderen Kindern spielt und besteht deshalb darauf, dass sie fortan in die Grundschule geht. Die hochbegabte Mary ist jedoch chronisch unterfordert und reagiert mit Ablehnung und Aggressionen auf diese neue Situation.

Die Schulleitung pocht daher darauf, die Siebenjährige auf eine Schule für Hochbegabte zu schicken. Frank fürchtet jedoch, dass Mary dadurch ihrer Kindheit beraubt wird und sperrt sich gegen diese Idee. Schließlich mischt sich Franks Mutter Evelyn (Lindsay Duncan) ein, die plötzliches Interesse an ihrer Enkelin zeigt. Die kleine glückliche Familie droht, durch den entbrennenden Streit um das Sorgerecht auseinandergerissen zu werden.

Begabt - Die Gleichung eines Lebens ab 23. November auf DVD & Blu-ray
© 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

Mein Fazit

Begabt – Die Gleichung eines Lebens zeigt eine ergreifende Vater-Tochter-Geschichte. Denn, obgleich Frank nur der Onkel von Mary ist, hat er die Vaterfigur für das kleine Mädchen vom Tag ihrer Geburt an eingenommen. Nach dem Tod ihrer Mutter ist er ihre einzige Bezugsperson. Ihr leiblicher Vater hatte sich bereits Monate vor ihrer Geburt von Marys Mutter getrennt, der Großvater ist bereits verstorben und für ihre Großmutter war Mary nur eine Ablenkung für ihre talentierte Tochter Diane. Als Mary jedoch das gleiche mathematische Talent wie ihre Mutter zeigt, wird auf einmal das Interesse der Großmutter an ihrer Enkelin geweckt.

Begabt - Die Gleichung eines Lebens
© 2017 Twentieth Century Fox

Was ist das Beste?

Jede Figur um die Siebenjährige herum, möchte nur das Beste für das Mädchen. Was ist aber nun das Beste für sie? Frank setzt sich dafür ein, dass Mary eine normale Kindheit hat und sperrt sich daher davor, das Mädchen frühzeitig zu intensiv zu fördern. Evelyn hingegen möchte, dass Mary so früh wie möglich in die Fußstapfen ihrer Mutter tritt und ihre Arbeit an einem sogenannten Millennium-Problem fortsetzt. Dabei handelt es sich um ein ungelöstes Problem der Mathematik, an dem Diane ihre Lebzeit über gearbeitet hat. Es beginnt also ein Ziehen und Zerren, bei dem die Interessen des Kindes in den Hintergrund gedrängt werden. Insgesamt geht Regisseur Marc Webb viel zu wenig auf die persönlichen Interessen von Mary ein. Diese werden nur oberflächlich berührt und nicht indifferent betrachtet, bedenkt man zum Beispiel, wie glücklich Mary beim Lösen mathematischer Gleichungen und wie unglücklich sie in der normalen Schule ist. Stattdessen wird in Begabt – Die Gleichung eines Lebens mit sehr starken Gegensätzen und Klischees gearbeitet, die besser ausgearbeitet hätten werden können.

Begabt - Die Gleichung eines Lebens
© 2017 Twentieth Century Fox

Die Charaktere

Insgesamt kommt mir daher der Charakter Mary, gespielt von der inzwischen elfjährigen Mckenna Grace, ein wenig zu kurz – obwohl sie doch die zentrale Figur der Geschichte ist. Mary wird als ein freches, besserwisserisches und teilweise wirklich unverschämtes Mädchen porträtiert. Die liebenswerte Seite des Mädchens kommt dabei viel zu kurz. Nichtsdestotrotz gelingt es sowohl Chris Evans, der ihren Onkel Frank spielt, als auch Octavia Spencer als Nachbarin Roberta die Liebe für dieses kleine Mädchen mit jeder Faser über die Leinwand zu transportieren. Evans und Spencer leisten hervorragende Arbeit, die dem Film Authentizität und Glaubwürdigkeit verleihen. Abgerundet wird dies durch die Performance von Lindsay Duncan, die mit einer stolzen Arroganz und einem gewissen Maß an Zerbrechlichkeit auf voller Linie als kaltherzige Großmutter überzeugt.

Begabt - Die Gleichung eines Lebens
© 2017 Twentieth Century Fox

Herzerwärmend aber nicht -ergreifend

Begabt – Die Gleichung eines Lebens ist ein herzerwärmendes Drama mit einer interessanten Thematik. Der letzte Funke, der den Zuschauer vollständig in die Geschichte eintauchen lässt, fehlt jedoch. Auch ist der Storyverlauf leider sehr voraussehbar und kann nur selten ein wenig überraschen. Erfrischend ist die Nebenhandlung rund um Marys Lehrerin Bonnie Stevenson (Jenny Slate), die ein wenig Dynamik in die Handlung bringt.

Begabt - Die Gleichung eines Lebens
© 2017 Twentieth Century Fox

Sofa-Film

Unter dem Strich bleibt ein interessantes Drama mit einer tollen Besetzung, das sich wunderbar für einen Abend auf dem Sofa eignet. Sorgerechtsstreitigkeiten sind für alle Betroffenen stets unangenehm und aufwühlend. Diese Thematik auf diese Art und Weise zu behandeln ist durchaus spannend und trotz einiger Schwächen gut gelungen. Ich wünsche euch viel Freude beim Gucken!

Trailer zu “Begabt – Die Gleichung eines Lebens”

6 comments

  1. Anni

    Danke für diese Review. Der Film stand nämlich lange auf meiner Watchlist, seit ich den Trailer gesehen habe.
    Ich hatte echt die Hoffnung dass es ein tiefgreifendes Drama wird, aber so wie du das schilderst habe ich es eigentlich erwartet. Naja dann kommt er eben mal auf DVD ins Haus 🙂

    Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

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    1. Jil

      Ja, ich habe mir leider auch mehr erhofft. Er ist wirklich nicht schlecht und ich habe ihn gerne geschaut. Aber so richtig umhauen konnte er mich leider nicht :/

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  2. Who is Mocca?

    Danke für deine Review. Vom Film selbst habe ich noch nichts gehört, wird wohl auch nicht auf meine To-Watch Liste kommen, wenn ich deine kritischen Worte lese. Mit mehr Tiefgang hätte der Film wohl auch mich überzeugt!

    Alles Liebe,
    Verena
    whoismocca.com

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    1. Jil

      Ja, kann ich verstehen. Wenn Du einen anderen Filmtipp brauchst, sag mir gerne wonach Du suchst und ich suche Dir was passendes raus 🙂

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  3. Marie

    Sofa-Film finde ich eine tolle Beschreibung – das Geld fürs Kino lohnt sich nicht, aber zu Hause kann man ihn gut schauen. 🙂
    Liebst,
    Marie

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