Reisebericht: 5. Tag Island - Wundervoller Mývatn

Reisebericht: 5. Tag Island – Wundervoller Mývatn

Ein neuer wundervoller Tag in Island erwartet uns – am Mývatn, ein 37 Quadratkilometer großer See in Nordisland. Mývatn wird übrigens als “Mückensee” übersetzt. Jeder, der also von dem Gerücht gehört hat, dass es weder Spinnen, noch Mücken in Island gibt, den möchte ich hiermit eines besseren belehren. Es gibt im Sommer hier gleich zwei Perioden á zwei Wochen, in denen die Zuckmücken – die stechen immerhin nicht – am Ufer des Sees regelrecht schwarze Säulen bilden. Zum Glück sehen wir nur noch vereinzelnd Mücken, wobei mich später eine Kriebelmücke natürlich auch noch stechen soll. Da wir am Vortag in vollkommener Dunkelheit angekommen sind, haben wir beim Aufwachen jedoch zunächst keinen blassen Schimmer, wo wir so ganz genau sind und was uns für eine Aussicht aus unserem Fenster erwartet soll. Werden wir von unserer Unterkunft vielleicht sogar direkt auf dem Mývatn blicken können!? Der Blick aus dem Fenster verrät, leider nein. Dafür blicken wir auf eine schöne Lavalandschaft und nur ein paar Meter weiter auf einer kleinen Erhebung, können wir den See dann doch erspähen. Also schnell zum Frühstück (mit Pancakes!) und weiter geht es auf Erkundungstour.

Es riecht nach Pups

Bevor wir uns der Gegend um den Mývatn annehmen, geht es jedoch die 1 wieder ein Stück zurück in den Osten und dann Richtung Norden zum Dettifoss – einen der größten Wasserfälle Europas. Vorher halten wir aber noch an den Schwefelquellen, die wir in der Dunkelheit des Vortages nur erahnen konnten. Das Hochtemperaturgebiet Hverarönd liegt auf der Ostseite des Berges Námafjall beim Pass Námaskarð und gilt als eins der bekanntesten Islands. Neben den so genannten Solfataren, gibt es hier auch zahlreiche langsam oder heftig kochende Schlammtümpel bzw. Schlammtöpfe und Fumarolen verschiedenster Art.

Und eins haben sie alle gemeinsam: Sie stinken! Und wie… Den ersten Geruchsschock hatten wir bereits gestern Abend, als wir das Wasser in unserem Bad aufgedreht haben. Denn natürlich ist auch das Leitungswasser mit Schwefel versetzt. Trotz des Geruchs ist es aber natürlich nicht schädlich. Ganz kühl schmeckt es auch völlig normal. Außerdem fühlt sich unsere Haut so wunderbar weich an und unser Haar glänzt. Wenn nur der Gestank nicht wäre… Aber hey, Nase zu und das Schauspiel genießen und natürlich Fotos schießen ;-).

Jil im Hochtemperaturgebiet Hverarönd

Selfoss & Dettifoss

Jetzt aber wieder auf Zielkurs zum Dettifoss. Als wir unser Ziel ins Navi eingeben, herrscht erneut große Verwirrung: Unser Navigationssystem sagt, dass wir 2,5 h brauchen, Google spricht von 1,25 h. Letztlich sollten beide falsch liegen, da die Zugangsstraße 864 einfach mal gesperrt ist. Zum Glück hatten wir aber bereits die alternative Route über die 862 erspäht, die sich sogar als die bessere herausstellen sollte, da hier der Weg komplett asphaltiert ist. Warum dann nicht gleich so? Der Parkplatz ist wieder kostenfrei nutzbar und so stellen wir unser Auto ab, schnappen uns das nötigste – Kamera, Stativ und Taschentücher – und machen uns auf den Weg. Die Schilder verraten uns, dass es nur noch 400 Meter bis zum Dettifoss sind. Der vorgelagerte Selfoss ist 700 Meter entfernt, also gehen wir erst zu diesem.

Klippen am Jökulsá á Fjöllum

Absperrungen? Nö, warum?

Der Weg zum Selfoss soll sich als sehr abenteuerlich herausstellen. Denn ohne Absperrungen, kommt man extrem nah an die Abfallstelle heran. Dafür muss man aber auch etwas Mut beweisen. Schließlich muss man einige Ausläufer des Wasserfalls überwinden bzw. sogar überspringen. Das Vermögen sein Gleichgewicht zu bewahren ist hier eine Grundvoraussetzung. Der Blick entschuldigt dann aber jedes Bangen und Zweifeln. Der Selfoss stürzt sich hier geradezu besinnlich zehn Meter in die Tiefe. Dennoch würde mich interessieren, ob oder vielleicht eher wie viele Menschen hier bereits verunglückt sind… Aber wieder zu schöneren Dingen, seht einfach selbst!

Eine Leistung von 85 Megawatt

Der Weg zum Dettifoss ist nach diesem Abenteuer schon fast langweilig. Und man kommt auch längst nicht ganz so nah an den Wasserfall heran, wie beim Selfoss. Das ist vielleicht auch besser so. Durchschnittlich setzen die Wassermassen am Dettifoss schließlich eine Leistung von etwa 85 Megawatt um. Während die bisherigen Wasserfälle also eher verzaubernd und schön sind, ist der Dettifoss mit seiner Breite von etwa 100 Metern und seiner Höhe von 45 Metern geradezu furchteinflößend. Das Wasser stürzt zudem in die 100 Meter tiefe Schlucht Jökulsárgljúfur, wodurch uns ordentlich Spritzwasser entgegen peitscht. Den besten Blick hat man übrigens von der befestigten und abgesicherten Plattform oben linker Hand. Der Aufstieg ist auch relativ unbeschwerlich und nicht allzu lang. Es lohnt sich also!

Einkaufen & dann gehts weiter

Zwei Kilometer weiter flussabwärts hätten wir uns noch den Hafragilsfoss angucken können. Da wir aber noch sehr viel auf unserer heutigen To-Visit-Liste haben, verzichten wir auf den dritten Wasserfall im Bunde und fahren zurück nach Reykjahlíð. Im Supermarkt besorgen wir uns Pizzen für das Abendessen, die mit jeweils 695 ISK (ca. 5,60 Euro) zwar fast das dreifache wie in anderen Läden kosten, aber immer noch deutlich günstiger sind, als wenn wir essen gehen würden. Kurz ins Hotel gebracht, gilt es jetzt die Umgebung des Mývatn zu erkunden.

Höfði – Ein magischer Ort

Ich setze mich glücklichweise durch, sodass wir als erste nach Höfði fahren – eine wunderschöne Halbinsel mit einem Naturpark direkt am See. Traumhaft! Auf einmal befinden wir uns mitten in einem kleinen Wäldchen. Hier kann man förmlich die Gegenwart von Feen und Trollen spüren. Der Blick auf den Mývatn ist dann einfach nur noch atemberaubend. Wir hätten hier vermutlich noch ewig bleiben können, wenn wir nicht noch mehr auf dem Zettel gehabt hätten.

Das Lavafeld Dimmuborgir

Weiter geht es nämlich zu Dimmuborgir, was so viel bedeutet wir “dunkle Städte” oder “dunkle Burgen”. Diesem Lavafeld wird in der isländischen Mythologie nach gesagt, dass es direkt mit Satan und der Hölle verbunden sein soll. Gleichzeitig sollen hier mörderische Trolle wohnen, die wiederum die Nikolausfunktion zu Weihnachten übernehmen. Irgendwie etwas unsinnig… Was aber auf jeden Fall Sinn gemacht hat – hier einige Szenen für Game of Thrones zu drehen. So hat Mance Rayders Armee in der dritten Staffel hier ihre Zelte aufgeschlagen, auch wenn man die Kulisse in der Szene nur noch spärlich erkennt. (Achtung: Spoiler für alle, die die dritte Staffel noch nicht gesehen haben.)

Wo ist die Magie?

Zurück in der Realität wird das Lava-Feld durch verschiedene Wanderwege mit unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit durchzogen. Wir entscheiden uns nur für eine kurze Runde, denn leider will die Magie Westeros hier nicht so ganz überspringen. Sehr schade. Vielleicht liegt es daran, dass wir nur einem befestigten Weg folgen können oder weil zu diesem Zeitpunkt für uns momentan ungewohnt viele Touristen unterwegs sind. Oder liegt es doch wieder einmal an der Drohne, die lauthals über unseren Köpfen schwirrt? Diese sind hier nämlich allgegenwärtig. Die vielen chinesischen Touristen, die in Island Urlaub machen, haben davon hunderte ins Land gebracht und lassen sie bei jeder Gelegenheit fliegen. Drohnen machen ja auch tolle Aufnahmen und wir hätten hin und wieder gerne mal eine über die Wasserfälle und Co. fliegen lassen, aber bei der Ruhe dieses Landes ist dieses permanente Surren auf Dauer sehr nervtötend und einfach störend… Durchatmen, sich davon nicht weiter stören lassen und weiter machen.

Die Felsspalte Grjótagjá

Wir lassen den Tuffring Hverfjall, einen Vulkankrater, der sich vor etwa 2.500 Jahren bildete, links liegen, da wir gesammelt gerade keine Lust auf den 452 Meter hohen Aufstieg haben und fahren direkt weiter zu der Felsspalte Grjótagjá. Dazu fahren wir in eine kleine Straße, die durch ein Tor zugesperrt ist. Einfach auf und wieder zu machen, so haut kein Schaf ab. Hat wohl jemand vergessen, wenn ich an das Schaf denke, dass nur zehn Meter zuvor an der Straße graste… An der Felsspalte angekommen bin ich schon etwas aufgeregt. Denn hinter der Grjótagjá versteckt sich nicht nur eine Felsspalte, sondern auch eine kleine Grotte mit einem kleinen See. Das Wasser liegt inzwischen bei einer angenehm heißen Temperatur von 44,6 Grad. Früher wurde die Höhle als Badehöhle genutzt. Inzwischen ist das Baden hier jedoch verboten. Nur Jon Snow mit Ygritte wurde für die dritte Staffel und eine ganz besondere Szene eine Ausnahme gemacht. Auch hier erkennt man in der tatsächlich Szenen nicht mehr allzu viel vom Original- aber sie waren definitiv hier! (Erneut: Spoilergefahr!)

Aufgrund dieser Szene, habe ich mir die Badehöhle deutlich größer vorgestellt. Und obwohl sie nicht ganz meine Erwartungen getroffen hat, ist dieser Ort dennoch gerade zu magisch und gleichzeitig etwas furchteinflößend. Nichtsdestotrotz setze ich meinen Vorsatz in die Tat um und lese hier unten zumindest ein paar Zeilen aus Game of Thrones. Ich bin allerdings im Buch erst beim zweiten Teil A Clash of Kings angelangt, weshalb ich besagte Szene hier nicht nachlesen kann.

Zwischen zwei Kontinenten

Wieder an der frischen Luft sehen wir, den riesigen Riss, der auch die Grotte zu verantworten hat. An dieser Stelle treffen nämlich die nordamerikanische und die eurasische Platte aufeinander. Es handelt sich also um Verwerfungen der beiden Kontinentalplatten – wow! Und plötzlich stehe ich zwischen Amerika und Europa… Verrückt. In Island gibt es mehrere Stellen, wo die geologischen Verwerfungszonen sichtbar sind. Eine weitere befindet sich im Nationalpark Þingvellir den wir am Ende unserer Reise besuchen werden.

Entspannung in Mývatn Nature Baths

Als letzter Punkt des Tages gönnen wir uns etwas Entspannung in der kleinen blauen Lagune, oder auch Jardbodin vid Mývatn oder Mývatn Nature Baths genannt. Für 2.400 ISK (ca. 19,50 Euro) können Karo und ich als Studenten ins Naturbad. Kim und Anne zahlen 3.800 ISK (ca. 31,00 Euro). Dafür erwarten uns zwei große heiße Becken, eine kleine – wie Karo es nennt – Viehtränke und zwei Dampfsaunen. Wir halten uns allerdings auschließlich in den zwei großen Becken auf und genießen einfach nur die Wärme und die wundervolle Aussicht auf den Mývatn. Nach knappen zwei Stunden haben wir dann aber auch schon genug von dem schwefelhaltigen Wasser. Außerdem ist die Sonne bereits untergegangen und wir haben Hunger. Zeit für Pizza!

Keine Nordlichter, oder doch?

Mit knurrenden Mägen setzen wir uns wieder in die Gemeinschaftsküche und sind schockiert, als die Pizza 20 – 22 Minuten brauchen sollen und auch brauchen werden. Dafür gibt es dazu noch ein kühles Bier und einen Keks zum Nachtisch. Danach begeben wir uns auch schon in unseren Kojen und halten Ausschau nach Nordlichtern. Kim und Anne schnappen sich noch schnell das Auto, um eine Langzeitaufnahme des Mývatn bei Nacht zu machen. Als sie zurück sind, schicken sie uns ein gruseliges Foto. Da hat sich doch heimlich ein Pferd vor die Linse geschummelt, das die beiden natürlich erst auf dem Foto gesehen haben… Mit dem Bild im Kopf: Gute Nacht!

Der Mývatn bei Nacht
Der Mývatn bei Nacht.

Als Karo und ich bereits seelenruhig schlafen, klopft es auf einmal an der Tür: „Nordlichter!“ Ich schmeiße mir also schnell etwas rüber und eile raus. Karo, die seit Tagen etwas angeschlagen ist, beschließt lieber weiter zu schlafen. Leider sind die Nordlichter bereits etwas verblasst, als ich endlich vor die Tür humpel. Dennoch können wir das Farbenspiel ein wenig genießen. Nach einer Viertstunde haben sie sich dann aber leider endgültig verflüchtigt und es geht zurück ins Bett. Morgen fahren wir für zwei Tage und Nächte weiter nach Olafsfjördur. Hier haben wir unser eigenes Cottage mit Hot Tub gemietet und wollen auch einfach mal ein wenig entspannen. Ich freue mich!

Die abgebildeten Fotos sind von Kim Löffka Fotografie.

3 comments

  1. Reisebericht: 6. Tag Island - Der Goðafoss & Akureyri | Jil's Blog

    […] nicht sehr hoch, dafür fasziniert er durch seine Breite und seine Hufeisenform. Im Gegensatz zum Dettifoss, den wir am Vortag besichtigt haben, wirkt der Goðafoss geradezu harmlos. Daher können wir sowohl […]

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  2. Reisebericht: 9. Tag Island - Der Golden Circle | Jil's Blog

    […] ich euch bereits in meinem Bericht zu unserem Aufenthalt am Mývatn verraten habe, kann man auch im Þingvellir eine Spalte sehen, die durch das Auseinanderdriften […]

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  3. Reisebericht: 11. Tag Island - Die Blaue Lagune | Jil's Blog

    […] So haben wir auf unserer Reise hier und da immer mal unverriegelte Kofferräume gesehen und im Mývatn Nature Baths auch selbst eine Handtasche mit dem kompletten Lebensinhalt an der Information […]

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