Reisebericht: 4. Tag Island – Faszination Jökulsárlón

“Tschüß Regen, hallo Sonne!” Island ist uns heute wieder wohl gesonnen – danke dafür. Aber warum musste es gestern nur so furchtbar sein? Na ja, wir wollen ja nicht meckern, war ja schließlich auch eine Erfahrung wert! Und die Hoffnung besteht ja, dass wir damit bereits das ganze schlechte Wetter hinter uns haben ;-). An unserem vierten Tag steht vor allem eins an: Auto fahren. Es gilt heute eine Strecke von 458 Kilometern zurückzulegen – von Hof nach Reykjahlíð am See Mývatn. Auf unserem Weg haben wir nicht sonderlich viel geplant. Aber Island wäre ja nicht Island, wenn uns auf der Fahrt nicht noch die ein oder Überraschung auf der Strecke begegnen wird.

Speicher auftanken & los geht’s!

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Haupthaus unseres Hotels mit Ei, von dem fast alle etwas abbekommen und Kaffee aus dem Vollautomaten, der wieder einmal sehr gut schmeckt, starten wir frohen Mutes in Richtung des Gletschersees Jökulsárlón. Für die Übernachtung in dem Vier-Bettzimmer mit Gemeinschaftsbad, das deutlich weniger luxuriös war wie am Tag zuvor, haben wir übrigens stolze 285,00 Euro bezahlt. Die Alternative wäre jedoch gewesen, in der Dunkelheit noch deutlich weiter zu fahren. Und selbst dann, wären wir vermutlich nicht wesentlich günstiger bei weg gekommen.

Der Vatnajökull in der Ferne

Jökulsárlón – Ein Gletschersee mit Suchtpotenzial

Nach etwa 20 Minuten wieder auf der Ringstraße 1, entdecken wir die ersten Autos und Menschen, die einen kleinen Hügel hoch kraxeln – ein riesiger Eisberg im Hintergrund. Also rangefahren und hinterher. Wow, einfach nur wow! Wir sehen hier den ersten Ausläufer von dem Gletschersee Jökulsárlón, der am Südrand des Vatnajökull liegt. Der Vatnajökull ist der größte Gletscher Islands und damit der größte Gletscher Europas. Unter ihm schlummern zahlreiche Vulkanzentren.

Der erste Ausläufer des Jökulsárlón
Der erste Ausläufer des Jökulsárlón.

Ein kleines Fotoshooting gefällig?

An dieser Stelle des Jökulsárlón scheinen sich die Eisschollen vom Gletscher zu lösen. Wir sind einfach nur sprachlos und genießen den Blick mit vollen Zügen. Nach einigen Minuten des Staunens, zaubern wir dann doch noch die Kameras hervor und schießen ein Foto nach dem anderen. Aber wir sind nicht die einzigen und bei weitem nicht die kreativsten vor Ort. Ein chinesisches Brautpaar lässt vor dieser Kulisse ihre Hochzeitsfotos schießen. Ich will auch! Also, wer auch immer mein zukünftiger Ehemann sein wird, Du kannst direkt die Flüge buchen!

Der Jökulsá á Breiðamerkursandi

Nach vielen weiteren Minuten des Genießens fahren wir noch ein Stück weiter und kommen zum “dem” Hotspot für den Jökulsárlón. Hier tummeln sich die Massen und wir wissen direkt auch warum. Denn an dieser Stelle fließt der Gletschersee über den kurzen Fluss Jökulsá á Breiðamerkursandi, wobei Jökulsá für Gletscherfluss seht, direkt in den Atlantik. Abhängig von den Gezeiten ist die Strömung an dieser Stelle unterschiedlich stark, sodass sogar das Salzwasser des Meeres in den See strömen kann. Während unserer Zeit, strömt das Wasser jedoch stark meerwärts. So lösen sich immer wieder ganze Eisberge aus dem See, wodurch sich der Anblick stetig wandelt. Einfach nur faszinierend.

Jetzt aber schnell!

Wesentlich später als gedacht, geht es dann gegen 13:00 h weiter Richtung Reykjahlíð. Unser Navigationssystem zeigt eine Fahrtzeit von 7,5 h an – schluck… Google spricht hingegen von 5,5 h. Letztlich brauchen wir irgendeine Zeit dazwischen. Schließlich haben wir noch an einer wunderschönen Stelle am Meer gehalten in der Gemeinde Hornafjörður und den Öxi-Pass als alternative Route gewählt.

Abenteuer Öxi-Pass

Kurz bevor wir die 1 verlassen und auf den Öxi (939) wechseln, machen wir in Djúpivogur einen kurzen Toiletten- und Taschentuchkaufstopp, denn leider hat Karo eine fiese Erkältung eingeholt. Entgegen der Aussage unserer Karten und Reiseführer, gibt es hier sogar eine Tankstelle. Diese sind in Island immer noch rar gesät – vor allem im Süden und im Osten. Daher sollte man auch seinen Tank nie mehr als halb leer fahren! Gut aufgestellt, stellen wir uns nun also dem Öxi-Pass, wodurch wir gut 60 Kilometer und 40 Minuten sparen. Der Öxi ist heutzutage zwar keine unbefestigte Straße mehr, jedoch ist er nicht geteert und sehr abenteuerlich. Es geht auf eine schmale Straßen mit vielen, vielen Schlaglöchern hoch in die Berge. Hier gilt es darauf aufzupassen, wer und was einem entgegen kommt und natürlich auszuloten, wo die kleinsten Schlaglöcher zum herüber rasen sind ;-). Ganz weit oben halten wir kurz, um die Aussicht zu genießen. Leider kommt die Weite und die Tiefe (oder Höhe) auf einem Foto nicht so gut zur Geltung, aber die Erinnerung bleibt ja auch ohne ein perfektes Foto. Manche Dinge, muss man einfach erlebt haben.

JIl auf dem Öxi-Pass

“In Island gibt es genug Toiletten am Straßenrand” – Nicht!

Auf den letzten Metern macht sich auf einmal der Nebel in den Bergen breit. Beeindruckend und etwas furchteinflößend zugleich. Schließlich muss ich uns noch sicher auf die 1 zurückbringen, die wir nach 19 Kilometern wieder erreichen. Der Teer hat uns wieder! Dafür wird es zunehmend dunkler und ja, die Blase drückt auch schon wieder. Wir verpassen unsere letzte „Pipi-Chance“ in Egilsstaðir und halten verzweifelt Ausschau nach einem Toilettenhäuschen. Weit und breit möchte jedoch keins kommen. Aber noch denken wir uns: „Ach wird schon passen.“ Nein… Erneut auf einem der höchsten Punkte in mitten von schneebedeckten Berge, halten wir an und lassen die Hosen runter. Ja, Wildpinkeln ist verboten. Aber es gibt einfach nicht genügend Toilettenhäuschen! Zum Glück kommen um diese Uhrzeit uns immer weniger Autos entgegen. An alle nach uns: Sorry.

“Was stinkt das hier bloß so?”

Gegen 18:45 h nähern wir uns unserer nächsten Unterkunft. Nur noch eine kleiner Bergkuppel trennen uns vom Mývatn. Aber pfui, was stinkt das denn so? Und was ist das für ein Qualm, den wir nur noch erahnen können? Ganz klar: Schwefelquellen – lecker. Das müssen wir uns morgen genauer angucken. Erstmal müssen wir inzwischen in absoluter Finsternis unser Bed and Breakfast in Reykjahlíð finden. Nachdem wir einmal komplett an den Häusern unserer Unterkunft vorbeigefahren sind, suchen wir verzweifelt die Rezeption. Die befindet sich jedoch einen kleinen Hügel wieder hinauf, auf der anderen Straßenseite. Was lange währt, wird endlich gut. Wir haben dieses Mal zwei kleine Doppelzimmer mit Bad in einem Haus mit insgesamt vier Parteien gebucht inklusive Frühstück für zwei Nächte und insgesamt 516,00 Euro. Nachdem wir unsere Koffer in den Zimmern verstaut haben, nutzen wir erst einmal die Gemeinschaftsküche und kochen uns Nudeln mit Pesto. Leider gibt es kein Salz für die Allgemeinheit. Aber ein paar Chinesen sind so nett uns auszuhelfen. Dafür regelt irgendjemand unsere Herdplatte immer wieder herunter, sodass es eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis wir endlich essen können. Dennoch sind wir ungewohnt früh auf unseren Zimmern. Bereits um 21:30 h trennen sich unsere Wege – immer mit einem Auge nach draußen. Denn eigentlich war heute die Prognose für Nordlichter besonders gut. Dieses Glück ist uns heute aber leider vergönnt… Und so hoffen wir morgen auf weniger Wolken und einem tollen Farbenspiel über dem Mývatn. Morgen begeben wir uns auf die Spuren von Game of Thrones und wollen uns im Jardbodin vid Mývatn, der so genannten kleinen blauen Lagune, entspannen.

Die abgebildeten Fotos sind von Kim Löffka Fotografie.

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