Reisebericht: 3. Tag Island - Dyrhólaey & mehr vom Süden

Reisebericht: 3. Tag Island – Dyrhólaey & mehr vom Süden

„Guten Morgen, liebe Sonne – äh Wolken – auf nach Dyrhólaey!“ So schön wie der gestrige Tag war, soll es augenscheinlich leider nicht weiter gehen. Die Nacht über hat es schon ziemlich heftig geregnet und der Tag sieht auch noch nicht allzu rosig aus. Die Wolken hängen tief und die ersten Regentropfen machen sich breit, als wir gegen 08:45 h in das Hauptgebäude des Sólheimahjáleiga Guesthouse zum Frühstück gehen. Das Guesthouse überrascht uns auch hier wieder sehr positiv, da wir bereits von den modernen Bädern und unseren niedlichen kleinen Zimmern mit eigenem Waschbecken und Schminkspiegel sehr angetan waren. Im Gegensatz zu gestern gibt es beim heutigen Frühstück deutlich mehr Auswahl. So kann ich mir noch das letzte frische Ei von den Hühnern im Stall nebenan schnappen und es gibt auch wirklich köstlichen Skyr, Gurken als Frischekick sowie eine deutlich größere Belag- und Brotauswahl als am Vortag. Der Kaffee mundet und der Tee lädt auch zur ein oder anderen Tasse ein. So startet der Tag eigentlich gut, eigentlich…

Islands raue Seite

Als wir nämlich den Tag planen und ich beim Googlen noch kurz feststelle, das in der Nähe von Vík ein paar Szenen Game of Thrones gedreht wurden, kam uns ein Parkplatz wieder in den Sinn, den wir gestern bereits bei Dunkelheit passiert haben. Hier standen auffällig viele Autos und es herrschte ein reger Fluss von Menschen, die in die Ferne liefen und wieder zurückkehrten. Anne, die heute unser Fahrer ist, wendet daher unser Auto noch einmal gen Westen und wir steuern den Parkplatz an. Dort angekommen weist leider kein Schild darauf hin, was uns am Ende des Weges wohl erwarten mag. Also machen wir uns auf den Weg ins Unbekannte. Werden wir hier Westeros ganz nah sein?

Der endlose Weg vom Wrack von der Douglas Super DC-3
Der schier endlose Weg zum Strand und zurück…

Leider, nein. Nach gut fünf Kilometern Fußmarsch und einer Extraeinlage von mir, da wir vergessen haben das Auto zu verschließen, sowie einem Sturz meinerseits, weil sich einer meiner dusseligen Schnürsenkel im Haken des anderen Schuhs verfangen haben – aua – die Ernüchterung: Uns erwartet „nur“ das Wrack von der Douglas Super DC-3, die 1973 hier abgestürzt ist und einfach dort liegen geblieben ist. Alle Crew-Member haben überlebt, weshalb wir mit ruhigen Gewissen immerhin ein paar Fotos in den Überbleibseln schießen. Dann geht es die endlosen fünf Kilometer zurück zum Parkplatz – bei Wind und Wetter.

Die Halbinsel Dyrhólaey

Völlig durchnässt und vom Winde verweht, fahren wir erneut Richtung nach Vík. Doch zuvor machen wir auf der 218 noch einen Abstecher auf die Halbinsel Dyrhólaey, die auch “Türhügelinsel” genannt wird. Mit dem Auto geht es eine schmale Straße die 120 Meter steil aufragende Klippe hinauf. Oben angekommen, erwartet uns der Blick auf den berühmten Bogen, dem die Halbinsel ihren Namen gibt. Außerdem befindet sich hier ein kleiner Leuchtturm, der an eine Burg erinnert. Er wurde 1927 von Guðjón Samúelsson erbaut und ist noch heute in Betrieb. Gen Westen hat man zudem noch einen schönen Blick auf den schier endlosen schwarzen Strand. Doch, um diese Ausblicke genießen zu können,  müssen wir erst einmal dorthin schaffen. Hier oben bläst der Wind so stark, dass wir es kaum unbeschadet aus dem Auto schaffen. Schlimmer noch, fliegen wir fast die Klippen hinunter, so windig ist es.

Also ein, zwei Fotos geschossen und dann geht es schon wieder vorsichtig im Rückwärtsgang zurück zum Auto und dann die Klippe wieder hinab. Zum Glück kommt uns nur ein Auto entgegen… Wenn ihr Dyrhólaey besuchen wollt, solltet ihr bedenken, dass im Sommer nur eingeschränkt Zugang gewährt wird. In dieser Zeit nisten und brüten hier zahllose Seevögel in dem lockeren Vulkangestein.

Der schwarze Strand von Dyrhólaey
Der schwarze Strand von Dyrhólaey diente schon als Drehort für Game of Thrones.

Erstmal abtrocknen & aufwärmen…

In Vík angekommen füllen wir unseren Tank, ziehen uns trockene Kleidung an und Karo kauft sich bei ICEWEAR eine Regenhose – wer weiß, wann hier der nächste Shop kommt, der so etwas anbietet. Endlich gut ausgestattet und wieder aufgewärmt nach gut einer Stunde im Laden hin- und herlaufen, wollen wir uns nun eigentlich Vík und den schwarzen Strand näher angucken. Denn hier wurden tatsächliche einige Szenen von Game of Thrones gedreht. Doch bei dem Wetter und der Windstärke entscheiden wir uns schweren Herzens doch dagegen und führen unseren Weg fort. Sehr schade, da meine Freundin Tatjana, die sechs Monate auf Island gelebt hat, von dem kleinen Dorf so geschwärmt hat…

Wohin jetzt? Einfach Ausschau halten!

Etwas traurig und jetzt auch relativ planlos, steuern wir unsere nächste Unterkunft Hof 1 Hotel an. Auf dem Weg können wir aber dennoch den ein oder anderen spannenden Aussichtspunkt mitnehmen. So halten wir an einem kleinen Fleck Erde, dass sich Laufskálavarða nennt. Bevor der Vulkan Katta im Jahr 894 ausgebrochen ist, stand an dieser Stelle ein Hof mit 24 Türen. Fortan ist es hier Sitte einen Stein zu einer Steinwarte hinzuzufügen, um sich Glück auf der Reise zu sichern. Wir nutzen natürlich die Gelegenheit sorgen damit dafür, dass die Steinlandschaft wächst. Im übrigen sorgt das staatliche Straßenbauamt dafür, dass dafür immer genügend Steine vor Ort sind. Außerdem ist es nur hier erlaubt, Steinwarten zu errichten. Ansonsten ist dies in Island verboten, wie wir aber erst später erfahren haben… Während Anne, Kim und ich uns noch ein wenig umschauen, bemerken wir auf einmal, dass Karo vor laufender Kamera interviewt wird. Vom koreanischen Fernsehen! Ja, das ist wirklich passiert…

Und plötzlich sieht alles anders aus…

Wir setzen unseren Weg fort und finden uns in Mitten einer Stein-Moos-Landschaft, in der wir auch unseren nächsten Stopp machen – natürlich an einem entsprechenden Parkplatz. Die wenig befahrenen Straßen von Island laden gerade dazu ein, einfach an der Seite halt zu machen. Jedoch ist dies zum einen nicht empfehlenswert und zum anderen auch verboten. Daher solltet ihr nur an richtigen Parkplätzen halten. Von diesen habt ihr eh den besten Blick. So ist hier auch ein kleiner Weg freigelegt, der uns in die Landschaft führt. Denn, es ist verboten auf das Moos zu treten, da es sehr empfindlich ist und sonst direkt stirbt. Wusstest ihr, dass die Isländer das Moos sogar essen? Die Kombination aus Stein und Moos sieht wirklich verrückt aus. Wie lauter Schafe, die auf den Wiesen stehen. Oder wie die kleinen Trolle aus Die Eiskönigin!

Stein-Moos-Landschaft auf Südisland
Eine wunderschöne Stein-Moos-Landschaft in Südisland.

Svartifoss – Der schwarze Wasserfall

Bevor wir in Hof eintrudeln erwartet uns aber noch ein richtiges Highlight: Der Svartifoss. Zwar sehen wir auf dem Weg immer wieder Wasserfälle, jedoch liegt dieser Mitten im Skaftafell-Nationalpark. Das bedeutet: Wandern! Yeah! Also ich, freue mich. Schließlich weht hier endlich kein Wind mehr und auch der Regen hat endlich aufgehört. Leider sind wir aber mit einer Ankunftszeit von 17:55 h schon etwas spät dran. Die Sonne droht bald unterzugehen und der Weg dauert hin und zurück gute 45 Minuten, was wir natürlich erst erfahren, als wir die „Pay Zone“ passiert haben und fürs Parken 600 ISK (ca. 4,90 Euro) gezahlt haben. Jetzt aber flott. Nach gut 500 Metern erwartet uns bereits ein Ausläufer des Wasserfalls. Doch erst nach weiteren 1,2 Kilometern ist der schwarze Wasserfall, der nach der Farbe des ihn umgebenen Gesteins benannt ist, in seiner ganzen Pracht zu sehen. Kim und Anne wollen aber lieber die letzten Sonnenstrahlen in aller Ruhe genießen und setzen sich an einen Hang. Karo und ich nehmen also die letzten Meter alleine auf uns und werden auch sehr dafür belohnt. Man kommt bis zu 20 Metern an den Wasserfall heran.

Svartifoss
Der Svartifoss ist umgeben von Basalt-Säulen.

Besonders auffallend bei diesem Einblick ist nicht unbedingt der Svartifoss an sich, sondern die sechseckigen Basalt-Säulen, die ihn geradezu umschließen. Diese entstehen immer dann, wenn Lava langsam und gleichmäßig erstarrt. So sind zum Beispiel auch die Devil’s Postpile in Kalifornien entstanden! Glücklicherweise können wir diesen Anblick noch etwas genießen und es ist gerade noch genug Licht da, damit wir noch ein paar Fotos schießen können, bevor wir zurück eilen müssen. Als wir letztlich alle gemeinsam den Fuß des Berges erreichen, ist es stockduster. Aber hat ja noch alles gepasst ;-). Ganz im Dunkeln wäre ich den Berg dann doch nicht so gerne herunter gewandert..

Heute leider keine Nordlichter

Als wir die letzten Kilometer zu unserem Hotel antreten, macht uns die dicke Wolkendecke direkt klar, dass wir heute Abend wohl eher keine Nordlichter zu Gesicht bekommen. Und so sind wir schon auf einen Hotel-Abend eingestellt, der sich jedoch noch etwas verzögern soll. Drei Chinesen vor uns in der Reihe zum Check-In versuchen nämlich ihr Zimmer nach Bezahlung und Bezug noch zu stornieren. Sie haben eine Gemeinschaftsküche erwartet, die es hier allerdings nicht gibt. Auf Booking.com sei jedoch angeblich genau so eine angepriesen. Das stimmt aber nach meiner Überprüfung – wir hatten ja Zeit – nicht. So zieht sich das Einchecken und unser Zimmerbezug in die Länge, zumal wir in der Finsternis unser Häuschen, in dem sich unser Vier-Bettzimmer befindet, nicht auf Anhieb finden. Als wir uns endlich im Gemeinschaftsraum niederlassen, um Abendbrot zu essen, ist es bereits nach 21:00 h. Jetzt noch schnell alle unter die Dusche und dann ins Bett. Morgen steht uns eine Lange Fahrt zum See Mývatn bevor. Mit hoffentlich ertragbarem Wetter und schönen Stopps für zwischendurch.

Die abgebildeten Fotos sind von Kim Löffka Fotografie.

10 comments

  1. Pia

    Seit ich klein war wollte ich immer mal nach Island. Das Land der Pferde und Kobolde … und mit deinem Bericht hast du mir die Lust darauf nicht vertrieben … I’m Gegenteil … 😉

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    1. Jil

      Das ist mein Ziel 😀

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  2. Freya

    Ich habe ja die ersten beiden Teile deines Reiseberichts schon gelesen. Teil 3 ist auch wieder toll. Sehr schöne Bilder, die Lust auf Urlaub machen.

    Alles Liebe

    Freya
    http://www.dieplaudertasche.com

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    1. Jil

      Dankeeee 🙂 Es folgen auch noch ein paar Teile 😉

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  3. naddisblog

    Island steht schon solange auf meiner Urlaubsliste. Und die Fotos laden echt dazu ein. Island ist sehr schön. Ich hatte erst vor kurzem bei einem Event ein sehr nettes Gespräch mit einem Isländer, der einem das noch schmackhafter machte mit seinen Erzählungen und Fotos.
    Sehr schöner Bericht.
    Liebe Grüße Nadine

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    1. Jil

      Island ist einfach wundervoll <3

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  4. Cynthia

    Island steht definitv auf meiner Liste. Ich finde trotz des schwindenden Lichts ist das Bild vom Wasserfall grandios – vielleicht gerade deshalb. Ich hoffe, ihr hattet auf der Reise dann wieder besseres Wetter. LG

    P.S. Ich liebe die Trolle in die Eiskönigin! 🙂

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  5. Verena

    Island würde mich auch reizen! Für Kim Kestners Buch Anima an dem ich mit gearbeitet habe hatte ich mich näher mit Island beschäftigt und bin nun durch Deine Bilder wieder drauf und dran endlich eine Reise dort hin zu planen! Danke!

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  6. Reisebericht: 4. Tag Island - Faszination Jökulsárlón | Jil's Blog

    […] in dem Vier-Bettzimmer mit Gemeinschaftsbad, das deutlich weniger luxuriös war wie am Tag zuvor, haben wir übrigens stolze 285,00 Euro bezahlt. Die Alternative wäre jedoch gewesen, in der […]

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  7. Reisebericht: 10. Tag Island - Die Hauptstadt Reykjavík | Jil's Blog

    […] leider auch keine Preisknaller im Angebot. Aber könnt ihr euch noch daran erinnern, dass Karo am dritten Tag unserer Reise sich eine Regenhose bei ICEWEAR gekauft hat, weil das Wetter so furchtbar war? Tja, […]

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