Reisebericht: 9. Tag Island - Der Golden Circle

Reisebericht: 9. Tag Island – Der Golden Circle

Golden Circle? Der Film läuft doch gerade im Kino! Ja richtig, Kingsman: The Golden Circle läuft gerade im Kino. Ich habe den Film schon zweimal gesehen, liebe ihn und werde auch irgendwann noch eine Kritik dazu für euch schreiben – versprochen! Doch im Zusammenhang mit Island handelt es sich beim Golden Circle bzw. dem Goldenen Kreis um drei Island Highlights, die man von Reykjavík innerhalb von einem Tag erreichen kann. Nach dem Frühstück geht es für uns also zunächst in den Þingvellir. Einer der historisch und geografisch bedeutsamsten Nationalparks Islands. In diesem Park wurde bereits 930 alle zwei Wochen die traditionelle Versammlung Althing, die sowohl gesetzgeberische als auch gerichtliche Funktionen hatte, abgehalten. Außerdem wurde an diesem Ort am 17. Juni 1944 die Republik Island ausgerufen und später das fünfzigjährige Bestehen gefeiert.

Nationalpark Þingvellir

Mit ungewohnt wenig Gepäck machen wir uns auf den Weg und halten als erstes am Informationscenter Hakið vom Þingvellir. Doch wir sind etwas verwirrt: Wir sollen 500 ISK (ca. 4,10 Euro) Parkgebühr bezahlen, um lediglich von einer Plattform aus, auf den Park mit dem See Þingvallavatn gucken und das Multimediacenter besuchen zu können?!? Ohne uns, wir fahren weiter in den Nationalpark hinein.

Da stellen wir dann fest, dass der Parkschein für den ganzen Tag und im ganzen Park gilt. Außerdem kann man auch von hier aus wieder hoch auf die Plattform. Das habe ich von dort oben gar nicht gesehen. Von daher, gesagt getan. Außerdem schauen wir im Park den Forellen beim Paarungstanz zu, luschern in die kleine Kirche Þingvallakirkja rein, die gleich neben der Sommerresidenz des Premierministers liegt.

Schnorcheln in der Sifra-Spalte

Wie ich euch bereits in meinem Bericht zu unserem Aufenthalt am Mývatn verraten habe, kann man auch im Þingvellir eine Spalte sehen, die durch das Auseinanderdriften der Nordamerikanischen und Eurasischen Platte entstanden ist. Diese spaltenförmige Verwerfung nennt sich Silfra-Spalte. Sie wird jährlich um 7 mm breiter und ihr tiefster Punkt liegt bei 63 Metern unter dem Meeresspiegel. Durch das klare Wasser ist die Sifra-Spalte ein beliebtes Tauchgebiet. Doch wer sich in das 2-4 °C kalte Wasser traut, muss auch tief in die Tasche greifen. Eine Eintages-Tauch-Tour kostet bereits 38.900 ISK (ca. 316,15 Euro)! Auch das Schnorcheln schlägt bereits mit 15.990 ISK (ca. 130,00 Euro) zubuche. Wir gucken daher lieber ganz entspannt dabei zu, wie sich die Schnorchler auf den Weg machen.

Öxarárfoss – Das älteste “Bauwerk” Islands

Es ist eh sehr auffällig, wie viel touristischer es rund um Reykjavík wird. Es ist wesentlich mehr abgesperrt bzw. befestigt und es sind insgesamt viel mehr Menschen unterwegs. Im Nationalpark gucken wir uns noch den Öxarárfoss an. An diesem Wasserfall ist jedoch (für uns) nur die Tatsache beeindruckend, dass es sich hierbei um einen künstlich angelegten Wasserfall handelt. Er wurde im Mittelalter künstlich geschaffen, um den Versammlungsplatz im Þingvellir mit Trinkwasser zu versorgen. Damit gilt er als das älteste noch erhaltene “Bauwerk” Islands.

Öxarárfoss

Stóri-Geysir & Strokkur Geysir

Vom Þingvellir aus geht es weiter auf dem Golden Circle zu den Geysiren. Ein Programmpunkt, der auch für uns alte Islandhasen völlig neu ist. Bevor wir die Straßenseite zu den Geysiren wechseln, schauen wir uns in dem riesigen Souvenir-Shop um. Hier gibt es alles, was der Island-Tourist sich wünschen kann. Zum Beispiel: Gletscherluft in Dosen für 1.190 ISK (ca. 9,70 Euro). Die Preise hier sind wirklich total verrückt. Aber es scheinen genügend Menschen hier einzukaufen, sonst hätte der Parkplatz hier sicherlich auch etwas gekostet… Aber zurück zu den Geysiren, die ein wirklich beeindruckendes Schauspiel liefern. Der Stóri-Geysir, der Große Geysir und Namensgeber für alle anderen Geysire ist seit einem Erdbeben 2000 wieder aktiv. Leider aber nur sehr selten und so können wir nur sein fast kreisrundes 14 Meter großes Becken betrachten und seinen Geruch genießen.

Dafür ist der Strokkur Geysir umso aktiver. In einem Abstand von maximal 15 Minuten schießt der Geysir eine ca. 20 bis 30 Meter hohe Eruptionssäule in die Luft. Manchmal stoßen sogar zwei Fontänen ganz kurz hintereinander empor. So passiert es auch, dass wir eine unerwartete heiße Dusche bekommen. Aber wir sind das Schwefelwasser ja inzwischen gewohnt. Das drei Quadratkilometer große Areal hat aber noch viele weitere kleine heißen Quellen, deren Farben sich je nach ihrer mineralischen Zusammensetzung vom tiefen Türkisblau bis zum leuchtenden Rot reichen. In dem Bereich, wo wir uns – und damit der Großteil der Touristen – aufhalten, sehen wir allerdings nur Türkistöne, die aber auch schon wunderschön sind.

Gullfoss – Der goldene Wasserfall

Knapp zehn Kilometer weiter treffen wir auf unseren allerletzten Wasserfall in diesem Urlaub: den Gullfoss. Zusammen mit dem Þingvellir und den zwei Geysiren gehört er zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Islands auf dem Golden Circle. Der goldene Wasserfall des Flusses Hvítá fällt in zwei Stufen in eine Schlucht, die eine Tiefe von 70 Metern erreicht. Den Informationstafeln nach, kann kein anderer Wasserfall dem Gullfoss “das Wasser reichen”. Nicht einmal die Niagarafälle in den USA. Also ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich fand den Dettifoss irgendwie beeindruckender. Entsprechend kurz halten wir uns an dem relativ unzugänglichen Wasserfall auf. Außerdem ist es inzwischen ungemütlich kalt und das Spritzwasser schleudert uns nur so entgegen.

Gullfoss

Schmusen mit Islandpferden

Da uns drei Highlights am Tag nicht reichen, haben wir zudem noch drei weitere Punkte auf dem Zettel. Doch bevor es weiter geht, wird es endlich Zeit ein paar Islandpferde zu kraulen. Das wollten wir schon die ganze Zeit tun. Bzw. wären wir auch gerne ausgeritten. Jedoch kostet eine Stunde Reiten hier bereits um die 6.000 ISK (ca. 48,80 Euro), weshalb wir darauf verzichtet haben.

Der ehemalige Bischofssitz Skálholt

Als nächstes möchten wir Skáltholt besichtigen. Dieser war von 1056 bis 1785 der Bischofssitz und zugleich ein wichtiges kulturelles und politisches Zentrum des Landes. Heute steht an dieser Stelle eine relativ schlichte weiße Kirche mit schwarzem Dach, die von 1956 bis 1963 erbaut wurde. Besonders sind aber vor allem die unterirdischen Gänge, die früher als Zugangsmöglichkeit zum Gottesdienst in harten Wintern dienten. Für 500 ISK (ca. 4,00 Euro) kann man in den Untergrund verschwinden. Leider haben wir kaum noch Zeit und ziehen deshalb schnell weiter. Dabei entdecken wir jedoch eine unverschlossene Tür, durch die wir zumindest einen kleinen Blick ins Untergrundgewölbe werfen können.

Kratersee Kerið

Die Sonne geht langsam aber sicher unter. Daher eilen wir weiter zum Kratersee Kerið, wo wir erstmals für die Besichtigung bezahlen müssen. Das widerspricht eigentlich dem Gedanken des “Jedermann-Lands” in Island. Aber gut… Für 400 ISK (ca. 3,25 Euro) pro Person umrunden wir den Krater, der etwa nicht wie man vermuten könnte durch eine Explosion entstanden ist. Vulkanologen vermuten eher, dass der Kerið ursprünglich ein relativ großer Schlackenkrater war. Das Wasser im Krater gilt als Fenster ins Grundwasser, da es dem selben Schwankungen unterliegt. Die Farbe des Wassers ist auf jeden Fall bezaubernd. Und dann dieses Zusammenspiel mit dem roten Boden und dem Grün der Bäume am Hang – wundervoll!

Wenn der Golden Cirlce doch länger dauert als gedacht…

In jedem Reiseführer heißt es: “Den Golden Circle kann man an einem Tag abfahren.” Das stimmt auch, wenn man sich nur die drei ersten Highlights anschaut. Wo dann der Kreis bleibt, ist mir allerdings schleierhaft. Da wir uns auch immer sehr viel Zeit lassen, haben wir die erweiterte Runde ganz geschafft. So lassen wir die heißen Quellen in der Gemeinade Hveragerði aus und kaufen in letzter Minute noch Lebensmittel bei Bónus ein. In Island schließen die meisten Läden spätestens um 19:30 h – gerne schon früher. Da wir aber noch zwei Abende und zweimal Frühstück vor uns haben, müssen wir uns dringend noch etwas eindecken.

Gute Nacht!

Zuhause angekommen essen wir also noch Pizza und schauen uns Die Schwanenprinzessin gemeinsam an. Ach, so einen Papageientaucher hätte ich auch gerne live gesehen. Aber leider verlassen diese niedlichen Vögel Island spätestens Mitte August. Noch ein Grund irgendwann hierher zurückzukehren. Schon etwas schläfrig fallen wir nach dem Film nur noch ins Bett. Es regnet über Kópavogur, sodass wir eh keine Chance darauf haben heute noch Nordlichter zu sehen. Da kann ich doch ganz beruhigt noch unter der Bettdecke die neue Folge von Riverdale gucken… Spannend!

Die abgebildeten Fotos sind von Kim Löffka Fotografie.

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