Filmkritik: Tulpenfieber

Filmkritik:
Tulpenfieber

Wie eine einzige Tulpe das Leben von vielen verändern kann, erfahrt ihr in dem Drama Tulpenfieber.

4 von 5 Popcorntüten

Die Handlung

Als die junge Waise Sophia (Alicia Vikander) an einen reichen Händler verkauft wird, beginnt für sie und ihre Geschwister ein neues Leben. Doch während ihre Geschwister nach Amerika aufbrechen, verschlägt es sie nach Amsterdam, das gerade seine Blütezeit erlebt dank einer botanischen Sensation: der Tulpe. Im so genannten Goldenen Zeitalter floriert der Handel mit den kostbaren Zwiebeln so sehr, dass diese bald wertvoller sind als Diamanten. Dass auch eine diese Blumen ihr Leben ein weiteres Mal verändern soll, ahnt Sophia zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Sophias Ehemann Cornelius Sandvoort (Christoph Waltz) leidet noch immer sehr an dem Tod seiner zwei Kinder und seiner ersten Ehefrau. Aus diesem Grund  wünscht er sich nichts sehnlicher als einen neuen Erben. Doch Sophias Empfängnis bleibt aus. Als sie sich dann noch Hals über Kopf in den Malter Jan van Loos (Dane DeHaan) verliebt und eine riskante Affäre mit ihm beginnt, droht sie alles zu verlieren. Aus diesem Grund schmiedet sie mit ihrer Magd Maria (Holliday Grainger) einen perfiden Plan…

Mein Fazit

Tulpenfieber zeigt ein sehr gelungenes Drama, das eine verbotene Romanze in den Mittelpunkt stellt und das Spekulationsgeschäft in den Niederlanden im 17. Jahrhundert rund um Tulpen als Auslöser für den Zusammenfall eines Kartenhauses verantwortlich macht. Die Geschichte rund um Sophie Sandvoort, ihrem Liebhaber Jan Van Loos und ihrem Ehemann Cornelius Sandvoort, wird aus der Sicht der angestellten Maria erzählt. Durch diese Erzählweise bietet das Drama viele spannende Wendungen und bringt das Leiden, Hoffen und Bangen der Figuren ganz nah an den Zuschauer heran. Die Geschichte bekommt dadurch eine sehr persönliche Note, weshalb sie sehr glaubwürdig und nah wirkt.

Hollywood-Stars im „Tulpenfieber“

Tulpenfieber ist mit vielen Hollywoodgrößen besetzt. Ungewöhnlich für einen historischen Film. Doch neben Newcomern wie Cara Delevingne und Dane DeHaan, die mir zusammen ja so ausgesprochen gut in Valerian – Die Stadt der tausend Planeten gefallen haben, sind auch Christoph Waltz und Judi Dench mit von der Partie. Im Mittelpunkt steht jedoch die junge Oscar-Preisträgerin Alicia Vikander, dessen Performance mich jedoch am wenigsten überzeugt hat. Zwar nimmt man ihr die Rolle der jungen Schönheit Sophia sehr gut ab und sie bildet einen starken Kontrast zu Waltz Charakter Cornelius, jedoch passiert mir wieder einmal im ihren Gesicht viel zu wenig. Am stärksten für mich hat Dench performt, die wieder einmal beweist, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehört und auch Holliday Grainger als Maria hat mir sehr gut gefallen. Die junge Briten habe ich bisher noch in keinem Film zuvor wahrgenommen.

„Tu es nicht, nein!“

Wenn Tulpenfieber eins verdient hat, dann die Zuordnung ins Genre „Drama“. Denn hier steht Drama tatsächlich an der Tagesordnung. Tulpenfieber ist definitiv ein Film zum Mitleiden, Kopfschütteln und wütend Aufschreien, wie sich die Figuren nur von einem Fettnäpfchen ins nächste navigieren können. Schade daran ist nur, das immer, wirklich immer der falsche Weg eingeschlagen wird. Bedeutet: Wenn etwas droht schief zu laufen, dann läuft es schief. In der Hinsicht verliert die Storyline leider etwas an Spannung. Jedoch bin ich über den Ausgang sehr überrascht, der das Ergebnis bereits am Anfang der Geschichte angedeutet wird, der Verlauf jedoch ein anderer ist, als zunächst vermutet. Dies ist wie bereits angedeutet der Erzählweise verschuldet und dadurch sehr gelungen.

At long last, #TulipFever is coming out this weekend. Hope y’all enjoy it! 🌷🤒 Link in bio for trailer.

Ein Beitrag geteilt von Dane DeHaan (@danedehaan) am

Kostüme & Setting

Auch die Kostüme und das Bühnenbild wirken sehr authentisch und lässt den Zuschauer in das Amsterdam von 1634 eintauchen – zumindest auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen, ist es in der niederländischen Stadt jedoch einfach zu sauber. Die Figuren wirken sehr gepflegt, die Zähne strahlen weiß und auch die wenigen Fassaden und Wege, die gezeigt werden, wirken einladend. So wird nur der Fischgestank, den Willem Brok (Jack O’Connell) „mit sich trägt“, immer wieder thematisiert. Bedenke man, dass die Pest nur wenige Jahre zurückliegt und die Tulpen aufgrund ihrer Einzigartigen Schönheit von so hohem Wert sind, dann passt dies nicht zusammen. So wirken die Charaktere letztlich doch eher kostümiert und das Setting inszeniert. Schaut man jedoch nicht so kritisch hin, dann bemerkt man dies vermutlich nicht einmal.

Der Tulpe sei Dank

…für diesen tollen Film. Ich habe Tulpenfieber wirklich sehr genossen, sowohl optisch, inhaltlich als auch erzählerisch. Das Drama hält alles, was er dem Zuschauer verspricht und noch mehr. Bei all den Filmen, die ich in letzter Zeit geguckt habe und von denen ich regelmäßig enttäuscht wurde (die Kritiken sind in Arbeit…), war dies eine sehr schöne Abwechslung. Besonders schön finde ich, dass Tulpenfieber durch die Thematisierung der Börsenblase noch einen lehrreichen Aspekt mit sich bringt. Daumen hoch – auch wenn das Ende etwas unbefriedigend ist!

Hintergrund des „Tulpenfiebers“

Das „Tulpenfieber“ des 17. Jahrhunderts in der niederländischen Geschichte beschreibt den Aufschwung und den Fall eines „Goldenen Zeitalters“ (zwischen dem 1600 und 1700). Das „Tulpenfieber“ gilt als erste relativ gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte und wird daher auch als „Mutter aller Börsenblasen“ bezeichnet. Die Tulpe galt damals als Objekt der Begierde und wurde schließlich zu einem nationalen Symbol. Dank ihr konnten Mitglieder der damaligen niederländischen Gesellschaft ohne jegliche botanische Kenntnis, ohne Bildung und finanzieller Grundlagen zu schnellem Reichtum gelangen. So wurden zum Höhepunkt des Tulpenhandels ganze Grachtenhäuser Amsterdams gegen seltene Tulpenzwiebeln eingetauscht. Weit vor der New Economy, der Immobilienkrise und Bitcoins wurde also schon mit fiktiven Werten gehandelt, die einzig auf einer Schnappatmung und einem Hype beruhen, wie Christoph Walz in einem Interview mit Rüdiger Sturm in der emotion das Handeln mit Finanztiteln beschreibt. Im Frühjahr 1637 platzte die Tulpenblase abrupt, als bei einer Auktion in Haarlem erstmalige ein Zwiebelhändler seine Ware nicht verkaufen konnte. Daraufhin stürzten die Preise ins Bodenlose, Optionen auf Tulpen, mit denen später vermehrt gehandelt wurden, wurden wertlos und Kredite wurden fällig. Viele Investoren stürzte diese Krise in die Armut. So auch der Maler Jacob van Loo, der als Inspiration für die Figur Jan von Loss im Roman und im Film Tulpenfieber diente.

Trailer zu „Tulpenfieber“

27 comments

  1. Lieblingsleseplatz

    Danke für diese Filmkritik. Allein von der Inhaltsangabe her hätte ich den Film nicht geschaut. Ich mag Dramen nicht. Aber dank deiner Vorstellung habe ich richtig Lust darauf bekommen!

    Antworten

    1. Jil

      Das freut mich! Es lohnt sich oft Filmen eine Chance zu geben, auch wenn sie einen nicht direkt ansprechen. Ähnlich wie bei Büchern 😉

      Antworten

  2. Puderperlen

    Ich finde Geschichte grundsätzlich total spannend und auch historische Filme haben etwas ganz Besonderes, wenn sie authentisch sind! Die Handlung von Tulpenfieber klingt toll und deine Kritik macht richtig Lust auf den Film 🙂

    Liebe Grüße, Larissa

    Antworten

    1. Jil

      Das freut mich 🙂 Dann wünsche ich Dir viel Spaß, wenn Du ihn Dir angucken solltest 😉

      Antworten

  3. Writtenbetweenthelines

    Zu ich bin ja immer auf der Suche nach Filmen die ich mit meiner Mom schauen kann… den werde ich ihr mal vorschlagen!!!
    LG Eve

    Antworten

    1. Jil

      Tu das 🙂 Aber sehr gewarnt: Es gibt auch nackte Haut zu sehen 😉

      Antworten

  4. Katja von Schminktussis Welt

    Ein hübsches Bild von dir. Ich habe mir den Film nicht angeschaut.

    Antworten

  5. Sylvie

    Das klingt nach einem tollen Film für den Sonntag Abend mit einer Tasse Tee – kommt direkt auf die Liste. Vielen Dank. 🙂

    Antworten

    1. Jil

      Gerne 🙂 Kündige den DVD- / Blu-ray-Release wie immer in meiner Kategorie „Filme der Woche“ an.

      Antworten

  6. Aushilfsjedi Nemi

    Die Trailer muss ich mir irgendwann noch anschauen, kein üppiges Datenvolumen auf dem Smartphone 🙁 Klingt ansonsten nach nem schönen Film

    Antworten

  7. Simone

    Ich war schon länger nicht mehr im Kino, aber das klingt nach einem Film für meinen Geschmack. Gerade den geschichtlichen Hintergrund finde ich sehr spannend. Nach dem Trailer habe ich richtig Lust auf Kino! Danke dir für diesen Film-Tipp.
    Grüssle,
    Simone

    Antworten

    1. Jil

      Gerne 🙂 Dann viel Spaß beim Gucken!

      Antworten

  8. My Travel Diary USA

    Ich liebe Dramen und ich liebe Filme mit Christoph Waltz. Ich finde er ist ein herausragender Schauspieler. Danke für deine tolle und ausführliche Vorstellung liebe Jil.
    Liebe GRüße
    Sigrid

    Antworten

    1. Jil

      Ich finde es auch sehr erfrischend ihn einmal nicht in der Rolle des Bösewichts zu sehen 😉

      Antworten

  9. nici

    Von dem Film habe ich noch gar nichts gehört, finde deine Vorstellung aber mehr als Gelungen. Da kann selbst ich noch was lernen 🙂 Wobei ich ja dennoch der Meinung bin, dass man nicht allzuviel verraten sollen. Der Film klingt an sich interessant. Vielleicht schau ich ihn auch mal. Danke dir für den Tipp

    Alles liebe

    Antworten

    1. Jil

      Ich versuche immer so spoilerfrei wie möglich zu schreiben. 🙂

      Antworten

  10. Sandra | Zart wie Federblümchen

    Guten Abend.
    Erstmal: Ein wirklich tolles Bild und nun zu deiner Filmkritik. Ich finde den Film sehr ansprechend muss ich sagen, denn ich mag Dramen. Kannte diesen bisher auch noch nicht, zumal ich sowieso wenig Filme schaue . Aber den werde ich mir nun merken.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

    Antworten

    1. Jil

      Vielen Dank für das Kompliment und Dein Feedback 🙂

      Antworten

  11. Mona

    Liebe Jil,
    von dem Film hatte ich noch gar nichts mitbekommen und hätte niemals gedacht, dass sich solche Stars und eine so spannende Geschichte dahinter verbergen. Den Film werde ich mir ansehen, das klingt wirklich großartig! Bin ein totaler Christoph Waltz-Fan und die Bilder lassen Tolles vermuten. Find`s auch super, dass da endlich mal ein ganz neues Thema behandelt wird. Lieben Dank für die tolle Rezension!
    Liebe Grüße,
    Mona

    Antworten

    1. Jil

      Liebe Mona,
      vielen Dank Dir! Es ist wirklich ein schönes Drama mit einer tollen Besetzung 🙂
      Beste Grüße
      Jil

      Antworten

  12. Avaganza

    Liebe Jil,

    ich habe mir den Film letzten Sonntag angeschaut. Mir hat der Film sehr gut gefallen … obwohl ich überhaupt kein Fan von Waltz bin! Es war eine nette Unterhaltung obwohl die Handlung doch sehr vorhersehbar war.

    Hab einen schönen Abend!
    lg
    Verena

    Antworten

    1. Jil

      Ja, da gebe ich Dir recht. Wobei ich die Auflösung zum Schluss doch recht überraschend fand. Hatte zwischendurch andere Theorien 😉

      Antworten

  13. Karolina#

    Ah die Vorschau für diesen film habe ich bereits im fernsehen gesehen und er klingt wirklich sehr sehr spannend. und wenn christoph waltz mitspielt kann es nur ein guter film werden.
    hab einen schönen sonntag!
    glg karolina
    https://kardiaserena.at

    Antworten

    1. Jil

      Er ist wirklich sehr schön! Wünsche Dir auch einen schönen Sonntag 🙂

      Antworten

  14. J. Florence

    Das ist ja eine sehr ausführliche Filmkritik! Super, da weiß man ja direkt, was einen erwartet 🙂

    Antworten

  15. Linni

    Hallo Jil,
    das klingt ja super interessant 🙂

    Ich wünsche dir noch einen tollen Tag!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

    Antworten

  16. Lisa

    Ich kannte den Film noch gar nicht! Klingt aber spannend. 🙂
    Liebe Grüße Lisa♥
    lisaslovelyworld

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.