Heimatliebe: Als Volunteer bei den Porsche European Open in Hamburg

Heimatliebe: Als Volunteer bei den Porsche European Open

‌Die stärkste europäische Golftour ist in Hamburg zu Gast: Die Porsche European Open! Neben den BMW International Open und dem Saltire Energy Paul Lawrie Match Play ist es dieses Jahr eins von drei Turnieren der European Tour auf deutschem Boden und das einzige bei uns im Norden. Auf der Golfanlage Green Eagle in  Winsen (Luhe) wird der Nordkurs zum Spielplatz für die besten Golfspieler Europas und Golfstars aus aller Welt und ich war mitten drin!

Das bin ich!

Für mich als Golfenthusiast die perfekte Gelegenheit Weltklasse-Golf auf heimischem Boden zu erleben. Bevor ich euch von meinem Einsatz als Volunteer erzähle und wie es dazu kam möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin Jonathan, 25 Jahre alt und wurde vor zwei Jahren vom Golffieber gepackt, womit ich Jil etwas voraus bin. Als gelernter Mediengestalter arbeite ich bei dem größten Fernsehsender Norddeutschlands, doch in meiner Freizeit ist der Golfplatz am Golf Gut Glinde mein Revier. Als ich mitbekommen habe, dass die European Tour vor die Tore Hamburgs kommt war für mich klar: da muss ich hin! Doch nicht nur als Besucher. Ich wollte so nah wie möglich an die Topgolfer heran.

Jonathan Kuhnert - Golfer und Volunteer

Der Beginn meines Abenteuers

Die Anmeldung zum Volunteer für die Porsche European Open 2017 (kurz: PEO) war einfach: Mitte April habe ich im Internet nach einem Anmeldeformular gesucht und sofort ausgefüllt. Darin gibt man an, welche Aufgaben man übernehmen möchte und an welchen Turniertagen man Zeit hat. Die Aufgabengebiete sind vielfältig und nicht nur für aktive Golfer interessant. Sie reichen von Spielershuttle fahren über Schläge direkt auf dem Platz zählen und an die Spielleitung übermitteln bis hin zur Begleitung des Publikums auf der Runde. Hier gilt es für Ruhe zu sorgen sobald ein Spieler seinen nächsten Schlag ausführt. Grob gesagt sind die Volunteers für einen reibungslosen Ablauf des Spielgeschehens auf dem Platz und das Wohlbefinden der Gäste und Spieler zuständig.

Durch die Arbeit kommt man in hautnahen Kontakt mit den Spielern, Caddies, dem Publikum und den Turnierverantwortlichen. Fingerspitzengefühl und Spaß an Kommunikation sollte man mitbringen, damit die Arbeit möglichst reibungslos verläuft. Jeder Helfer erhält eine Akkreditierung, die ihm ermöglicht das gesamte Turniergelände zu betreten. Die Arbeitszeiten variieren je nach Tätigkeit. Sie liegen bei einem reibungslosen Ablauf ohne Unterbrechungen bei fünf bis sieben Stunden pro Tag. Nach getaner Arbeit kann jeder Helfer sich weiterhin frei auf dem Platz bewegen und als Zuschauer den Rest des Tages genießen

Es hat etwa einen Monat gedauert bis ich die Zusage als Helfer hatte. Insgesamt waren über 300 Volunteers an den vier Turniertagen im Einsatz. Diese Zahl zeigt auch, dass solch eine Veranstaltung ohne diese Unterstützung nicht möglich wäre. Das Wort freiwillig lässt schon erahnen, dass es keine Bezahlung für die Arbeit gibt, doch mit ganz leeren Händen geht keiner nach Hause und außerdem wird vor Ort niemand verhungern.

Jonathan Kuhnert beim Golfen

Dienstag, 25. Juli – Die Vorbereitung

Zwei Tage vor Turnierbeginn, gibt es eine Einweisung für die freiwilligen Helfer. Es werden Verhaltensregeln, Aufgabenbereiche und Sicherheitsaspekte dieser Großveranstaltung erläutert. Das Aufenthaltszelt ist gut gefüllt. Noch ist es eine bunte Masse an Frauen und Männern verschiedenen Alters – jedoch zeichnen graue Haare das Bild.

Alle Volunteers zusammen bilden ein großes Team und um dieses Teamgefühl nach innen und außen zu stärken gibt es im Anschluss an die Einweisung für alle die gleiche Kleidung. Es gibt zwei blaue Poloshirts mit dem Turnierlogo, eine schwarze Regenjacke mit gelben Akzenten und ein weißes Cap mit Sponsorenlogo. Die Kleidung darf jeder im Anschluss an das Turnier behalten. Da ein Großteil der Helfer sofort auf die Kleidungsausgabe stürmt als wäre nicht genug für alle da, gehe ich im Zelt nebenan erst einmal meine Akkreditierung und die Parkausweise abholen. Dann habe auch ich meine Kleidung verstaut und werfe noch einen Blick von der Haupttribüne am 18. Grün. In zwei Tagen beginnt hier der Wettkampf um insgesamt 2.000.000 Euro Preisgeld. Beim Blick in den Himmel denke ich mir: „So fühlt sich die Ruhe vor dem Sturm an…“

Donnerstag, 27. Juli – Gelungener Start in das Turnier

Der Tag beginnt sehr früh für mich. Um 05:00 h klingelt der Wecker. Ab unter die Dusche, einen Kaffee trinken und ein Brötchen für die erste Stärkung essen. Zum Glück ist der Verkehr so früh morgens noch ruhig und so reicht es um 06:15 h mit dem Auto loszufahren. Pünktlich zu Dienstbeginn um 06:55 h stehe ich im Helferzelt zur Anmeldung. Die Spieler starten in Gruppen hintereinander im Zehn-Minuten-Takt vom Ersten und Zehnten Abschlag. Heute gehe ich als Walking Scorer mit der dritten Spielgruppe (auch: Flight) vom Zehnten Abschlag (Tee 10) los. Meine Aufgabe heute ist das schnelle weiterleiten der Ergebnisse an die Spielleitung der drei Spieler meiner Spielgruppe; das sind heute: Paul Dunne aus Irland, Gregory Bourdy aus Frankreich und Kiradech Aphibarnrat aus Thailand. Direkt nach jedem gespielten Loch gebe ich die Anzahl der Schläge jedes Spielers durch. Dazu erhalte ich von Mitarbeitern der European Tour einen PDA  (ein kleines Gerät mit Touchdisplay ähnlich wie ein Smartphone, bloß etwas älter) in den ich die Schlagzahl eingebe und absende. Des Weiteren gibt es ein Klemmbrett mit vorbereiteter Scorecard (Tabelle mit Spielernamen und Löchern) zum direkten mitzählen und als Sicherheit, falls die Technik aussetzt. Zu guter letzt klemme ich mir ein Funkgerät an den Gürtel, um zur Not die Ergebnisse direkt durchzugeben oder in dringenden Fällen Medizinische Versorgung oder einen Schiedsrichter zu rufen. Als Walking Scorer bin ich der einzige in der Spielgruppe mit Kontakt zur Zentrale und bin Ansprechpartner für alle Belange, die nicht direkt vor Ort geklärt werden können. Der Funkverkehr findet auf Englisch statt.

Jetzt wird es spannend

Um 07:25 h stehe ich am Tee 10. Vor mir schlägt noch ein Flight ab. Dann geht es los! Die Spieler und ihre Caddies (die taktischen Unterstützer und Taschenträger der Spieler) werden mit einem großen Cart gebracht. Als wir alle am Abschlag im abgesperrten Bereich stehen kommen die Spieler und schütteln mir die Hand. Alle Golfer werden vor ihrem Abschlag namentlich begrüßt und schlagen mit Applaus der wenigen Frühaufsteher unter den Fans ab. Ich notiere in meiner Strichliste für alle Spieler den ersten Schlag. Damit beginnt ein fünfstündiger Fußmarsch von knapp zehn Kilometern. Wir sind am ersten Grün angekommen und schon jetzt bin ich von der Lockerheit und Präzision der Golfschläge fasziniert. Im Fernsehen sieht das immer so locker aus – wenn man fünf Meter daneben steht auch! Die Putts fallen und meine erste Scoreeingabe in den PDA wird fällig. Alles geht gut. Das Funkgerät ist auch ruhig.

Porsche European Open in Hamburg

Keine Probleme auf dem Platz. Noch nicht…

Die Golfer spielen ein Loch nach dem anderen. Da wir an Bahn 10 gestartet sind, werden zuerst die Löcher 10 – 18 und im Anschluss die Bahnen 1 – 9 gespielt. Ab und an kommen etwas mehr Zuschauer dazu, die von der vorherigen Spielgruppe stehengeblieben sind. Doch bald zieht das Wetter zu. Ich bekomme über Funk von der Zentrale durchgegeben, dass unsere PDAs nicht mehr funktionieren. Das Mobilfunknetz, über das die Geräte ihre Ergebnisse verschicken, ist zusammengebrochen. Für alle Walking Scorer auf dem Platz bedeutet dies die Ergebnisse per Funk durchzugeben. Auf einmal ist es auf meinem Ohr nicht mehr still. Die Zentrale fragt nach und nach immer wieder alle Gruppen ab. Zum Glück ist das Problem keine Stunde später behoben und es geht wie gewohnt weiter.

Jonathan ist für das Zählen zuständig

Mittlerweile sind wir an Bahn 18 angekommen, gleich ist Halbzeit für uns. Wir laufen das Fairway (kurz gemähter Bereich der Spielbahn) Richtung VIP-Zelt und Haupttribüne entlang. Die Spieler werden jubelnd von nun vielen Zuschauern begrüßt. Das 18. Grün wird fies von Bunkern und einem Wasserhindernis verteidigt. Dennoch meistern alle Spieler das Loch und wir gehen weiter. Es ist sonnig und warm geworden, die Fernsehteams beziehen ihre Positionen auf den Türmen an Grüns und Abschlägen.

Ein besonderes Geburtstagsgeschenk

Unsere zweiten neun Löcher verlaufen reibungslos und die Zeit vergeht wie im Flug. Meine Beine tragen mich wie von selbst. Nach dem letzten Loch gibt es noch ein kleines Geburtstagsgeschenk für mich: zwei gespielte Bälle, je einen von Gregory Bourdy und Paul Dunne. Die Souvenirs nehme ich gerne mit! Meine Arbeit für heute ist getan. Es ist kurz vor 13:00 h und ich gebe mein Equipment zum aufladen zurück. Im Public Village ist bei dem Sonnenschein am Mittag reges Treiben. Die Spiele für den Nachmittag starten gleich und viele Zuschauer versorgen sich noch mit etwas zu Essen, schauen sich die ausgestellten Sportwagen des Sponsors an oder stöbern durch Stände mit Golfequipment. Trotz des schönen Wetters fahre ich jetzt nach Hause, um meinen Geburtstag zu feiern. Gegen 21:30 h kommt die Mail mit dem Einsatzplan für Freitag. Eine erfreuliche Nachricht.

Geschenke gab es von Paul Dunne und Gregory Bourdy.

Freitag, 28. Juli – Walker, Ramsay, Olesen und Kuhnert!

Um 8:00 h stehe ich am Tee 10 mit einem der Topflights des Tages. Jimmy Walker, Richie Ramsay und Thorbjørn Olesen stehen am Abschlag. Vor dem ersten Schlag begrüßen mich alle drei Spieler wieder mit einem Handshake. Die Anspannung bei den Spielern ist groß. In der heutigen zweiten Runde geht es darum den sogenannten CUT zu schaffen. Die besten 65 Spieler und gleichplatzierte sind dazu berechtigt die beiden letzten Turnierrunden am Wochenende mitzuspielen. Wer heute kein gutes Ergebnis liefert, kann vermutlich seine Koffer packen. Aber so weit sind wir noch nicht.

Heute bin ich wieder Walking Scorer. Hat man sich einmal in diese Aufgabe hineingefunden ist es recht überschaubar: Schläge zählen, in den PDA eingeben und absenden. Für mich heute genauso unproblematisch wie gestern. Mit dem Wetter haben wir viel Glück, es ist trocken und sogar etwas sonnig. Da es noch recht frisch ist so früh am Morgen, bin ich der Sonne froh über meine Regenjacke, die mich warm hält und vor Wind schützt.

Porsche European Open 2017

Stars im Regen

Obwohl wir recht früh an der Bahn 10 gestartet sind, haben wir von Beginn an schon deutlich mehr Zuschauer als gestern. Das Publikum will Stars sehen und gutes Golf. In meinem Flight bekommen sie heute beides geboten. Aus diesem Grund werden es immer mehr Zuschauer je länger die Runde dauert. Ab dem zehnten Loch (für uns Bahn 1) haben wir dann auch noch ein Fernsehteam in unserer Spielergruppe.

Es freut mich sehr wie viele Golfbegeisterte den Weg nach Green Eagle gefunden haben. Leider werden die Zuschauer um kurz nach 11:00 h mit Starkregen bestraft. Der Spielbetrieb geht langsamer voran und die Ergebnisse lassen etwas nach. Zum Glück dauert der sehr heftige Schauer nur 20 Minuten und somit entkommen wir knapp einer Spielunterbrechung. Dafür sehen wir ein kleines Highlight der Runde. Richie Ramsay locht auf Bahn 5 mit dem zweiten Schlag aus dem tiefen Rough (hoch gewachsenes Gras) zum Birdie (einen Schlag besser als die Spielvorgabe).

Porsche European Open 2017

Das Wetter ist sich noch unschlüssig ob es der zweiten Runde einen Strich durch die Rechnung machen will oder nicht. Nach zwei Spielbahnen in heftigem Regen haben wir noch vier Löcher vor uns. Meine Zettel zum Mitschreiben der Ergebnisse sind mittlerweile auch durchweicht, aber mit dem Bleistift bekomme ich die Zahlen noch vorsichtig raufgeschrieben. Es ist selten, dass ich froh bin eine Golfrunde schnell zu beenden. Doch bei einem Blick gen Himmel am vorletzten Loch bin ich es. Nach drei trocknen Löchern ziehen erneut dunkle Regenwolken auf, die sich prompt über uns entleeren.

Achtung: Spielunterbrechung

Nach der Runde sind wir alle durchnässt und über Funk bekomme ich die leider zu erwartende Nachricht: Spielunterbrechung. Der Platz ist zu nass und ein Gewitter zieht auf. Alle Spieler und Zuschauer verlassen den Platz und suchen Unterschlupf im Trockenen. Für mich heißt es: Glück gehabt. Der Feierabend kommt gerade rechtzeitig. Ich bringe mein Equipment zurück und setze mich mit Essen und Trinken ins Helferzelt. Etwas Warmes im Bauch tut jetzt richtig gut. Ich habe morgens nicht viel gefrühstückt. Keiner weiß wann es weiter gehen wird. Eine große Gewitterfront zieht Richtung Hamburg. Das Risiko Publikum und Spieler wieder auf den Platz zu lassen ist zu groß. Leider.

Kann es bitte weiter gehen!?

Heute hab ich mich entschieden nach meinem Feierabend noch etwas Golf zu gucken, also warte ich darauf, dass der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird und unterhalte mich so lange mit anderen Volunteers. Im Helferoffice bricht derweilen etwas Hektik aus, da alle bei Laune gehalten werden müssen und manch einer nach Hause fahren will, da er noch Termine hat. Keiner hat mit solchen Unterbrechungen gerechnet.

Porsche European Open 2017

Nach knapp vier Stunden Unterbrechung geht es um 16:45 h weiter. Die Gewitter sind vorüber und der Platz wieder trocken genug, um ihn zu bespielen. Die Greenkeeper haben phantastische Arbeit geleistet und nicht nur meinen Abend gerettet. Auf der Haupttribüne am 18. Loch schaue ich mir super Annäherungsschläge und gute Putts an. Dann gehe ich 500 Meter zum Abschlag der 18 und stelle ich mich auf die Terrasse der Porsche Owners Lounge, ein extra für das Turnier dort hingestellter Container mit weiter Glasfront unten und Liegestühlen und Sonnenschirmen oben. Von dort hat man einen super Blick auf Bahn 17, einem Par 3 übers Wasser. Ich lasse meinen Abend ausklingen und fahre erst um kurz nach 20:00 h zurück nach Hause. Es sind immer noch Spieler auf dem Platz.

Samstag, 29. Juli – Chaos, Gewinne und neue Aufgaben

Die zweite Runde muss noch zu Ende gespielt werden, da gestern nach der langen Unterbrechung nicht alle Gruppen bis zum Einbruch der Dunkelheit ihre 18 Löcher geschafft haben. Die Startzeiten für die dritte Runde werden erst im Laufe des Vormittags klar und somit auch unsere Einsätze. Alle Helfer stehen um 11:00 h versammelt vor dem Helferoffice und warten auf die Pläne. Alles wird kurz vor knapp disponiert: Den Organisatoren bleibt eine Stunde, um die ersten Helfer auf die Runde zu schicken. Es wird hektisch. Einige verlieren die Nerven und gehen sich die Beine vertreten, werden dann gesucht, müssen ersetzt werden, weil sie nicht pünktlich wieder da sind. Für die Organisatoren bedeutet das viel Stress, viele ungeduldige Helfer und viele Fragen, auf die es noch keine Antwort gibt. Ich hole mir erst einmal einen Kaffee.

Die Aufgabe eines Carryboardträgers

Damit die Zuschauer auf dem Platz die Spielstände der einzelnen Gruppen mit verfolgen können, läuft in jedem Flight ein Carryboardträger mit. Auf diesem Schild notiert man den aktuellen Spielstand jedes Spielers einer Gruppe zum PAR (Schlagzahlvorgabe für Profis), indem man Zahlenkarten einhängt und nach jedem Loch verändert, sofern der Spieler nicht die Platzvorgabe gespielt hat. Mit diesem Schild läuft man hinter der Spielgruppe sichtbar für das Publikum. Fünf Minuten vor Spielstart sind die Dienstpläne fertig. Jetzt müssen die Helfer für die ersten Flights so schnell wie möglich zu den Abschlägen 1 und 10 gebracht werden.

Mit dem Golfcart zum 10. Abschlag

Ich gehören zu denen die zeitnah zum zehnten Abschlag müssen. Nachdem ich mir mein Equipment abgeholt habe, dazu gehören die Tafel, ein Tragegurt und eine Bauchtasche mit den Nummern zum einhängen, stehen ein Kollege und ich mit unseren beiden Tafeln hinten auf einem Golfcart. Vorne sitzen noch zwei weitere Helfer und ein Fahrer. Normalerweise fahren zwei Personen und ihre Golftaschen damit herum, doch wie heißt es so schön: Not macht erfinderisch.

Mit den Golfcart zu Loch 10

Wind, lass nach

Heute geht es mit einem englischen Trio auf die Runde: Simon Khan, Steve Webster und Chris Hanson. Der Gedanke daran die nächsten vier Stunden dieses doch recht schwere Schild zu tragen erschöpft mich schon vor dem ersten Abschlag. Aber es nützt nichts! Zähne zusammenbeißen und durch. Doch zu meinem Erstaunen trägt sich das Schild erstaunlich angenehm, dank des gepolsterten Schultergurtes – zumindest für mich als jungen Menschen. Das einzig nervige ist der nach und nach einsetzende Wind, durch den das Schild wie ein Segel in der Luft steht. Aber zum Glück ist das Wetter gnädig… Nach einer kurzen windigen und verregneten Phase laufen wir trocken weiter und können das Spielgeschehen so noch super mitverfolgen.

Gewinne, Gewinne, Gewinne

Plötzlich ein riesen Geschrei, Gekreische und Gejubel am anderen Ende des Platzes. Was ist passiert? So großen Applaus kann es nur für einen sensationellen Schlag geben. – und so ist es auch. Kurze Zeit später bekommen wir über Funk mit, dass ausgerechnet ein Deutscher, nämlich  Marcel Siem am 17. Loch ein Hole-in-One geschlagen und damit einen nagelneuen Sportwagen gewonnen hat.

„Ich hätte da mal eine Frage!“

Doch zurück zu meiner heutigen Aufgabe. Als Carryboardträger ist man fast genauso nah an den Spieler wie als Walking Scorer, sodass man die Gespräche, das Verhalten und die Schläge der Sportler ebenso aus nächster Nähe verfolgen kann. Eine weitere Komponente ist in der Tätigkeit auch noch wichtig: Der Kontakt mit den Zuschauern. Viele stellen mir heute Fragen, vor allem zu Ergebnissen an bestimmten Löchern oder wollen wissen, wann ein bestimmter Spieler auf welchem Loch abschlägt. Zum Beantworten der Fragen ist die Startliste in meiner Hosentasche eine große Hilfe. Das Gefühl einem Zuschauer weitergeholfen zu haben und ihn glücklich weitergehen zu sehen, ist großartig. Ich fühle mich als Teil der Veranstaltung. Das Publikum ist sehr freundlich und verbreitet eine angenehme Atmosphäre für uns als Helfer, für die Spieler und natürlich für alle Verantwortlichen. Die sportlich anspruchsvolle Golfrunde neigt sich dem Ende. Am heutigen Moving Day war das Ziel der Spieler sich eine möglichst gute Ausgangsposition für den Finaltag zu verschaffen.

Jonathan Kuhnert als Carryboardträger

Sonntag, 30. Juli – Time for the Final Day

Es wird spannend. Heute wird der Sieger für die insgesamt 2 Millionen Euro Preisgeld ausgespielt. Ich starte in der drittletzten Gruppe heute wieder als Carryboardträger. Der Unterschied zu gestern wird sein, dass deutlich mehr Publikum mitläuft. Auch wenn gerade wieder durch eine wetterbedingte Unterbrechung die Startzeiten nach hinten verschoben wurden, ist sehr viel Publikum gekommen, um den vermutlich spannendsten Tag des Turnieres zu sehen. Heute sind Ashley Chesters aus England, Adrian Otaegui aus Spanien und Johan Edfors in meinem Flight. Alle drei starten mit nur je drei Schlägen Rückstand auf den Führenden in die finale Runde. Siegchancen in meiner Gruppe sind also nicht ausgeschlossen. Demnach ist das Interesse bei den Zuschauern groß.

Sommer, Sonne, Golf

Bis auf die kleinen Schauer am Morgen hält der Wetterbericht sich an seine positive Vorhersage. Endlich mal. Das erste Mal präsentiere ich mich also in meinem Polohemd. Die vorherigen Tage habe ich  mich doch in meiner Regenjacke wohler gefühlt. Sonnencreme, nein danke. Ich werde es bereuen.

Porsche beim Green Eagle

Schlussspurt!

Zu Beginn lassen alle drei Spieler meiner Gruppe gute Chancen liegen, doch der Tag ist noch lang. Im weiteren Verlauf stoßen immer mehr Zuschauer zu uns, denn es gibt gutes Golf zu sehen. Die Chancen auf den Titel sind noch da und so wird das Spiel zum Ende immer spannender und waghalsiger. Johan Edfors greift auf einem Par 5 Loch mit dem zweiten Schlag aus 230 Metern das Grün an. Der Ball muss bei den mittlerweile sehr böigen Bedingungen exakt getroffen werden, damit er nicht davor, dahinter oder rechts im Wasser ladet. Seine Risikobereitschaft wird mit einem Eagle (zwei Schläge besser als die Vorgabe an einem Loch, hier: 3 Schläge bei 5 vorgegebenen) belohnt. Der Rückstand auf die Führenden wird kleiner.

Ach, das ist ja Arbeit…

Durch den starken Wind habe ich sehr mit meinem Schild zu kämpfen. Gestern war es schon manchmal nicht leicht, doch heute ist es teilweise eine Tortur, die ich nur deshalb so gut ertrage, weil der Sport so spannend ist und mich ablenkt. Gelegentlich muss ich stehenbleiben oder das Schild ablegen, da der Wind auf drei Metern Höhe so sehr dagegen drückt. Zu diesem Zeitpunkt führe ich mir das erste Mal so richtig zu Gemüt, dass ich zum Arbeiten hier bin und nicht wie die Zuschauer Eintritt bezahlt habe und meinen freien Tag hier verbringe.

Das furiose Finale

Mit etwas Pech und einer kleinen Unkonzentriertheit beendet Adrian Otaegui eine gute, für ihn jedoch etwas enttäuschende Runde mit 10 Schlägen unter Par und belegt damit den geteilten fünften Platz. Johan Edfors gelingt ein guter dritter Platz, dank seiner finalen Risikobereitschaft. Chesters muss sich mit einer etwas enttäuschenden Runde mit dem geteilten achten Platz zufrieden geben. Beim Equipment wegbringen beeile ich mich, schnell noch etwas trinken, mir wurde schon ganz duselig von der Hitze und dem schweren Tragen. Zurück am 18. Grün genieße ich nach getaner Arbeit die jubelnde und tobende Masse, als der finale Flight naht. Die letzten Spieler erreichen das Grün. Spannung pur. Wer gewinnt, der französische Titelverteidiger Alexander Levy oder der Brite Jordan Smith. Schilder mit der Aufschrift „Quiet Please“ werden hochgehalten und die Masse verstummt. Die Spieler Putten und machen es noch einmal so richtig spannend, denn beide Spieler liegen am Ende gleich auf mit -13.

18. Loch beim Porsche European Open

Sudden Death Playoff

Die beiden Spieler müssen jetzt so lange das 18. Loch wiederholen bis einer besser spielt. Beim ersten Mal bleibt es beim Unentschieden. Es geht wieder zurück zum Abschlag. Beide Spieler liegen schlecht, doch Jordan Smith hat weniger Pech und gewinnt somit am Ende seinen ersten European Tour Titel – herzlichen Glückwunsch!

Zeit für die Siegerehrung und im Anschluss den offiziellen Fototermin mit dem Sieger. Nachdem Jordan Smith mit der Trophäe und den Sponsoren fotografiert wurde finden sich alle Volunteers zusammen und jubeln mit dem Sieger. Was für ein Moment.

Ein spezielles Get Together

Zum Abschluss läd uns die Koordination noch zum Grillen ein. Mehrere Dankesreden der verschiedenen Verantwortlichen fehlen nicht. Das Übliche. Doch dann gibt es eine Premiere. Der Sieger kommt in unser Zelt geschlichen und bedankt sich ganz persönlich noch einmal herzlich – fast schon intim – bei uns. Wow, Hut ab. Es ist schön zu sehen, dass auch solche Leute am Boden bleiben und aufgeregt sind.

Das waren meine Porsche European Open 2017

Zum Schluss seid ihr noch gefragt: Spielt ist auch Golf oder interessiert euch dafür? Hab ihr vielleicht sogar schon einmal bei einem Golfturnier als Volunteer gearbeitet? Auch im nächsten Jahr finden die Porsche European Open wieder in Green Eagle statt. Vielleicht treffe ich den ein oder anderen von euch dann dort als Helfer oder Zuschauer?

Porsche European Open 2017

16 comments

  1. cordiilein

    Hallo,

    jetzt hat mich das Golffieber gepackt – zum Glück beginnt am Wochenende mein erster Kurs 🙂

    LG Cordi

    Antworten

    1. Jonathan Kuhnert

      Stark!!
      Viel Spaß beim Spielen und Lernen.
      Hoffentlich meint das Wetter es gut mit dir.

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  2. Veg vom Zucker

    WOW, danke für diese Einblicke. Ich habe mir soetwas immer ganz anders vorgestellt. Liest sich sehr spannend! Und dir natürlich nachträglich noch HAPPY Birthday!

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    1. Jonathan Kuhnert

      Freut mich, dass Dir der Artikel gefällt.
      Wie hast Du es Dir denn vorgestellt?

      Antworten

  3. Nadine

    Uiuiui was für ein ausführlicher Beitrag. Ich habe zwar oft nur Bahnhof verstanden aber es war ein interessanter Einblick. Ich schaue mal im TV etwas Golf aber leider kann man mich für den Sport nicht so begeistern.

    Blöd, wenn das Wetter nicht mitspielt – in HH kann das ja schnell mal passieren.

    Liebe Grüße Nadine von tantedine.de

    Antworten

    1. Jonathan Kuhnert

      Da kann ich Dich total verstehen. Für Nicht-Golfer ist die Fachsprache manchmal etwas unverständlich.
      Umso mehr bedeutet es mir, dass Du trotzdem bis zum Ende durchgehalten hast.

      Antworten

  4. Alina

    WOW, das sieht nach wirklich jeder Menge Spaß und beeindruckenden Erlebnissen aus,
    da wäre ich glaube ich auch gerne dabei gewesen.

    Danke, dass Du uns so ausführlich mit auf Deine Reise genommen hast.
    Liebste Grüße,
    Alina

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    1. Jonathan Kuhnert

      Hab ich es da etwas geschafft jemanden für’s nächste Jahr zu animieren?

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  5. Dr. Sonia Jaeger

    Da schließe ich mich Nadine doch gleich an. Habe auch wenig Ahnung von Golf, aber ein spannender Einblick ist es auf jeden Fall, danke für den ausführlichen Bericht, wer weiß, vielleicht probiere ich es irgendwann auch doch noch aus 😉

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    1. Jonathan Kuhnert

      Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall.
      Geduld und Spaß an Bewegung im Freien sind ein guter Anfang.

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  6. Natalie Weigel

    Golf finde ich einen sehr interessanten Sport, aber ran getraut habe ich mich bisher noch nicht. Ich finde bei diesem Sport ist die Hemmschwelle recht groß ihn einfach auszuprobieren.

    Herzliche Grüße
    Natalie

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  7. natuerlichfrausein

    Ich habe im Frühjahr begonnen Golf zu spielen. Und ich muss sagen – das hätte ich selbst vorher nicht gedacht – es macht wirklich irre Spaß! Vor allem, wenn die Bälle wie gewünscht fliegen. 😉 Mit meinen langen Eisen muss ich allerdings noch kämpfen.

    Alles Gute nachträglich!
    Liebe Grüße, Nicoletta

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    1. Jonathan Kuhnert

      Das kämpfen wird und soll nicht aufhören. Beim Golfen findet selbst der beste Spieler noch Potential zum Verbessern. Es hat gut getan zu sehen, dass auch die Profis nicht jeden Ball dahin spielen, wo er hin soll.
      Viel Spaß auf Deiner nächsten Runde!

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  8. katpo007

    Ich habe mal angefangen Golf zu spielen, aber leider keine Zeit mehr dafür! Wettkämpfe live mitzuerleben ist schon was tolles. Ich kann deine Begeisterung nachempfinden, denn ich war bei zwei Olympischen Spielen dabei. Toller sehr ausführlicher Post, da bekomme ich schon wieder Lust;-)
    Viele liebe Grüße Katja

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  9. My Travel Diary USA

    Das hört sich nach einem recht spannendem Abenteuer an. Mit Golf kenne ich mich leider überhaupt nicht aus, aber ein sehr interessanter und mitreißender Post.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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    1. Jonathan Kuhnert

      Es freut mich sehr, auch dich als Nicht-Golferin mit diesem Artikel erreicht zu haben. Danke für deinen Kommentar.

      Antworten

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