Filmkritik: Berlin Syndrom

Filmkritik: Berlin Syndrom

Mein Fazit

Berlin Syndrom: Als die Backpackerin Clare Berlin erreicht, ahnt sie nicht, wohin sie diese Reise führen soll…

4 von 5 Popcorntüten

Bereits die bildliche Anmutung lässt von Beginn an vermuten, dass es sich bei Berlin Syndrom um keine klassische Romanze handelt. Neben bildlichen Stilmitteln, der Kameraführung, der Motivwahl und den schauspielerischen Leistungen schafft es Regisseurin Cate Shortland einen packenden Thriller auf die Leinwand zu zaubern, der sich mit den Themen Liebe, Lust, Kontrolle, Sexualität, Einsamkeit und persönliches Leid und Wachstum beschäftigt. Backpacker seid gewarnt!

Eine Australische Produktion mit deutschen Schauspielern

Besonders gut finde ich, dass die deutschen Charaktere auch von deutschen Schauspielern gespielt werden. Das ist vor allem bei amerikanischen Produktionen oft nicht der Fall. Man denke hier zum Beispiel an Pitch Perfect 2, wo die „deutsche“ Hauptdarstellerin von einer Dänin gespielt wird oder an X-Men, wo Magneto in einer Bar auf Deutsche trifft, die definitiv nur ein paar deutsche Sätze aufsagen. Als Deutsche finde ich das immer extrem anstrengend oder auch ein Stück weit beleidigend, wenn Nicht-Deutsche Deutsche verkörpern und nur ein paar Wörter mit strengstem Akzent vor sich her plappern, wo wir doch tatsächlich einige talentierte Schauspielern vorweisen können wie Max Riemelt beweist. Daher Chapeau an die australischen Produzenten und an die Regisseurin Cate Shortland von Berlin Syndrom!

Interessante Namenwahl

Dafür finde ich die Auswahl des Namens Frankas als zentrale deutsche, weibliche Figur in Berlin Syndrom sehr amüsant und etwas fragwürdig. Bei dem Namen, in Kombination mit Berlin, denkt man sicherlich an Franka Potente. Ansonsten ist Franka jedoch nicht der typische deutsche Vorname. Ich habe bei Vornamen.de einmal nach geguckt und gesehen, dass der Name auf Platz 729 der beliebtesten deutschen Vornamen liegt. Die Auswahl dieses Namens ist daher vielleicht etwas fragwürdig, da ausländische Produktionen in der Regel oft auf sehr klassische, ortstypische Vornamen zugreifen.

Deutsche Drehorte

Neben der Auswahl von deutschen Schauspielern begrüße ich auch, dass die Außenszenen tatsächlich in Berlin gedreht wurden. Damit haben die Dreharbeiten im Übrigen begonnen, sodass die Hauptdarsteller Teresa Palmer und Max Riemelt zunächst eine Bindung zueinander aufbauen konnten, bevor es an die intimen Szenen ging. Diese Authentizität hat Berlin Syndrom definitiv gut getan und ihn dadurch noch realer wirken lassen.

Australiens Kristen Stewart!?

Neben den vorher genannten Punkten spielt jedoch vor allem auch die überragende schauspielerische Leistung von der Australierin Teresa Palmer eine entscheidende Rolle für die Qualität von Berlin Syndrom. Die Schauspielerin erinnert optisch extrem an  Kristin Stewart und auch die Mimik ist sehr ähnlich. Jedoch sollte sie mit ihr definitiv nicht in einen Topf geworfen werden. Ich finde es beeindruckend, wie es Palmer gelingt den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen und wie sie es schafft Clares Facetten und Stadien der Verzweiflung und ihren Mut darzustellen.

Nichts für zart besaitete

Achtung, nichts für Personen mit leichtem Magen. Ich bin eigentlich recht hart gesonnen, doch auch ich konnte das ein oder andere Mal wirklich nicht hinschauen. Schon das Zuschauen tut extrem weh – wenn Ihr Berlin Syndrom gesehen habt, wisst ihr, was ich meine. Hinzukommt, dass man den Schauspielern den augenscheinlichen Schmerz extrem abkauft. Da hoffe ich nur, dass sie sich nicht wirklich weh getan haben.

Spannung auf Länge

Obwohl Berlin Syndrom durchgehend spannend bleibt, ist der Thriller mit einer Spielzeit von 116 Minuten definitiv zu lang. Insgesamt würde den Film aber eine Kürzung von zehn bis 15 Minuten gut tun, da sich das Setting so selten ändert, dass man das Gefühl bekommt in einer Art Spirale zu stecken, die ein, zwei Windungen zu viel hat. Der Film ist nichtsdestotrotz extrem spannend und packend gestaltet! Vom Erzählstrang gibt es zwar den ein oder anderen Logikfehler im Verhalten von Clare, jedoch dient dies der Steigerung der Dramaturgie und sei deshalb entschuldigt. Aber manchmal denkt man als Schauspieler nur: „Nein, nicht!“ – gehört ja aber auch irgendwie zu einem guten Thriller dazu.

Beklemmung pur!

Als Zuschauer geht man definitiv mit einem beklemmenden Gefühl aus dem Kino. Das ist vielleicht nicht unbedingt, das tollste Gefühl nach einem Kinobesuch, jedoch spricht es für die Qualität des Films! Es zeigt, dass der Zuschauer komplett in die Welt von Clare eingetaucht ist und mit ihr gelitten hat. Jedoch spreche ich hiermit eine Warnung aus: Liebe Backpacker, schaut Euch diesen Film bitte nicht an. Berlin Syndrom zeigt auf, welche Gefahren das Reisen alleine birgt und wirft leider, leider ein schlechtes Bild auf Berlin. Ich zumindest verspüre nach Berlin Syndrom erst einmal nicht das Verlangen mich alleine auf Reisen zu begeben…

14 comments

  1. nasentroll

    Danke für diese ausführliche Kritik. Ich glaub‘ ich habe endlich einen Film gefunden, den meine Frau und mich interessieren könnte.

    Liebe Grüße,

    Tobias 🙂

    Antworten

    1. Jil

      Liebe Tobias, das freut mich! Berichte doch gerne Mal, wie er euch dann gefallen hat 🙂

      Antworten

  2. Elisa Zunder

    Der Film sagte mir bis ebene gar nichts. Dein Rezension hat mich allerdings echt neugierig gemacht.
    Danke dafür!

    Liebste Grüße,
    Elisa von http://www.elisazunder.de

    Antworten

    1. Jil

      Ja, der wird auch kaum beworben. Aber der ist echt cool! Also schau ihn Dir an!

      Antworten

  3. Denise

    Wow jetzt hast du mich wirklich neugierig gemacht! Das ist ein Film nach meinen Geschmack und da ich zum Glück so und so nicht alleine reise werde ich mir den gleich mal ansehen 😀
    Das mit den Deutschen die eigentlich keine Deutschen sind finde ich auch immer ganz komisch. Das gleiche wenn jemand einen Österreicher spielt der gar keiner ist (wobei mir das selbst alleine schon wegen dem Dialekt noch schlimmer vorkommt)

    Viele Grüße
    Denise von
    http://www.lovefashionandlife.at

    Antworten

    1. Jil

      Liebe Denise, da bin ich ja beruhigt, dass es Dir auch so geht! Ich gucke alle Filme – sofern möglich – auf Englisch und dann finde ich das soooo anstregend mit diesen „Fakedeutschen“…. Ich freue mich auf Dein Feedback zum Film!
      Beste Grüße
      Jil

      Antworten

  4. ftuchscheerer2017

    Tja…der sagt mir jetzt aber gar nichts. Und jetzt bin ich ehrlich gesagt sehr gespannt, man kann sagen du hast mich neugierig gemacht. Sollte man vielleicht mal anschauen, gefällt mir.
    LG Frank

    Antworten

    1. Jil

      Das freut mich! Ich hoffe er gefällt Dir! 🙂

      Antworten

  5. Lia

    Ich finde es auch toll, dass sie auf deutsche Schauspieler setzen.

    LG Conny

    Antworten

  6. Lena

    Hi liebe Jil
    Oh, ich kannte diesen Film noch gar nicht, aber du hast mich richtig neugierig gemacht. Toll, dass deutsch Schauspieler dabei sind.
    Ganz liebe Grüsse Lena

    Antworten

    1. Jil

      Hey Lena,
      dann hoffe ich, dass Du ihn Dir auch anguckst und für gut befindest 😉
      Schönen Abend noch!
      xoxo

      Antworten

  7. Filme der Woche:KW 21 | Jil's Blog

    […] Meine Filmkritik zu Berlin Syndrom findet Ihr hier. […]

    Antworten

  8. Jana

    Hey,
    deine Kritik gefällt mir wirklich gut,
    du hast auf einige Aspekte aufmerksam gemacht, auf die ich vorher noch gar nicht gekommen war/ die mir nicht aufgefallen sind, wie zum Beispiel die Namenwahl von Franke. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen darüber nachzudenken. Gefällt mir aber richtig gut der Gedanke
    Falls du Lust hast, schau dir doch mal meine Kritik zu dem Film an:
    https://cineastik.blogspot.de/2017/07/kritik-zu-berlin-syndrom.html
    Liebe Grüße
    Jana

    Antworten

    1. Jil

      Liebe Jana, vielen Dank für Dein Feedback! Ich schaue gerne gleich bei dir vorbei!
      Beste Grüße
      Jil

      Antworten

Kommentar verfassen