Filmkritik: Die Schöne und das Biest

Filmkritik: Die Schöne und das Biest

Disney erweckt seinen Klassiker Die Schöne und das Biest mit Emma Watson in der Hauptrolle der Belle erneut zum Leben.

3.5 von 5 Popcorntüten

26 Jahre nachdem die Walt-Disney-Studios das französische Volksmärchen Die Schöne und das Biest erstmalig als Zeichentrickfilm auf die Leinwand gezaubert haben, folgt nun die Realverfilmung. Damit führt Disney seinen Trend der Realverfilmungen fort. Neben The Jungle Book, Maleficent – Die dunkle Fee sollen noch weitere Disney-Klassiker wie Der König der Löwen und Die kleine Meerjungfrau folgen (Quelle: Fokus.de). Doch zunächst mehr zu dem aktuellen Kinohit Die Schöne und das Biest.

Die Handlung

Die kluge und anmutige Belle (Emma Watson) lebt mit ihrem leicht exzentrischen Vater Maurice (Kevin Kline) ein beschauliches Leben in der Kleinstadt Villeneuvef. Die viel belesene Belle gilt als Sonderling der Gemeinschaft. Dennoch hat sich der rüpelhafte und arrogante Dorfschönling Gaston (Luke Evans) in den Kopfgesetzt, die junge Frau zu heiraten. Seine Avancen weist Belle jedoch stets zurück. Stattdessen träumt sie von Abenteuern und Romantik in einer Welt weit hinter den Grenzen ihres französischen Heimatörtchens.

Als Maurice sich eines Tages auf dem Weg zum Markt befindet, um seine Kunstwerke zu verkaufen, wird er von Wölfen attackiert. Orientierungslos irrt er im Wald umher und stößt dabei zufällig auf ein einsames Schloss, das von Schnee und Eis bedeckt ist. Maurice sucht darin Zuflucht, entflieht jedoch alsbald er feststellt, dass es sich um ein verzaubertes Schloss handelt. Die Haushaltsgegenstände in dem Schloss sind lebendig. Auf dem Weg aus dem Schloss pflückt er noch eine weiße Rose für seine Belle, da er ihr wie jedes Mal, wenn er zum Markt fährt, eine mitbringen möchte. Das Biest, der Herrscher des Schlosses, nimmt den Dieb daraufhin fest und sperrt ihn in einem Turmzimmer ein.

Maurices treues Pferd Philippe kehrt zu Belle zurück, die sich daraufhin auf die Suche nach ihrem Vater macht. Im Schloss angekommen bietet Belle an, obwohl sie sich vor dem Schlossherren fürchtet, den Platz ihres Vaters einzunehmen, worauf sich das Biest einlässt. Die Bewohner des Schlosses erkennen die Chance dank Belle den Fluch, der über dem Schloss liegt, endlich zu brechen. Denn das Biest und seine Gesellschaft soll nur vom Fluch erlöst werden, wenn das Biest lernt, andere zu lieben, und sich im Gegenzug würdig erwies, von anderen geliebt zu werden, noch ehe das letzte Blütenblatt der einer verzauberten Rose abfällt… sonst müsste er in der Gestalt des Biests und seine Angestellten in ihren seelenlosen Formen bleiben – gefangen im Schloss für alle Ewigkeit.

Doch in Anbetracht ihrer konfliktbeladenen Beziehung, voll von Feindseligkeit, scheint Romantik zwischen Belle und dem Biest ausgeschlossen zu sein. Nach und nach freundet sich Belle jedoch mit den verzauberten Bediensteten im verwunschenen Schloss des Biests an und lernt mit der Zeit hinter die abscheuliche Fassade des Biests zu blicken.

Ihr Vater ist indessen nach Villeneuvef zurückgekehrt und versucht, die Gemeinschaft Existenz des verwunschenen Schlosses und des Biestes zu überzeugen. Diese erklären ihn jedoch für verrückt und wollen ihn ins Irrenhaus verfrachten. Voller Sorge um ihren Vater möchte Belle zurückkehren, um ihren Vater zu retten.

Mein Fazit

Luke Evans als Gaston und Josh Gad als Le Fou sind definitiv meine Lieblingsbesetzungen von Die Schöne und das Biest. Die beiden Schauspieler verkörpern die Originalzeichentrickfiguren mit jeder Faser ihres Seins, ihrer Mimik und Gestik. Großer Aufreger von Die Schöne und das Biest ist der erste Kuss zwischen Schwulen, den Disney zeigt. Aus diesem Grund soll der Film sogar in Russland verboten werden. Meiner Meinung nach hatte Le Fou aber auch schon in der Zeichentrickversion einen schwulen Touch, der in der Realverfilmung von Gad nur noch stärker verdeutlicht wird. Für mich daher definitiv kein Problem, sondern absolut richtig. Was ich auch grundsätzlich überhaupt nicht schlimm finde, was aber beim Schauen extrem auffällt, ist die Integration Disney’s von Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft.

Eine Ausdruckslose Emma Watson

Als eingefleischter Harry Potter-Fan tut es mir in der Seele weh es zu sagen, aber Emma Watson hat mich in Die Schöne und das Biest leider nicht überzeugen können. Die meiste Zeit hat sie ein und denselben Gesichtsausdruck eines erschreckten Mäuschens. Das erinnert zwar stark an das Zeichentrickoriginal, doch wirkte es bei der gezeichneten Belle irgendwie lebendiger. Sehr, sehr schade, da sie optisch der Belle ausgezeichnet entspricht, wobei Watson meiner Meinung nach auch etwas an Grazie fehlt. Dafür überzeugt Watson durch eine überraschend gute und wohlklingende Gesangsstimme!

Achtung Kinderfilm

Aber Achtung Kinderfilm! Diesen Faktor bemerkt man vor allem bei dem Punkt Gesang. Denn bei der deutschen Synchronisation wurden auch die Lieder auf Deutsch umgetextet. Dadurch verliert mein Lobfaktor der hervorragenden Gesangsstimmen der Schauspieler leider stark an Gewicht. Die Lippensynchronität lässt hier auch mehr als zu wünschen übrig, wovon Ihr Euch beim folgenden Video selbst ein Bild machen könnt.

Diese Schauspieler wurden zu verzauberten Gegenständen

Da ein Großteil der mitspielenden Charaktere die meiste Zeit über Gegenstände sind, wird erst ganz zum Schluss klar, wer und vor allem welche Schauspieler sich hinter den Figuren verstecken. Wer oft Filme in OV anschaut und vor allem anhört, wird vielleicht die eine oder andere Stimme wieder erkannt haben. Ich war sowohl erstaunt als auch freudig überrascht über die Auflösung. Gleichzeitig frage ich mich jedoch, ob die Gagen für die Gastauftritte und Synchronisierung daran schuld sind, dass an den Kostümen augenscheinlich gespart wurde.

Die Schauspieler hinter Lumiere & Co.

Kein Oscar für die Kostüme in Sicht

Denn, was ist denn da passiert? Die Schöne und das Biest bezauberte schon damals durch die wundervollen Kleider und natürlich vor allem durch das gelbe Ballkleid von Belle. Entsprechend großen Augenmerk haben die Kostüme in der Realverfilmung verdient. Hätten sie zumindest. Jedoch sieht vor allem das Ballkleid minderwertig aus. Das Oberteil besteht aus Chiffonmaterial, das lieblos mit „Goldfasern“ durchzogen ist. Auch der Rock, gerade von hinten, sieht so aus, als wäre er nur schnell zusammengenäht worden. Insgesamt wirken die Kostüme etwas lieblos und nicht so detailverliebt, wie es angemessen wäre.

Highlight: Die „verzauberten“ Haushaltsgegenstände

Zu den Highlights von Die Schöne und das Biest zählen auf jeden Fall die animierten Gegenstände wie Chip, Lumière und Co. Die Figuren wirkten nahezu lebendig. Und so sieht die Interaktion zwischen Animation und den realen Figuren natürlich aus. Den Gegenständen einen menschlichen Touch zu geben, ist ebenfalls mehr als gut gelungen. Nur das Biest an sich gefällt mir nicht zu 100 %. Seine Mimik wirkt teilweise sehr menschlich und gleichzeitig stellenweise sehr unnatürlich.

Ergänzende Apskete zur Grundgeschichte

Zwar hält sich die Realverfilmung von Die Schöne und das Biest extrem nah an das Zeichentrickoriginal, jedoch hat es einige ergänzende Aspekte hinzugefügt. So erfährt man etwas über Belles Mutter und mehr über die Vergangenheit des Prinzen. Damit werden fast alle Fragen von diesem Posting von Beatriz Serrano auf BuzzFeed endlich beantwortet. Nüchtern gesehen, musste aber Disney schließlich einen neuen Aspekt zu der Geschichte hinzufügen, damit sie eine richtige „Daseinsberechtigung“ hat.

Neue Zeitachse

Eine gelungene Realverfilmung

All der Kritik zu trotz ist die Realverfilmung von Die Schöne und das Biest aber definitiv gelungen. Meiner Begleitperson bei der Pressevorführung fehlte etwas der Disneyzauber, der bei mir aber voll an kam. Ich bin beim Gucken tief in die Welt von Belle eingesunken und habe mich von der Musik, dem Tanz und den Animationen in ihren Bann ziehen lassen. Spannung kommt  jedoch für diejenigen nicht so wirklich auf, die, das französische Märchen von Die Schöne und das Biest bereits aus ihren Kindheitstagen kennen. Die Ergänzungen sind dafür ein nettes Goodie. Mir gefällt diese Neuverfilmung auf jeden Fall 1.000mal besser als die von The Jungle Book. Jedoch habe ich gerade von Emma Watson mehr erwartet. Was bleibt, ist der wundervolle Soundtrack, den ich mir definitiv noch das ein oder andere Mal anhören werde.

Jetzt auf DVD oder Blu-ray vorbestellen (Erscheinunsgdatum: 10. August 2017).

Trailer zu „Die Schöne und das Biest“

5 comments

  1. Jimena

    Das ist wirklich eine ganz tolle Zusammenfassung und interessante Kritik! Ich werde mir den Film am Freitag angucken und bin schon unheimlich gespannt 🙂

    Liebe Grüße
    Jimena von littlethingcalledlove.de

    Antworten

    1. Jil

      Danke Dir! Dann wünsche ich Dir ganz viel Spaß! Kannst Dich dann ja mal erzählen, wie Du ihn fandest 🙂
      Beste Grüße
      Jil

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  2. Puderperlen

    Eine tolle und detaillierte Kritik!
    Ich bin selbst ein großer Disney-Fan, wobei mir die Zeichentrickfilme immer noch am besten gefallen 🙂

    Viele Grüße, Larissa

    Antworten

    1. Jil

      Hey Larissa,
      danke für Dein Feedback! Ja, mir gefallen die alten Zeichentrickfilme auch immer noch am besten. Hab alle noch als VHS im Keller 😀
      Lieben Gruß,
      Jil

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  3. Filmkritik: Guardians of the Galaxy Vol. 2 | Jil's Blog

    […] Detail überzeugt und bezaubert. Bei diesem Anblick musste ich direkt an das Ballkleid von Belle in Die Schöne und das Biest denken, das mich ja alles andere als vom Hocker gerissen […]

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