Philae Tempel bei Assuan

Reisebericht: 11. Tag Ägypten – Assuan

Heute Nacht sind wir im Hafen von Assuan eingelaufen. Dies ist die letzte Station unserer Nilkreuzfahrt. Auf dem heutigen Tagesprogramm steht ein Ausflug zum Assuan-Staudamm an, eine Fahrt zum Tempel von Philae sowie ein Besuch in einem Nubischen Dorf. Gewohnt früh treffen wir uns also alle zusammen beim Frühstück. Kim und Sebi, die wieder einmal am längsten ausgeharrt haben letzte Nacht, haben für Leo und mich ein kleines Suchbild vorbereitet, dass Kim extra heute Morgen noch einmal bei Licht neugeschossen hat. Während ich versuche zunächst eine Auffälligkeit auf unserem Deck ausfindig zu machen, schweift mein Blick doch noch nach oben links. Na? Könnt ihr es sehen? Richtig! McDonalds liegt direkt neben unserem Anlieger! Meine Euphorie hält sich allerdings etwas in Grenzen, ging es mir doch am nächsten Tag nach unserem letzten McDonalds Besuch so schlecht. Dennoch definitiv eine Option, wenn das Essen mal wieder einmal unausstehlich ist.

McDonalds in Assuan

Assuan-Staudamm

Die Fahrt zum Assuan-Staudamm führt uns zunächst über die alte Staumauer. Nach einer knappen Stunde passieren wir die Kontrolle und fahren auf den neuen Staudamm, der auch es-Sadd el-Ali genannt wird. Wirklich viel gibt es hier allerdings nicht zu sehen. Die Schleusen sind zu und so haben wir nur einen schönen Blick auf den Nassersee. Hier ist übrigens die einzige Chance noch echte Nilkrokodile zu sehen. Man muss sie dennoch aktiv suchen. Mohamed erzählt, dass seine Kollegen, die Fahrten auf dem Nassersee noch nie welche gesehen haben sollen. Nilpferde gibt es leider gar keine mehr. Außer man hält sich an die Beschreibung von Mohamed: „Seht, da ist ein Pferd und es ist im Nil, also ist es ein Nilpferd.“ Wir schießen also ein paar Fotos vom Staudamm und dem Ehrenmal, das ein Symbol der Freundschaft zwischen Russland und Ägypten ist. Die damalige Sowjetunion unterstützte damals Ägypten bei der Planung des Staudamms und steuerte auch entsprechend Geld hinzu.

Autounfall in Assuan

Auf dem Rückweg sehen wir dann das, was ich schon viel früher erwartet habe zu sehen: Einen Autounfall. Zum Glück sitze ich heute am Fenster und sehe nicht genau wie es passiert ist. Auf jeden Fall ist ein Militärwagen ins Schleudern und Schaukeln gekommen und ist daraufhin umgekippt. Ein Soldat, der nur außen am Auto hing wurde weggeschleudert und ist zunächst auf der Straße liegen geblieben. Sämtliche Autos haben direkt angehalten, um den Soldaten zu helfen. Schnell sind alle Soldaten aus dem Auto gezogen worden und der Wagen steht wieder. Auch Mohamed geht helfen, während der Polizist, der in unserem Wagen sitzt, ohne dass wir es wussten, Hilfe ruft. Doch glücklicherweise stehen alle Soldaten nach kurzer Zeit wieder. Weitestgehend unverletzt. Mohamed berichtet, dass es allen gut geht und so fahren wir weiter.

Besuch in der Parfümerie

Zwar sind wir immer noch etwas geschockt, doch beruhigt mich die Tatsache, dass es zum einem allen gut geht und zum anderen, dass so viele Helfer sofort zur Stelle waren. Wir erreichen also unser nächstes Ziel: Eine staatlich geführte Parfümerie. Hier lernen wir einiges über die einzelnen Essenzen aus denen Parfüms gemischt werden und welche hinter berühmten Parfüms wie Channel No. 5, Jil Sander, Tommy Hilfiger und Co. stecken. Außerdem werden uns Heilessenzen näher gebracht und wogegen sie helfen. Wer also Potenzprobleme hat, sollte dort mal anklopfen ;-). Als es schließlich ums Verkaufen geht, werden wir still. Bis auf Jens, der sich gleich nach Literpreisen erkundigt. Da die Parfümerie allerdings maximal in 300 ml Flaschen die Essenzen verkauft, verzichtet Jens lieber. Hach, der Jens.

Tempel von Philae

Während der Rest der Ausflugstruppe zurück zum Schiff fährt, bleiben Kim, Mohamed und ich zurück. Wir warten auf unser Auto, das uns zum Tempel von Philae fahren soll und auf sich warten lässt. Mohamed fackelt nicht lange und beschwert sich direkt beim Reisebüro darüber. Das lange Warten lohnt sich dafür aber. An Stelle eines Kleinbusses, mit dem wir sonst immer durch die Gegend fahren, fährt doch tatsächlich ein richtiges Auto vor mit Ledersitzen und allem! Es war ein Hyundai, mehr weiß ich nicht mehr, also bitte nicht weiter nachfragen. Die Fahrt ist auf jeden Fall ein purer Genuss!

Jil vor dem Trajan-Kiosk des Augustus
Ich vor dem Trajan-Kiosk des Augustus.

Kurzer Zeit später müssen wir das Auto aber schon wieder verlassen. Dafür geht es weiter mit einem kleinen Boot rüber auf die Insel, auf dem der Tempel von Philae steht. Wie so viele Tempel, wurde aber auch der Tempel von Philae von der Insel Philae auf die Insel Agilikia versetzt. Dies war im Zuge der Stauung des Nassersees notwendig. Anderen Falls wären viele Tempel heute unter Wasser. Die bekanntesten Tempel sind dabei wohl die von Abu Simbel. Genaueres dazu erfahrt ihr morgen.

Der Tempel von Philae beschreibt ein Tempelkomplex in Oberägypten und liegt etwas acht Kilometer südlich von Assuan. Das Hauptgebäude ist der Göttin der Geburt, Wiedergeburt und der Magie Isis gewidmet. Besonders prägnant ist auch der Trajan-Kiosk des Augustus (s.o.), der von Römern erbaut wurde. Entsprechend jung ist der Tempelkomplex. Er gehört zu einer der letzten altägyptischen Tempelbauten, die errichten wurden und wo altägyptische Religion bis zuletzt praktiziert wurde.

Kim und ich sammeln Mohamed im Café wieder ein, wo er mit einem guten Freund noch einen Tee getrunken hat. Besagter Freund hatte uns vorher im Tempel etwas irritiert, da er Mohamed mit einem Laserpointer angeleuchtet hatte. Dafür entschuldigt er sich noch einmal, was er aber gar nicht muss, schließlich hatte Mohamed die Situation schon lange aufgeklärt. Mit dem Bötchen geht es wieder Richtung Assuan. Der Steg zum Festland ist gesät mit kleinen Verkaufsständen. Da hier die Verkäufer ausnahmsweise nicht so aufdringlich sind, nutzen wir die Gelegenheit und schauen uns in Ruhe um. So wirklich ist aber nichts dabei. Kurz bevor unser Auto kommt, dass uns zurück zum Schiff bringt, werden uns von einem Jungen aber noch Lesezeichen angebaut. Da investieren wir für 10 Stück doch gerne mal zwei Euro. Kim und ich haben kleine Mitbringsel und der Junge freut sich über etwas Geld, womit alle glücklich wären.

Mohamed klärt auf!

Die Rückfahrt zur MS Esodora Royal nutzen wir dazu Mohamed einige Fragen zu der ägyptischen Kultur zu stellen und sind überrascht, wie offen Mohamed mit uns spricht. So haben wir bereits von einem anderen Mohamed erfahren, dass Bauchtänzerinnen in Ägypten als „Schlampen“ angesehen werden. Doch haben wir uns gefragt, wie es denn um Prostitution und ähnliches hier aussieht.

Prostitution in Ägypten

Mohamed erzählt, dass Prostitution und Freudenhäuser in Ägypten in den 60er und 70er Jahren erlaubt waren. Zu dieser Zeit liefen die ägyptischen Frauen in Miniröcken und unverschleiert herum. Doch dann gab es einen Umbruch und die Religion hat wieder an Gewicht gewonnen. Seitdem tragen die muslimischen Frauen wieder Kopftücher und verhüllen ihre Körper mit weiten Kleidern. In den Großstädten gibt es allerdings wieder die „modernen Frauen“, die Jeanshosen und ihr Haar offen tragen. Also ihren Körper zeigen. Und selbstverständlich steht auch hier Prostitution an der Tagesordnung. Wer erwischt wird, erwartet allerdings harte Strafen. Die Prostituierten sind auch nicht, wie wir uns dachten, etwa Russinnen oder ähnliches, sondern tatsächlich Ägypterinnen. Hier wird so viel Geld gemacht, wie in kaum einen anderen Beruf. Wenn man bedenkt, dass ein Lehrer oder eine Lehrerin im Durchschnitt 300 bis 400 ägyptische Pfund im Monat verdient, ist dieses Gewerbe durchaus attraktiv.

Polygamie im Islam

Auch erklärt uns Mohamed, was es mit der Polygamie im Islam auf sich hat. Wurde uns bisher das Gefühl vermittelt, dass hier jeder Muslime beliebig viele Frauen haben und heiraten kann, klärt Mohamed auf, dass das so nicht stimmt. Muslimen ist es nur in Einzelfällen erlaubt eine zweite Frau zu heiraten und dies auch nur in Absprache und mit Erlaubnis der Ehefrau. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn eine Frau keine Kinder bekommen kann oder sie so schwer krank ist, dass sie nicht ihren häuslichen Pflichten nachkommen kann. In diesen Fällen, kann das Ehepaar gemeinsam besprechen, ob der Mann noch eine zweite Frau zu sich nehmen soll und darf.  Ansonsten herrscht auch im Islam Monogamie oder die Männer gehen schlichtweg fremd! Das erklärt auch, weshalb der Hotelmanager in der Nacht des Wasserschadens mir und Khai von seiner heimlichen (!) russischen Frau erzählt hat.

Beusch im Nubischen Dorf

Zurück auf dem Schiff wartet schon das Mittagessen auf uns und nach kurzer Zeit auf dem Sonnendeck, wartet schon der nächste Ausflug zum Nubischen Dorf auf uns. Dabei werden wir ganz dekadent direkt am Schiff mit einem Boot abgeholt. Die Fahrt zum Dorf führt uns durch enge Kanäle des Nils, an denen wir diverse Wasservögel zu Gesicht bekommen. Außerdem halten wir kurz an einem Mimose-Baum. Dessen Essenz wir am Vormittag gerochen haben. Im Nubischen Dorf angekommen erwarten uns Verkaufsstände.

Jil und das Nilkrokodil

Etwas ernüchtert betreten wir das Haus der Nubier, das wird heute besuchen dürfen. Die Nubier halten extra für uns lebendige Krokodile. Eins davon dürfen wir sogar auf den Arm nehmen. Ganz schön schwer die Dinger. Bei einem Tee erzählt uns Mohamed etwas über die Bauweise der Lehmhäuser, die nur von einem Strohdach abgedeckt werden. Ähnlich wie schon das Beduinendorf wirkt auch diese etwas inszeniert, wobei ich durchaus glaube, dass die Menschen hier leben, nur stark auf den Tourismus ausgerichtet sind. Kim war im letzten Jahr in einem anderen Dorf, das sich auf der anderen Nilseite befindet und lediglich einen kleinen Verkaufsstand im Haus der Familie hat. Wir gehen dafür die gesamte Verkaufspromenade entlang und sehen dabei zu wie Jens noch ein paar Gewürze kauft. Ich nehme mich seinem Beispiel kurzerhand an und kauf auch ein kleines Päckchen vom guten ägyptischen Kurkuma.

Nubischer Abend

Mit dem Sonnenuntergang geht es zurück zum Schiff. Nach dem Abendessen machen wir es uns mit ein paar Drinks und unseren Karten im hinteren Teil der Bar gemütlich. Dann werden wir aber doch von den arabischen Klängen angelockt. Ein Blick auf die Tanzfläche verrät, dass jetzt Action angesagt ist. Wir suchen uns also in großer Gruppe mit Sebi, Leo, Horst, Micha, Simi, Fio, Erika, Norbert und wer nicht noch alles dabei war, ein gemütliches Plätzchen und schauen uns die Tänze der Nubier an. Natürlich können wir den Anblick nur für kurze Zeit genießen, dann von jetzt auf gleich, sind wir mitten drin und voll dabei! Wir machen eine Polonaise, tanzen im Kreis unserem Vortänzer alles nach und dann wird geschrien. Ein Tänzer wirft sich in „afrikanische“ Kleidung, setzt sich eine Krone auf und schreit uns auf Africans an, was wir daraufhin erwidern. Soweit so gut. Dann pickt er uns allerdings nacheinander heraus und die Sätze werden länger und komplizierter. Kim macht den Anfang und so habe ich Zeit mir eine Erwiederung zu überlegen. Ich Südafrika habe ich etwas Africans gelernt, bekomme meinen Satz aber nicht ganz zusammen. Ich entscheide mich also für „Hakuna Matata!“ Der Saal bricht in schallendes Gelächter aus und zack hab ich die Krone auf dem Kopf!

MS Royal Esadora

Insgesamt war die Veranstaltung wirklich sehr lustig und wir hatten zusammen großen Spaß! Schade, dass solche Abende so selten auf dem Schiff initiiert werden. Es gab zwar bereits einen Traditionellen Abend, an dem man dazu aufgerufen wurde in traditionell ägyptische Kleidung zu erscheinen. Jedoch wurde dieser wenig propagiert und es wurden auch nur kleine Spielchen gespielt. Also nicht allzu spannend. Heute war aber wirklich schön und so gehen wir mit einem Lächeln auf den Lippen ins Bett.

3 comments

  1. Janet Büge

    Hallo ich habe mit viel Interesse euren Reisebericht verfolgt.

    Meine Frau und ich werden diese Nilkreuzfahrt im April auch unternehmen.

    Habt ihr uns noch ein paar Insidertipps für das Leben aufm Schiff und zu den Ausflügen?

    Gab es Teilnehmer, die gar kein Ausflugspaket übers Schiff gebucht haben? Worüber habt ihr den Ausflug zum Philaetempel gebucht und die Ballonfahrt?

    Könntet ihr uns die jeweiligen Abfahrtszeiten des Schiffes sagen, damit man ungefähr Ausflüge buchen kann?

    Danke, wir freuen uns von euch zu hören, lg Janet

    Antworten

    1. Jil

      Hallo Janet,

      freut mich, dass Dir unsere Reiseberichte gefallen :).

      April ist eine gute Zeit für die Nilkreuzfahrt, da es noch nicht zu heiß sein sollte. Achtet dennoch darauf, dass ihr Euch auch bei (Fahrt)Wind unbedingt eincremt. In Ägypten vergisst man gerne bei einem kühlen Lüftchen, welche Kraft die Sonne dennoch hat.
      Ihr solltet auf jeden Fall vermeiden Leitungswasser zu trinken oder überhaupt in den Mund zu nehmen. Nehmt Euch daher auf jeden Fall abends immer eine Wasserflasche mit ins Zimmer, um Euren Mund nach dem Zähneputzen auszuspülen und haltet Euren Mund beim Duschen geschlossen. Auch im Pool solltet ihr möglichst wenig Wasser schlucken ;-). Verzichtet auch unbedingt auf Eiswürfel in Euren Getränken. Egal, was die Euch erzählen. Die sind zu 99% NICHT aus gefilterten Wasser. Holt Euch mal in der Apotheke Omnibiotic Reise. Das wurde mir leider erst nach unserer Ägyptentour, soll aber sehr gut gegen Magenprobleme helfen.

      Wir haben alle Ausflüge über unseren Reiseveranstalter vor Ort gebucht, da es schlichtweg einfacher war. (Du kannst dazu gerne nochmal Tag 7 angucken.) Die Ausflüge sind immer so geplant, dass das Schiff nach der Rückkehr ziemlich zügig weiter fährt. Da man aber in Luxor gut 2,5 Tage, in Assuan ca. 2 Tage steht und Tempel wie der Kom Ombo sich direkt am Anleger befinden, könnte man die Ausflüge hier auch auf eigene Faust angehen, würde ich aber nicht unbedingt empfehlen. Die Eintritte sind zwar absolut lächerlich im Vergleich, was Du bei der Reiseleitung zahlst, Du gehst dann aber in den Tempel ohne irgendwelche Informationen über den Tempel zu bekommen. Daher würde ich doch grundsätzlich empfehlen alles über den Veranstalter zu buchen. Es kann ansonsten auch mal kompliziert mit de Hin- und Rückfahrt werden.

      Den Tempel von Philae haben wir entsprechend auch über Schauinsland gebucht. Da der Tempel 8 km außerhalb von Assuan liegt und man mit einem Boot noch herüberfahren muss, das im besten Fall auf Euch warten sollte, finde ich hier einen Ausflug auf eigene Faust besonders schwierig. Auch die Ballonfahrt haben wir über Schauinsland gebucht. Hier lässt sich aber wirklich sparen, denn alle, die die Fahrt buchen, werden gleichermaßen abgeholt. In einem Reisebüro beim Luxor Tempel nahe des McDonalds kann man die Ballonfahrt für nu 25 € buchen. Ihr könntet zu dem Reisebüro beispielsweise mit einer Kutsche fahren. Die Kutscher in Luxor sind da sehr kooperativ und günstig, wenn man das eben nicht über den Reiseleiter bucht.

      Ach ja es gab zwei Herren, die kein Geld mehr für die Ausflüge dabei hatten und deshalb die ganze Zeit auf dem Schiff blieben. Die fanden es dementsprechend etwas langweilig…

      Die Ausflüge sind meistens sehr früh morgens gestartet, sodass wir am Nachmittag abgelegt sind. Den Horus Tempel haben wir hingegen mittags erreicht. Wir haben entsprechend nur etwas mehr als zwei Stunden in Edfu gehalten und sind dann weiter nach Kom Ombo.

      Ich hoffe, ich konnte Dir helfen. Wenn Du noch mehr wissen möchtest, schreib mir einfach noch mal.
      Beste Grüße, Jil.

      Antworten

  2. Reisebericht: 12. Tag Ägypten - Chillen an Deck | Jil's Blog

    […] wurden. Im Zuge der Stauung des Nassersees mussten diese Tempel allerdings genauso wie der Tempel von Philae umgesetzt werden. Dazu wurden die Tempel in einzelne Blöcke zerteilt und auf einer 64 m höher […]

    Antworten

Kommentar verfassen