Das Deck der MS Royal Esadora

Reisebericht: 7. Tag Ägypten – Auf zum Nil!

Der Nil ruft! Aber kennt ihr das, wenn man nur kurze Zeit zum Schlafen hat, man aber ständig aufwacht, weil man denkt, man hat verschlafen? So geht es mir zumindest immer und so war es auch diese Nacht. Als um 05:30 h mein Weckruf ging, war ich schon gut zehn Minuten wach , habe in der Zeit zwischen 2:30 und 05:30 h maximal zwei Stunden geschlafen und bin bestimmt zehnmal aufgewacht. Völlig neben der Spur mache ich mich frisch und packe meine letzten Sachen in die Koffer. Da fängt auch noch an mein Magen zu grummeln. Ihr denkt jetzt bestimmt: „Ha! Zu viel Alkohol getrunken! Selbst Schuld!“ Ich fürchte allerdings, dass das eher was mit den Magenproblemen zu tun hat, die sich hier so ziemlich jeder holt. Egal wie vorsichtig man beim Duschen ist und ob man nun mit Wasser aus der Flasche den Mund nach dem Zähneputzen ausspült, irgendwann landet doch ein fataler Eiswürfel im Getränk. Hoffen wir also, dass ich die vier stündige Fahrt nach Luxor gut überstehe.

Von Hurghada nach Luxor

Um 06:10 h werden bereits meine Koffer abgeholt. Ich sehe mich noch einmal im Zimmer um und folge dem Kofferträger zum Zimmer meiner Schwester. Doch der Kofferträger hat alles andere vor, als die Koffer zu tragen. Ganz dekadent ist dieser mit einem Kleintransporter mit offener Ladefläche angefahren zu kommen. Kurzerhand darf ich auf der Ladefläche und Kim mit im Fahrerhaus Platz nehmen. So sind wir ruck zuck bei der Lobby und können in aller Ruhe den Bewertungsbogen für das Hotel ausfüllen. Ein Muss für jeden abreisenden Gast. Um 06:35 h werden wir pünktlich im Hotel abgeholt und dann geht es auch schon nach Luxor. Zumindest fast. Erst fahren wir noch eine gute halbe Stunde zum Cleopatra Luxury Hotel in Maikadi Bay, wo wir Simone und Detlef abholen. Dekadentes Anwesen! Vielleicht ja eine Option für nächstes Jahr.

Schokoladenwut

Nach 1,5 Stunden Fahrt machen wir eine kurze Pause an einem kleinen Caféhäuschen mit Kiosk und natürlich kleinen Shops davor. Neben einer Pipipause sehne ich mich nach Schokolade und kaufe für stolze 4 Euro ein Twixx XXL und ein zweier Paket Snickers. 30 Minuten später  konnte kein Verkäufer irgendjemanden etwas andrehen und wir fahren endlich weiter.

Wer bremst, verliert!

Mädchen in ÄgyptenKim und ich sitzen direkt hinter dem Fahrer und ich sitze am Gang. Dementsprechend kann ich so ziemlich alles sehen, was der Fahrer auch sieht. Nickerchenversuche kann ich mir also nach der Pause mehr und mehr abschminken, denn was hier auf den Straßen passiert, ist wirklich Nerven aufreibend. Wir verlassen nämlich die Wüstenstraße und fahren den Nil entlang. Hier herrscht reger Verkehr. Neben Autos in allen Größen und Farben, teilen wir die Straße auch noch mit Motorradfahrern, Eseln, Pferden und anderen motorisierten Geräten. Verkehrsregeln sucht man hier vergebens, bis auf ein paar Geschwindigkeitsbegrenzungen. Reguliert wird der Verkehr lediglich nach dem Motto „Wer bremst verliert“, unfassbar viele Speedbumbs, die aus angehäuften Asphalt bestehen, und durch Militärkontrollposten. Es herrscht ein furchtbares Durcheinander, bei dem Unfälle vorprogrammiert sind. Und obwohl es mehrfach fast gewummst  hätte, kommen wir nach über fünf Stunden endlich im Luxor und an unserem Anleger an.

Willkommen auf dem Nil!

Wie wir es schon erwartet haben, geht es für uns aber nicht auf die MS Magic II, sondern auf ein anderes Kreuzfahrtschiff und zwar die MS Royal Esadora. Der erste Eindruck ist allerdings sehr positiv. Die Einrichtung ist modern, stylisch und gepflegt. Zudem haben die Kabinen wie gehofft bodentiefe Fenster. Im Bar Bereich werden wir von unserem Reiseleiter Mohamed begrüßt, der uns auf der gesamten Nilkreuzfahrt begleiten wird. Bei einem Begrüßungstee erklärt er uns, wann die Essenszeiten sind, von wann bis wann All inclusive in Anspruch genommen werden dann (11:00 – 23:00 h) und welche Getränke enthalten sind (alle nationalen Alkoholika und sämtliche nicht alkoholische Getränke) und wie das mit den Ausflügen funktioniert. Diese können wir um 15:00 h bei ihm buchen.

In der Zwischenzeit erobern Kim und ich unsere Zimmer, die wieder nah beieinander und dann noch in der obersten Etage liegen! Mein Blick ist zwar zur Zeit etwas durch das danebenstehende Schiff getrübt, dafür hat Kim einen wunderschönen Ausblick auf den Nil und während der Fahrt wird es bei mir dann ja auch besser aussehen. Bis es um 13:00 h zum Mittagessen geht, schauen Kim und ich uns das Schiff an und beginnen beim Sonnendeck, dass direkt über uns liegt. Der Pool ist weitestgehend flach und hat nur einen kleinen 2x4m tiefen Bereich. Das ist ja nicht weiter schlimm, nur dass er eiskalt ist, schreckt gerade etwas ab. Dafür sehen die Liegen einladend aus. Zudem bietet das Sonnendeck eine zweite Bar, zwei Sitzecken und diverse Stuhl-Tisch-Kombinationen.

Die Nörgelecke

Zum Mittagessen müssen wir nach ganz unten und welcher Geruch strömt uns direkt entgegen? Richtig! Koriander! Beim Betreten nennen wir unsere Zimmernummern und werden daraufhin unserem Tisch für die Woche zugewiesen. Mit bei uns sitzen das junge Pärchen Sebi und Leonie, Sergey, Mutter Erika (Mitte 70) mit Sohn Norbert sowie Jens und Erwin, die ihre Frauen zu Hause gelassen haben. Wir bestellen uns ein Einstiegsbier und suchen uns beim Essen etwas heraus, wo wir den Koriander zumindest abstreifen können. Viel kommt dabei nicht so recht bei rum, aber immerhin sind die Nachspeisen nicht so süß wie im Hotel und so wird man doch meistens irgendwie satt. Gut, dass wir mit Leo und Sebi die Nörgelecke einigermaßen abgrenzen können. Die restlichen Gäste sind nicht so krüsch oder, wie Leo sagen würde, solche „Schlauchmäuler“ wie wir. (An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass mein MacBook beide Begriffe kennt!) Sergey erklärt uns später, dass er zum Ende jeden Jahres einen All inclusive Urlaub macht und dabei fünf Kilo zunimmt, die er anschließend im Laufe des Jahres wieder abnimmt. Kann man mal machen. Kim und ich sind aber dann doch eher auf Abnehmkurs.

Ausflüge kosten extra

Nach dem Mittagessen hau ich mich in meine Koje und mach bis 15:00 h ein kleines Schläfchen, dass ich wirklich nötig habe. Dann geht es wieder in die Bar, wo wir bei Mohamed die Ausflüge buchen wollen. Dazu stellt er zunächst das Paket für 189 € vor, dass zwar viele Tempel, aber einige wirklich interessante Sehenswürdigkeiten wie das Tal der Könige nicht beinhaltet. Aus diesem Grund beschließen Kim uns die einzelne Preise genauer anzuschauen und dann nur das zu buchen, was uns wirklich interessiert. Schließlich hat Kim bereits vieles letztes Jahr mitgemacht, unter anderem eine Ballonfahrt am und über dem Nil bei Luxor.

Kim ist schon letztes Jahr Ballon gefahren
Kim ist schon letztes Jahr Heißluftballon gefahren.

Für diese hat sie letztes Jahr lediglich 25 Euro gezahlt. Die Tickets wurden allerdings von anderen Mitreisenden organisiert. Bei der Reiseleitung sollte die Ballonfahrt 80 Euro kostet. Dieses Jahr währen wir auch mit 75 Euro dabei. Als wir mit der Buchung dran sind, reden wir mit Mohamed ganz offen darüber, dass wir am überlegen sind, diese selbst zu buchen. Letztlich geht man mit den gleichen Ballons und den anderen Schiffspassagieren in die Luft. Mohamed erklärt, dass wir das gerne tun können, aber sich das negativ auf ihn auswirken könne, da der Reiseveranstalter dann immer davon ausgehe, dass er seine Hände mit ihm Spiel haben könne. Wir überlegen uns das also nochmal, zumal wir auch schon Jens, Leo und Sebi davon erzählt hatten. Letztlich buchen wir doch über Schauinsland, zahlen aber immerhin nur 59 Euro, da Leo und Sebi das Ausflugspaket gebucht haben und daher diesen Rabatt bekommen würden. Mohamed hat bei der Reisleitung gefragt, ob wir auch nur den reduzierten Preis zahlen müssen. Damit können wir leben.

Und wer seid ihr so?

In dieser illustren Runde bleiben wir noch bis zum Abendessen zusammen sitzen und lernen einander etwas kennen. Nach dem Abendessen lernen Kim und ich dann noch Vater Horst und Sohn Micha (32) kennen, die von sich noch nicht viel haben sehen lassen und am Nachbartisch sitzen. Micha und Horst haben auch schon einige Zeit im Hotel verbracht und munter Geld ausgegeben. Daher haben sie leider kein Geld mehr Ausflüge über und mussten auch noch All inclusive nachbuchen. Da stimmte die Informationsflut wohl nicht so ganz. Es ist frisch und wir sind müde, daher legen wir uns um 21:00 h ins Bett. Doch zuvor hören wir noch wie laut vom Nil aus nach oben gerufen wird. Es sind doch tatsächlich Händler auf kleinen Bötchen unterwegs, die uns von diesen aus Tücher und Co. verkaufen möchten. Wie das mit dem Warenaustausch funktionieren soll, ist mir schleierhaft.Händler auf kleinen Booten
Insgesamt war heute leider eher ein verbrauchter Tag, da außerder der Überfahrt von Hurghada zum Nil nicht wirklich etwas passiert ist. Und dafür mussten wir noch so unnötig früh aufstehen. Kim ist das letztes Jahr wesentlich entspannter angegangen. Liebes Schauinsland, nächstes Mal bitte wieder besser planen!

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