Ballonfahrt über den Nil

Reisebericht: 9. Tag Ägypten – Ballonfahrt am Nil

Eine Ballonfahrt, die ist lustig, eine Ballonfahrt die ist schön! Würd es mir nicht so bes******* gehen… Als um 04:15 h der Weckdienst anruft, habe ich vielleicht effektiv zwei Stunden geschlafen und den Rest der Zeit im Badezimmer verbracht. Die Zeit in der ich geschlafen habe, habe ich davon geträumt auf der Toilette zu hocken und jetzt soll ich 1,5 Stunden in der Luft schweben, ohne Toilette, ohne Ausweg, ohne alles. Keine Ahnung, wie ich das „unfallfrei“ überleben soll. Kein optimaler Start in den Tag!

Ballonfahrt

Ich quäle mich also in meine Kleidung und nutze jede Sekunde in meinen abgeschlossenen vier Wänden, bis ich mich dem Tag stelle. Ehrlich wie ich bin, entschuldige ich mich jetzt schon bei Kim, Leo, Sebi und Jens, die mit von der Partie sind, für jegliche Unannehmlichkeiten, die ich eventuell verursache und wir steigen zusammen in den Bus. Nach einer kurzen Fahrt steigen wir um in ein Boot, dass uns auf die anderen Nilseite befördert. An Board bekommen wir einen Tee, den ich mit viel Zucker trinke, und eine kleine Süßigkeit, die ich besser liegen lasse. Hier werden wir bereits von unserem Kapitän begrüßt, der uns erklärt, wie wir uns während der Fahrt und vor allem bei der Landung zu verhalten haben. Kurze Zeit später sitzen wir erneut im Bus und fahren zu den Heißluftballons, die schon fleißig befeuert werden.

Sonnenaufgang über dem Nil

Sonnenaufgang über dem Nil

Leichte Hektik macht sich am Boden breit. Dennoch verläuft das Einsteigen in die Körbe recht ruhig und wir sind Start klar. Natürlich muss ich noch einmal mein Abteil wechseln, dann scheint aber das Gewichtsverhältnis zu stimmen und wir heben ab. In der Ferne sehen wir einen anderen Ballon, der bereits gestartet ist, jetzt aber gegen das Gebirge zu knallen droht. Kurz vor dem Aufsetzen gewinnen sie aber wieder an Höhe und sind auf und davon gen Himmel. Während alle weiteren Ballons Richtung Nil geblasen werden, haben wir einen wunderbaren Ausblick auf den Terrassentempel von Hatshepsut, auf das Tal der Königinnen und auf das Tal der Könige. Auch wir scheinen kurz am Gebirge aufzusetzen, doch das ist genauso gewollt. Wir schüren etwas Zeit, um auf den Sonnenaufgang zu warten. Und dann kommt sie: Die Sonne! Feuerrot steigt sie langsam am Himmel empor. Das Schauspiel ist nur wenige Minuten lang, da strahlt sie schon in voller Größe uns entgegen.

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Unser Ballon gewinnt deutlich an Höhe und so zieht es auch uns über die Felder Richtung Nil. Von hier aus können wir sogar die Memnonkolosse sehen. Doch so langsam ist unsere Zeit vorbei und wir nähern uns wieder dem Erdboden. Nur die Mitarbeiter, die uns und den Heißluftballon wieder einsammeln sollen, sind wohl noch nicht so weit. Also geht es noch einmal wieder hoch. Dann kommen die Kinder an, die nach Spenden fragen. Uns wird ausdrücklich verboten, ihnen etwas zu geben und so werden auch sie ignoriert, als wir schlussendlich wieder Boden unter den Füßen haben. Dafür gibt es ein kleines Trinkgeld für unsere Ballonfahrcrew.

Memnonkolosse

Weiter geht es zu den Memnonkolossen an denen wir Mohamed und die restlichen Ausflügler treffen sollen. Diese sind aber noch nicht da, deshalb nehmen wir in einem Café Platz und ich freue mich über einen Besuch der Örtlichkeiten. Eine halbe Stunde später erfahren wir auch den Grund der Verspätung. Auch Mohamed hat es erwischt. Wir sitzen also heute im selben unbequemen Boot. Nach ein paar Fotos geht es weiter zum Hatshepsut Tempel.

Memnonkoloss

Jil vor den Memnonkolossen
Als kleiner Größenvergleich: Die Memnonkolosse und ich.

HATSHEPSUT TEMPEL

Hier erklärt uns Mohamed die verzwickte Familiensituation rund um Hatshepsut und wie sie an die Macht gekommen und vor allem geblieben ist. Das ist allerdings so kompliziert, dass Mohamed uns zur Veranschaulichung als Statisten genutzt hat. Hatshepsut war die Erbtochter von König Thutmosis I und seiner Gemahlin Amose. Aufgrund ihres Geschlechtes war es aber undenkbar sie als Nachfolgerin der Thronfolge einzusetzen. Dies übernahm ihr Halbbruder Thutmosis II. Da aber eigentlich nur Söhne der Erstfrau, die eine Ägypterin sein muss, das Erbe antreten dürfen, musste Thutmosis I die Priester „überzeugen“ Thutmosis II als Thronfolger einzusetzen. Aber da wir ja bereits wissen, dass die ganze altägyptische Religion Humbug ist, war dies mit ein paar Goldstücken schnell geregelt. Um Hatshepsut, die von diesen Machenschaffen als intelligente und gebildete Frau nicht sonderlich begeistert war, zu besänftigen heiratete Thutmosis II kurzerhand seine Halbschwester. Als Hauptfrau erhielt sie den Titel „Große Königliche Gemahlin“.

Der Terassentempel von Hatshepsut
Doch auch Hatsheptsut gebar nur mindestens eine Tochter, die wiederum nicht erbberechtigt war. Die Nebenfrau Isis gebar dafür einen Sohn: Thutmosis III. Dieser sollte Ober- und Unterägypten nach dem Ableben seines Vaters führen. Da dieser aber nach einer dreijährigen Amtszeit bereits verstarb, war dieser  zu diesem Zeitpunkt noch unmündig. Stiefmutter Hatshepsut übernahm daher zunächst die Regentschaft für den Thronfolger Thutmosis III. Die Regierung als Regentin reichte der „Ersten der vornehmen Frauen“, wie Hatshepsut übersetzt wird, aber nicht aus. Und so erzählte sie dem Volk, dass der Gott Amun ihr im Traum erschienen sei und ihr erzählte, dass sie seine Tochter sei. Mit göttlicher Hilfe und Legitimation stieg sie als Pharaonin von Ober- und Unterägypten auf. Die „Herrin beider Länder“ machte keinen Hehl aus ihrer vollständigen Macht über Ägypten und ging dadurch als bedeutende Frau in die ägyptische Geschichte ein. Unter ihr blühte Ägypten auf und sie legte den Grundstein für wirtschaftliche, geistige und kulturelle Macht, die den Wohlstand im Innern und die Ausbreitung des Weltreichs unter ihren Nachfolgern ermöglichte.

Thutmosis III gelang es während der Lebezeit von Hatshepsut nicht, die Macht zu übernehmen, stand ihr aber als Mitregent an ihrer Seite. Erst nach dem Tod seine Stiefmutter, übernimmt er die Macht über das Reich am Nil. Sein Groll gegenüber Hatshepsut saß dennoch vermutlich tief, sodass er viele Kartuschen und Bilder in ihrem Tempel auslöschen ließ.

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Neben dem Hatshepsut Terassentempel standen ursprünglich noch zwei weitere dieser Art. Von dem äußeren ist allerdings nichts mehr erhalten und auch der direkt neben dem von Hatshepsut ist nicht mehr als eine Ruine. Dagegen wirkt Hatshepsuts Tempel noch nahezu neu und vollständig, was vielleicht aber auch daran liegt, dass der Treppenzugang komplett erneuert wurde. Der Tempel der Pharaonin ist übersät von Götzen jener, die sich oft als Mann darstellte, um ihre Macht zu demonstrieren. Aus diesem Grund liegt ihr Grab auch im Tal der Könige und nicht im Tal der Königinnen! Außerdem gibt es einen Bereich für die Muttergöttin Hathorsowie  für Anubis Gott der Totenriten und der Mumifizierung. Kaum hat Mohamed fertig erzählt strömen bereits wieder diverse Schulklassen die Treppen hinauf. Das Umsehen schenken wir daher etwas ein und gehen relativ zügig weiter.

Alabastersteine

Ägyptische FigurenWieder einmal steht uns ein Verkaufsaktion bevor. Wir halten bei einem kleinen Laden, der typisch ägyptische Figuren als Alabaster und ähnlich hochwertigen Steinen und Materialen herstellt und verkauft. Dazu werden wir mit einer einstudierten Choreografie begrüßt, wo uns gezeigt wird, wie der Stein verarbeitet wird und uns demonstriert wird, was man sonst für Schmu auf den Märkten angedreht wird. Ob die Figuren im Laden allerdings alle wirklich aus Alabaster und Co. bestehen, bezweifele ich auch etwas. Trotzdem habe ich mir einen kleinen Anubis passend zu meinem Papyrus gekauft und endlich den Preis einmal deutlich drücken können. Drohe zu gehen und nichts zu kaufen, dann fallen die Preise auf einmal wie von selbst  ;-).

Alabaster Geschäft
Kaum sind wir weg, schon folgen zwei weitere Reisegruppen.

Tal der Könige

Nächster Programmpunkt des Tages ist das Tal der Könige. Dieser Ort dient als Grabstätte für die großen Pharaonen der Altägyptischen Zeit und hat die Pyramiden abgelöst, die auf Dauer als zu aufwendig angesehen wurden. Mit unserem Ticket haben wir Zugang zu drei verschiedenen Gräbern unserer Wahl. Lediglich für das Grab von Tutanchamun und ein weiteres müssen ein extra Ticket gelöst werden. Da Kim dies letztes Jahr nicht getan hat, sich der Anblick aber lohnen soll, zahlen wir die zusätzlichen 100 Ägyptische Pfund.

Leider ist es verboten in den Gräbern Fotos zu schießen und ich kann mich ehrlich gesagt auch nicht mehr ganz genau erinnern, in welchen Gräbern wir waren. Das erste Grab, das wir besucht haben, ist weit in den Felsen hinein gegraben und mit jedem Meter den wir tiefer gehen, desto wärmer wird es. Wir sehen teilweise fertige und teilweise völlig unfertige Hieroglyphen und Malereien an den Wänden. Hier verhält es sich ähnlich wie mit den Tempeln. Nach dem Tod werden die Arbeiten eingestellt, mit der Besonderheit, dass noch 40 Tage weiter gearbeitet wird. In den Gräbern haben auch nicht etwa Sklaven, sondern richtige Künstler gearbeitet. Dabei werden die Malerei zunächst mit einer roten Farbe vor- und vom Meister mit einer schwarzen Farbe korrigiert. Erst dann werden die Bilder in den Stein gehauen. So kommt es, dass manche Flächen gar nicht bearbeitet wurden und auf manchen nur rote oder rote und schwarze Farbe zu sehen ist. Manch ein Raum ist aber schon wundervoll bunt und an der Decke ist ein voller Sternenhimmel zu sehen. Auch eralten sind die Sarkophage.

Das Grab von Tutanchamun

Nach dem dritten Grab, besuchen Kim und ich noch das Grab des Tutanchamun, das, wenn man ehrlich ist, eher weniger beeindruckend ist. Kein Wunder, schließlich starb der junge Pharao im Alter von 19 Jahren. Da war nicht viel Zeit, ein riesiges Grab in den Berg zu schlagen. Dafür ist dieser eine Raum fertiggestellt. Der Sakrophag hingegen ist bekanntlich eine Nachbildung, da sich das Original im Ägyptischen Museum in Kairo befindet. Dafür sehen wir die doch etwas gruselige Mumie des Tutanchamun, die in einem Glaskasten im Grab ausgestellt ist. Allerdings ist sie fast vollständig bedeckt, sodass man nur den Kopf und die Füße sieht. Hauptsache wir sind jetzt nicht verflucht ;-).

Als wir zurück zur Gruppe stoßen, könnten wir eigentlich zurück zum Schiff fahren, doch wie so oft haben auch wir schwarze Schafe in unserer Reisegruppe. Die „Schwarze Fraktion“, wie wir sie nennen, da sie alle gänzlig schwarz gekleidet sind, hat sich schon bei Eintritt des Geländes von uns gelöst, sich eigenständig sich ihre Gräber ausgesucht und Mohamed von Anfang an nicht zugehört. Mohamed hat sie allerdings vor ihrem dritten Grabbesuch abgefangen und mit ihnen besprochen, dass wir uns am Eingang wieder treffen. Nach Minuten des Wartens geht Mohamed nachschauen, ob sie noch im Grab sind und als hätten wir es nicht schon geahnt, sie sind es nicht mehr. In der Hoffnung, dass sie bereits beim Bus warten, gehen wir den Berg hinab und durch die Verkaufspassage.

Hier ein kurzer Exkurs, um die nervigen Verkäufer abzuwehren: Einfach die ganze Zeit „la shukran“ sagen, was so viel bedeutet wie „nein, danke“. Das hilft zumindest oft mehr als „no“ oder „nein“ zu sagen.

Am Bus angekommen, sind die drei aber auch hier nicht zu finden. Mohamed ist inzwischen etwas nervös, da er die Verantwortung für die Gruppe trägt und auch keine Idee mehr hat, wie er die drei erreichen könnte. Doch zum Glück taucht die „Schwarze Fraktion“ dann doch noch auf. Sie waren noch fleißig shoppen. Unfassbar unverschämt wie die sich verhalten! Ich könnte mich hier noch ausgiebiger über die drei auslassen, was die sich sonst noch geleistet haben und mit was einer grausamen Haltung sie uns gegenüber getreten sind, aber ich lasse das an dieser Stelle lieber erst einmal.

Sonnen an Deck

Ich bin auf jeden Fall froh, als wir wieder am Schiff ankommen und ich den Tag „unfallfrei“ überstanden habe. Für den Rest das Tages ist die Toilette nicht mehr weit entfernt und so kann ich entspannen. Dazu geht es nach dem Mittagessen, direkt aufs Sonnendeck. Hier legen Leo und ich uns auf die Liegen und genießen mit einem Buch in der Hand die Sonne, während die anderen überlegen, was für einen Blödsinn sie aushecken können.

Wir legen ab!

Sonnenuntergang über dem Nil

Um etwa 15:30 h legen wir ab. Nach 2,5 Tagen beginnt unsere Kreuzfahrt auf dem Nil also erst so richtig. Durch den Fahrtwind wird es etwas frischer und die Sonne steht eh nicht mehr sonderlich hoch. Also gehen wir duschen und ich lege mich bis zum Abendbrot noch ein bisschen aufs Ohr. Ja, ich habe viele Nickerchen auf dem Schiff gemacht. Zum Abendessen sind wir dann aber wieder alle versammelt und spielen anschließend noch eine Runde Karten. Da wir aber heute früh hoch sind, gehen wir auch heute wieder früh ins Bett. Hoffentlich geht es meinem Magen morgen schon wieder etwas besser…

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