Amerika – Was ist anders?

Amerika: Was ist anders?

Ich bin zurück in Deutschland – leider. Mir hat es wirklich sehr gut in Amerika gefallen und ich kann es kaum erwarten wieder über den großen Teich zu fliegen. Aber jetzt setzt erstmal wieder der Alltag für mich ein. Meinen ersten Tag in Hamburg habe ich mit Wäsche waschen und schlafen verbracht. Gegen halb drei habe ich mich dazu aufraffen können endgültig wach zu bleiben und um 18:00 h bin ich sogar pflichtbewusst in die Universität gefahren und habe mich zum Thema Konsumentenverhalten berieseln lassen. Dann habe ich noch mein Auto bei Katharina wieder abgeholt und endlich die gewaschene Wäsche im Trockenraum unseres Hauses aufgehängt. (Liebe Nachbarn, bittet entschuldigt, dass ich den halben Raum für mich eingenommen habe. Kommt nicht all zu bald wieder vor!) Heute bin ich bereits wieder bei der Arbeit und versuche so langsam wieder in den Rhythmus zu kommen. Leider muss ich feststellen, dass sämtliche Telefonnummern aus meinem Gedächtnis verschwunden sind, aber immerhin weiß ich mein Passwort noch.

Doch Amerika ist noch nicht völlig aus meinen Gedanken verschwunden und darum möchte ich Euch in den kommenden Tagen noch mit ein paar kleinen Beiträgen zum Thema Amerika erheitern. Heute beginnen wir mit der Kategorie: Was ist anders?

1. Superlativen!

Ganz klar – alles ist größer! Erinnert Ihr Euch noch an das Gurkenglas von Walmart? Oder die „kleine“ Pizza vom ersten Tag? Die Portionen hier sind riesig! Auch für die Amerikaner. Selten wird hier tatsächlich etwas aufgegessen. Dafür werden die Reste aber gerne – natürlich in Plastikverpackungen – mit nach Hause genommen und vermutlich später verzehrt. Daran mussten wir uns erstmal gewöhnen. Als wir es raus hatten, haben wir uns oft ein Essen geteilt, nur einen Teil des Gerichtes bestellt oder nur einmal am Tag richtig gegessen. Dieses Konzept hat ganz gut funktioniert, sodass wir – Gott sei Dank – in Kombination mit den vielen Meilen, die wir auch zu Fuß hinter uns gebracht haben, mit kaum mehr Speck auf den Rippen zurückgekehrt sind.

Hochhäuser in Los Angeles

Neben den Essensportionen ist in Amerika aber noch so einiges mehr größer, wie bekanntermaßen Häuser und Straßen. Die Straßen sind großzügig breit, sodass, zumindest sollte man das meinen, jedes Auto bequem Platz hat. Doch die Straßenbreite wird natürlich ausgenutzt auch immer breite Autos zu fahren. Manche Autos sind so breit, wie manche hierzulande lang sind! Also liebe Amis, wenn ihr plant nach Deutschland zu kommen, lasst eure Autos wirklich besser da, auch wenn ihr das Geld für den Transport übrig hättet!

2. Der Straßenverkehr

Einer der ersten Sätze zu meinen Eltern war auch: „Die Autobahn ist so süß klein.“ Zweispurig wirkt einfach lächerlich, wenn ich an die teilweise bis zu achtspurigen (oder waren es noch mehr!?) Highways denke. Wenn es weniger als drei, vier Spuren gab, war das schon eher ungewöhnlich. Verwirrend ist auch, dass man sowohl links, als auch rechts überholen darf. Man sollte also stets aufmerksam sein und beobachten, was um einen herum passiert. Etwas, was die Amis allerdings nicht sonderlich gut verfolgen. Denen ist es meistens egal, ob Du die Spur wechseln möchtest und schon seit gefühlten fünf Minuten blinkst und herüberziehst. Die behalten ihre Geschwindigkeit bei oder beschleunigen und hupen dich eher noch an, als abzubremsen, wenn Du langsamer bist als er. Herrlich. Also wenn die Amerikaner eins nicht können, dann ist es Auto fahren!

Allgemein ist die Verkehrsordnung etwas anders geregelt als in Deutschland. So darfst Du, sofern die Situation es zu lässt, bei jeder roten Ampel bereits rechts abbiegen. Du hast also quasi immer einen grünen Pfeil. Es gibt kein rechts vor links und keine Vorfahrtsstraßenzeichen. Dafür werden Stoppschilder eingesetzt. Hast Du kein Stoppschild vor der Nase hast Du also Vorfahrt. Haben alle vier Straßen ein Stoppschild, dann steht meist darunter „ALL WAY“ oder „4-WAY“. Hier gilt: Wer zuerst steht, darf als erstes weiter fahren. Also schön aufmerksam! Allgemein ist hier alles mehrfach und ausführlich ausgeschildert, sodass man ständig lesen muss, was genau auf den Schildern steht. Zusätzlich wirst Du außerdem darüber informiert, welcher Verstoß wie viel kostet. Schön sind auch die Zonen, wo die ohnehin schon hohen Strafgelder nochmals verdoppelt werden. Was natürlich toll sind, sind die amerikanischen Trucks. Die sind einfach viel schöner als die deutschen und man hat sofort das Gefühl in einem Transformers-Film zu sein :-D.

3. Die Freundlichkeit

Dafür sind sie in allen anderen Hinsichten deutlich netter und freundlicher als die Deutschen. Sie haben immer ein Lächeln auf den Lippen und fragen gerne, wie es einem geht und wo man herkommt und scheinen dabei meistens tatsächlich Interesse daran zu haben. Das werde ich wirklich vermissen. Nicht vermissen werde ich allerdings neben ihrem Verhalten auf der Straße ihr Verhalten neben der Straße – also auf dem Bürgersteig. Wenn die gehen, dann gehen sie ihres Weges. Egal, ob Du denen entgegen kommst. Wenn Du nicht ausweichst, dann rummst es.

4. Refills und Wasser

Entgegen dem Wassersparkonzept gibt es in jedem Restaurant grundsätzlich immer umsonst gekühltes Leitungswasser. Leider ist dies oft sehr chlorhaltig aber ansonsten wirklich super. Es schaut auch kein Kellner verstimmt, wenn man nur Wasser zum Essen ordert. Bestellt man sich allerdings beispielsweise eine Cola, so wird diese kostenlos immer wieder aufgefüllt. Gleiches gilt auch für Kaffee und dergleichen. Ausnahmen sind aber natürlich alkoholische Getränke und so etwas wie Smoothies.

5. Das Bier

Ich persönlich fand das amerikanische Bier gar nicht so schlimm wie erwartet. Es war immer noch weit entfernt von „gut“ aber immerhin „trinkbar“. Die Preise für ein Bier hingegen waren alles andere als „annehmbar“. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie viel wir im Baseballstadion für ein Bier zahlen sollten, aber ich glaube es waren um die 20,00 USD.

6. Der Sport

Panorama-View des AT&T Parks
Panorama-View des AT&T Parks

Bekanntlich sind die Amerikaner Baseball, Football und Basketball-Fans und das aus voller Leidenschaft. Hier werden schon die Babies Giants-T-Shirts an und mit ins Stadion gebracht. Auch die Stimmung in einem Baseball-Stadion ist irgendwie fröhlicher, als in einem deutschen Fußballstadion. Wobei ich hier stark von den negativen HSV-Fans geprägt bin. Trotzdem habe ich den Eindruck gewonnen, dass das Fan-Dasein noch viel präsenter ist als in Deutschland. In Amerika kannst Du keine Meile gehen, ohne mindesten drei Personen mit einer entsprechenden Basecap oder einem T-Shirt zu sehen.

7. Der Müll

Amerikaner lieben Plastik! Alles wird hier in Plastikschalen serviert, wenn man nicht gerade in einem richtigen Restaurant essen ist. Gelegentlich werden auch mal Pappverpackungen genutzt aber die sind mehr die Ausnahme als die Regel. So haben Judith und ich mit schlechtem Gewissen unglaublich viel Müll produziert. Meiner Meinung nach völlig verantwortungslos!

8. Der Wandel der Landschaft

Hier kann ich natürlich nur für Kalifornien und einem kleinen Teil von Nevada sprechen aber was es hier für Wandlungen der Landschaften binnen weniger Meilen gibt ist wirklich beeindruckend. Alleine der Temperaturunterschied zwischen San Francisco und San Diego, der etwa eine Tagesfahrt entspricht, spricht schon Bände. In San Francisco ist es sehr windig, wodurch es sehr schnell frisch wird. Außerdem kühlt die Temperatur zum Abend deutlich ab. In San Diego hingegen gibt es, wenn überhaupt, eine kühle Brise und es bleibt die ganze Zeit über kuschelig warm. Welche verschiedenen Facetten Kalifornien hat, wird deutlich, wenn man sich etwas von der Küste abwendet und über kleinere Berge Richtung Las Vegas fährt und sich plötzlich in einer Wüste wieder findet. Von dort gelangt man allerdings binnen kürzester Zeit in die Berge, wo man im Winter sehr gut Ski fahren können soll und es auch im Sommer bereits wesentlich kühler ist. Von den Bergen beeindruckt, passiert man flache Landschaften gen Nappa Valley, wo sich wiederrum Weinberge befinden. Dies alles haben wir binnen drei Wochen und guten 2.100 Meilen Fahrt zu sehen bekommen. Natürlich ist das eine ganz schöne Strecke und wenn man diese Strecke in Europa zurücklegen würde, würde man wahrscheinlich auch so einiges zu sehen bekommen, aber trotzdem war diese Erfahrung für mich sehr faszinierend!

Mammoth Lakes

9. Die Tierwelt

In Deutschland freut man sich, wenn man an der Küste am Horizont auf einer Sandbank eine Seerobbe zu sehen bekommt. In Kalifornien sonnen sich diese lustigen Gesellen im Hafen auf Stegen, schwimmenden Bojen, oder wo sie sonst gerade ein nettes Plätzchen finden. Sie sind wirklich überall, sodass mir das „Ow ow“ jetzt schon fehlt. Auch Eich- und Streifenhörnchen sind wirklich überall anzutreffen. Diese süßen Tierchen werden von den Amerikaner schon als „Ratten“ bezeichnet. Also wirklich… Die Ratten der Lüfte – sprich Tauben – gibt es in Amerika natürlich auch zuhauf. Aber auch diverse andere Vögel, die wiederum schön anzusehen sind. Ein paar wilde Rehe haben wir auch zu sehen bekommen und natürlich dürfen wir nicht unseren Schwarzbären vergessen, der uns nachts am Pool in Mammoth Lakes besucht hat!

Schmetterling auf meinem Schuh

10. Die Flora und Fauna

Ich muss sagen, dass ich nicht weiß, welche Flora und Fauna ich besser finde – die in Deutschland oder die in Amerika. Alle Pflanzen in Kalifornien wirken irgendwie etwas bräunlich, die Bäume im Gebirge mal ausgenommen. Irgendwie wirken die Bäume und Pflanzen sehr speziell und einzigartig, was mir wiederum sehr gut gefällt und mich fasziniert. Unser saftiges Grün hingegen ist auch sehr schön. Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass sich die kalifornische Pflanzenwelt deutlich von der Deutschen unterscheidet.

Flora und Faune in Kalifornien

11. Das Fernsehprogramm

Fangen wir damit an, was nicht anders ist: Heide Klum. Heide Klum ist überall! Egal, ob im deutschen oder im amerikanischen Fernsehen – und niemand kann sie leiden. Diese Frau kann man anscheinend nicht umgehen. Ansonsten ist das Fernsehprogramm recht ähnlich, da wir in Deutschland viel des amerikanischen Programms direkt übernehmen oder kopieren. Allerdings haben wir uns jetzt nicht genauer mit dem Rundfunksystem, sprich mit den kostenlosen Angeboten und Bezahlfernsehen, auseinander gesetzt, weshalb ich dazu nicht viel sagen kann.

12. Die Musikauswahl im Radio

Es gibt unglaublich viele verschiedene Radiosender, die man vor allem in Städten empfangen kann. Jedoch sind die meisten entweder Bibel- oder Country-Sender, die man sich als Tourist nun wirklich nicht anhören mag. Wenn man einen hörbaren Sender schließlich empfängt, dann werden insgesamt um die 20 aktuelle Lieder gespielt, die ab und zu von älteren Titeln ergänzt werden. Wir haben uns während unser Reise eine Playlist bei Spotify angelegt mit unseren Dauerbrennern, die ihr Euch hier gerne anhören könnt:

13. Die lieben Touristen

Amerika ist voll von Asiaten – insbesondere Indern – und Deutschen! Ich glaube der einzige Ort, an dem wir meine ich kein Deutsch gehört haben, war in Santa Cruz. Ansonsten scheinen wir Deutschen überall in Kalifornien herum zu schwirren. Gut, wir waren schließlich auch da, aber irgendwie hat es uns nach einer Weile schon ziemlich genervt. Lukas meinte gleich am Anfang genervt zu uns: „Immer diese Deutschen!“, und ich weiß nicht, wie oft wir diesen Satz noch im Laufe der Zeit wiederholt haben… Andere Nationen waren nur vereinzelt vertreten.

2 comments

  1. Frederik

    Toller Artikel =) ich war 2015, 2016 auch in den Staaten, das Meiste kann ich absolut unterschreiben. Aber ob die meisten Menschen wirklich Interesse an einem haben wage ich mal zu bezweifeln 😉 Im Urlaub super angenehm dieses soziale Miteinander, aber nach längerer Zeit fand ich das deutsche Gespräche viel tiefgründiger sind… auch wenn wir viel seriöser im Alttag unterwegs sind hahaa

    Mach weiter so, bin nicht der große Filme Junkie…aber bei den Reiseberichten klicke ich mich mal durch! =)
    Liebe Grüße aus Dortmund,
    Fred

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    1. Jil

      Liebe Fred,
      erstmal vielen Dank für Dein Feedback! Der ein oder andere wirkte schon interessiert. Aber das Großteil vermutlich nicht stimmt schon. Kommt aber auch immer ein bisschen darauf an, wo man genau ist und wen man anquatscht 😉 Bei den Deutschen dauert es halt ein bisschen, bis man überhaupt ins Gespräch kommt.
      Ich freue mich, Dich bald wieder auf meiner Seite begrüßen zu dürfen. Vielleicht kann ich Dich ja doch noch für Filme begeistern 😛
      Viele Grüße aus dem hohen Norden
      Jil

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